Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

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biberach, Steinhaufen, Heiligenberg (cf.
Martin in den Schriften des Bodensee-
vereins, 1883, S. 139) Scheer rc. und
starb nms Jahr 1775. K o n r a d H u b e r,
geb. in W e i n g a r t e n 24. November 1752,
lebte in Weißenhorn und starb dort 1830
(cf. „Archiv" von Keppler 1891, S. 27).
Johannes Zick, geb. in Ottobeuren
1702, j 1762 in Bruchsal; er malte in
Biberach und Schnssenried.

(Fortsetzung folgt.)

Der neue Hochaltar der ötadtpfarr-
kirche von ^reudenstadt und die
Restauration dieser Rirche.

(Schluß.)

In dieses Nnndfenster ragt der Giebel
des neuen Altars noch ein wenig hinein,
lieber dem steinernen, von körnigen Granit-
stnsen umrahmten Snppedanenm erhebt sich
die Steinplatte der Mensa, gestutzt ans
vier Sänlchen, eine zierliche Steinmetz-
arbeit von Matth. Wollensack in Vollma-
ringen. Der Altarhochban, in wel-
chem der christliche Knnstverein sich ein
bleibendes Denkmal in den Herzen und
den Annalen der Gemeinde gestiftet, stellt
sich als reduziertes Ciborium dar.
Bier Säulen von antiker Bildung, die
nicht wie bei gewöhnlichen Altarciborien
vom Boden anssteigen, sondern ans der
Mensa sich anfbauen, tragen — je zwei
ans beiden Seiten des Tabernakels durch
ein Architrav verbunden — die rnndbogige
Ucberdachnng und bilden so die Nische,
von deren farbenschimmerndem Hintergrund
sich der knppelbekrönte, von kannelirten
Säulen flankirte Doppeltabernakel abhebt.
Die eigenthnmliche Wirkung der Nische
liegt in der Perspektive: sie verengt sich
nach einwärts. Weil nämlich die Hinteren
Säulen nur je 11 cm vom Tabernakel
abstehen, die vorderen dagegen 59 cm, so
ist der äußere Wölbebogen doppelt so groß
als der innere. Von dieser gelungenen
Anordnung kommt auch die vielfach ge-
brochene malerische Linie der Predella, so-
wie des Simswerks über den Säulen. Unter
dem Hauptgiebel, dessen Säulen von kräf-
tigen Konsolen gestützt werden, läuft das
ebenfalls ans Konsolen (Sparrenköpfe) ge-
stellte Kranzgesims; unter diesem der präch-
tige Bandfries mit vegetabilem Ornament.

Die Zwickel über dem Rundbogen des
Baldachins sind mit zwei Prophetenbildern
in Flachschnitzerei, die Zwischenräume zwi-
schen den Säulen mit den Standbildern
der hl. Apostelfürsten, einem lobenswerthen
Schnitzwerk von F. Hofmeister in Sig-
maringen, besetzt. Mehr Bildwerkzier war
bei den ausgeworfenen Mitteln nicht mög-
lich und bei dem ausgeprägten Charakter
des Tabernakelaltars auch nicht nöthig.

Dagegen tritt die ganze Schmnckfrendig-
keit der Renaissance hervor in dem leben-
digen frei gezeichneten Ornament, das in
Gold ans schwarzem Grunde gemalt die
Flächen der Predella n. dgl., die Innen-
seite des Baldachins und sogar die Zwi-
schenräume der Sparrenköpfe deckt: und in
den virtuos geschnitzten Bekrönungen des
Tabernakels, in den Ausfüllungen der Friese
bis zu den Rosetten der Kranzleiste und den
Eier- und Blätterstäben, welche die Zwischen-
glieder der Gesimse umsänmen. Alle diese
Verzierungen sind (wie auch die sorgfältigst
gearbeiteten Kapitelle — vor dem Tabernakel
die ganzen Sänlchen —) vergoldet und durch
einen Farbenuntergrnnd hervorgehoben: an
den Friesen ist er theils dunkelbraun, theils
grün; an der Innenseite des Rundbogens
hellblau; die Tabernakelthüren glänzen
durch feine eingelegte Arbeit; die kräftige-
ren Gesimsglieder zeigen die dunklere Fär-
bung von Mahagoni, der Tabernakel selbst
den Schliss des Eichenholzes u. s. w.

So tritt der ruhigen Einfachheit der
Anlage ein gesuchter Reichthnm der Deko-
ration zur Seite. Es ist alles angewandt -
in keuscher Weise auch etwas Farbe --
um den Stoff zum Diener des idealen
Zweckes zu machen. Die Frucht aber ist
ein für den Verein, für die Beschenkten
und den Verfertiger, Altarbaner Binnig
in Oedheim, gleich befriedigender: nämlich
ein wahrhaft monumentaler Hochaltar, wie
von solch vornehmer Gesammterscheinnng,
um diesen Preis wenigstens, kaum je einer
hergestellt worden.

Aber wie paßt nun dies Kunstwerk in
die Kirche hinein, der eine glückliche Fügung
es beschieden? — So gut als nur immer
möglich. Wie der Augenschein lehrt,
könnte kein gothischer oder romanischer
Altar diese vierschrötige, langweilige Chor-
wand entfernt so verkleiden und verklären
wie dieser Monnmentalban in klassischem
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