Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

Seite: 45
DOI Heft: 10.11588/diglit.15909.28
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15909.30
DOI Seite: 10.11588/diglit.15909#0052
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1892/0052
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
45

Montag nach St. Conradtag (20. Februar)
1503. Nach derselben verkaufte Peter von
Brysach der Stainmetz, Bürger und „Statt-
Werckmann" zu Reutlingen um 14 rheinische
Gulden an Peter Uber, Bürger zu Reut-
lingen, 1 Pfund Heller jährlicher, auf St.
Katharinentag fälliger Gült aus seinem Haus,
welches zu Reutlingen gelegen war in der
Barfüßergasse oberhalb des Barfüßerklosters
und unterhalb des „Landtag" und an der
einen Seite an des Verkänfers anderem Haus
angreuzte, an der andern Seite aber ein Eck-
haus war. Da demnach Peter sowohl 1496
als 1503 Werkmeister oder Werkmann der
Stadt Reutlingen war, so ist es gewiß ge-
rechtfertigt, den 1499 verfertigten Taufstein,
das heilige Grab und vielleicht die 12 Apostel
auf den Strebepfeilern der Seitenschiffe mit
den Baldachinen und Belastungspyramiden
darüber, wie es schon Klemm in dem Württ.
Jahrb. 1882, Seite 128 that, dem Meister
Peter zuzuschreiben. Diese Arbeiten begrün-
deten offenbar seinen künstlerischen Ruf und
so finbet man denn, daß zwei Jahre später,
am Dienstag nach St. Hilarien (14. Januar)
1505, Johannes (Hasmann von Calw 1503
bis 1524) Abt von Hirsan und Bogt und
Gericht zu Calw an die Stadt Reutlingen
schreiben: „nachdem wir uwern Werkman
Meister Pettern Steinmetzen den Kirchenbuw
zu Calw verdingt haben, erheischt die Notturft,
dasz er dazu wandern musz"; sie bitten den
Rath, ihm Urlaub zil geben (Reutlinger
Stadtarchiv, Lade 88, Fase. 25). Es sei
hier noch gestattet, bezüglich eines Punktes
eingehender zu sprechen. Klemm am ange-
führten Orte Seite 128 meint: „Bei den:
Namen Peter von Breisach liegt übrigens
auch der Gedanke an den Meister in Urach,
Peter von.Koblenz (in der Schweiz), nicht
allzuferne." Gegen eine Jdentifizirung Peters
von Brysach mit Peter von Koblenz dürfte
aber der Umstand sprechen, daß ersterer ur-
kundlich 20. Februar 1503 Bürger zu Reut-
lingen heißt, während Peter von Koblenz
22. März 1501 „seßhaft zil Urach" (Klemm,
Seite 109) genannt wird. Es ist nun aber
doch sehr uilwahrscheinlich, daß Peter von
Brysach, der nachgewiesenermaßen 1489
nild 1503 zu Reutlingeil in derselben Straße
und wohl auch im selben Hanse wohnte, auch
im letzten Jahre Bürger in Reutlingen war,
in der Zeit zwischen 1489 nnb 1503 Reut-
lingen und sein Haus verlassen und sich zu
Urach seßhaft gemacht haben sollte, wodurch
er sein Bürgerrecht eingebüßt hätte unb
Hintersasse des Grafen von Württemberg ge-
tvorden wäre. Auch ist es schwer glaublich,
daß ein Mann, der 1489, 1494, 1503, 1505
und noch nach feinem Tode 1526 immer

„von Breisach" genannt tvllrde, im Jahre
1591 mit einem Male „von Koblenz" hieße.
Ein solch plötzlicher Wechsel des — sei es
nnn Familiennamens, sei es Herknnftsnamenö
— ist doch selbst in jenen Zeiten nicht wahr-
scheinlich. 1526 war, wie gesagt, Meister
Peter von Breisach todt. In diesem Jahre
wilrde „der lieben Frauen und des Heiligen
hier (zu Reutlingen) Rechtfertiglingsbuch
(jetzt im Kirchenpflegearchiv daselbst) verfaßt
und heißt es in demselben: Item acht Schil-
ling acht Heller uf Georg git Peter von
Breysachs Wittib llfser ainem Krutgarten
uf dem Statgraben gelegen by dem Bild-
stock."

Meisters Peter von Brey fach nächster
Nachfolger war wohl Hans Huber der
Stainmetz, welcher urkundlich am 30. März
1549 Bürger zu Reutlingen genannt tvird.
(Stadtarchiv Reutlingen, Lade 6, Fascikel 1.)
Dann erscheint 9. September 1564 in einer
Urkunde des Kirchenpflegearchivs der in
Klemms Arbeit über die Baumeister und
Bildhauer (Reutlinger Geschichtsblätter 1890
Nr. 1) nicht genannte Melchior Sattler,
Stainmetz, Bürger zu Reutlingen, an welchen
sich dann die weiteren von Klemni genannten
Meister anschließen. Was biejen Melchior
Sattler anbetrifft, so läßt sein Taufname
Melchior vermuthen, daß er ein Glied der

7. Oktober 1476 mit einem kaiserlichen
Wappenbrief begnadeten Familie Sattler
war, über welche sich Nachrichten bei v. Ge-
orgii-Georgenan, Biographisch-genealogische
Blätter in und cmS Schwaben, Seite 776
bis 781 und im Genealogischen Taschenbuch
der adeligen Häuser, Brünu 1889, Seite
352—354, 614, 1890 Seite 387—389 fin-
den. Den vielen tüchtigen Männern, die dies
Geschlecht hervorgebracht hat, dem trefflichen
Historiker Christian Friedrich Sat tl er (geb.
16. Nov. 1705, f 18. Mai 1787) und dem
ersten protestantischen Pfarrer zu Hallstadt,
Konrad Ludwig Wilhelm v. Sattler (geb.

8. Mai 1807 in Wien, f 17. Nov. 1886
in Hallstadt) würde sich dann auch ein Bild-
hauer anreiheu, dessen weitere Schicksale und
Leistungen noch 31t untersuchen wären.

Ein weiterer Reutlinger Bildhauer er-
scheint am 12. Dezember 1474 im Zinsbnch
des Klosters Mariaberg (im Staatsarchiv).
Dort heißt es bei der Rubrik Reutlingen:
Item Wagner git der Bildhaller — 1
lib. h. usser unsern aigeu Bongartten der ge-
legen ist ze Rütlingen vor Metmansthor.

Als an: 16. Februar 1489 die Zinse des
Spitals zu Reutlingen ausgezeichnet wurden,
ist die Rede voil Martin Bildhauers Halls
in der Kromergasse. Dieser Martin Bild-
h all er dürfte vielleicht identisch sein mit dem
loading ...