Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

Seite: 55
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paar wohl zu einander gestimmte und am
rechten Ort angebrachte Farben ist diesem
stillosen Gebäude bis zum Dachfirst hin-
auf Bedeutung, Charakter, Geschmack ver-
liehen worden: und wenn nur erst der
Altar, der zum ganzen Ernenerungswerk
den Anstoß gegeben, ins Licht gestellt und
dadurch das leuchtende Auge des Ganzen ge-
worden sein wird chvrgl. Luk. 11, 36), dann
wird man im umgekehrten Sinne von einstens
sagen: Siehe, es paßt alles zusammen!

Um die ganze Tragweite dieser ersten
Knnstvereins-Stiftung zu ermessen, müssen
wir zum Schluß die von der beschenkten
Gemeinde aus Anlaß derselben geleisteten
Beiträge und verwendeten Gelder uns ver-
gegenwärtigen. Vielleicht wird es dann
weniger Anstoß erregen, wenn wir jetzt
schon wieder um eines simpeln Fensters
willen um Hilfe rufen.

Für Altar und Bauwesen ist bis jetzt
verausgabt worden (in runden Summen):

Für Mark

Mensa sammt Suppedanenm . 680

Sonstige Maurerarbeit . . . 260

Zimmerarbeit.337

Gipserarbeit. 112

Schreinerarbeit. 100

Schlosser-, Glaser-, Flaschner-
arbeit .200

Bodenbelag. 150

Malerei ..1050

Bauleitung. 147

M. 3036

Davon wurden gedeckt durch Beiträge

Mark

der Missionskasse.600

des Jnterkalarfondo .... 600

der Staatskasse.500

der Kapitelskasse. 50

und durch ein Legat vor: auswärts l 00

M. 1850

Nest „ 1186

wovon ans Stistnngsmitteln M. 512

durch freiwillige Gaben der
Psarrgenossen (ohne Bnhl-
bach und Schönmünzach) M. 674

bestritten worden sind.

Stadtpsarrer K e p p l e r.

Literatur.

Allgemeine Kunstgeschichte. Die
Werke der bildenden Kunst vom Stand-

punkt der Geschichte, Technik, Aesthetik.
Mit über 1000 Illustrationen und mehr
als 120 ganzseitigen artistischen Bei-
lagen in Typographie, Lithographie,
Lichtdruck und in reicher polychromer
Ausführung. Von Dr. P. Albert
Kuhn 0. 8. B., Professor der Aesthe-
tik uud klassischeir Literatur. Ein-
siedeln, Venziger & Co., 1891. Erste
Lieferung. 48 u. 33 S. groß 8".
Preis 2 M.

So stark auch auf dem Gebiete der Kunst
und Kunstgeschichte die Produktivität ist, an ka-
tholischen kunsthistorischen Gesammtdarstellungen
ist kein Neberfluß. Hier wird uns ein Werk
vorgelegt, welches das lebhafteste Interesse er-
regt und wegen seiner originellen Anlage nicht
bloß die Konkurrenz mit schon vorhandenen oder-
gegenwärtig erscheinenden Publikationen gleicher
Richtung, sondern auch die mit den ersten nicht-
katholischen Bearbeitungen der Kunstgeschichte
zuversichtlich aufnehmen kann, ja die ganze kunst-
geschichtliche Forschung an vergessene Aufgaben
erinnert und theilweise auf neue Bahnen weist.
So sehr die Zeitrichtung philosophischer Auf-
fassung abgeneigt und einer realistisch-historischen
Anschauung zugeivandt ist, so kann doch ans die
Dauer gerade die Kunstgeschichte am wenigsten
sich tieferer philosophischer oder ästhetischer Be-
trachtung entschlagen. Und je stärker die Zahl
einseitig historischer Bearbeitungen derselben in
den letzten Zeiten angewachsen ist, um so fühl-
barer ist das Bedürfnis nach einer historisch-
ästhetischen Darstellung derselben geworden. So
wird auch die immer völligere Emanzipation
der ausübenden Kunst von der Wissenschaft der
Aesthetik mit solchem Fiasko und solcher Ver-
wilderung der ersteren enden, daß sicher in einer
folgenden Periode die letztere wieder in ihre
Rechte eingesetzt wird. Das ist nun eben die
Grundtendenz des obigen Werkes: die historische
Auffassung mit der ästhetischen zu verbinden.
Und zwar sollen nicht bloß in die geschichtliche
Darstellung etwa ästhetische Reflexionen einver-
woben werden; vielmehr soll eine ästhetische Vor-
schule über die wichtigsten Fragen betreffs des
Schönen uud der Kunst die Grundlage des
Ganzen bilden, ferner sollen der Behandlung
der drei bildenden Künste, der Architektur, Pla-
stik und Malerei, je ästhetische Borbetrachtungen
über Wesen, Aufgaben, Zwecke jedes derselben
vorangeheu und endlich jeder einzelnen Periode
eine ästhetische Würdigung nachgesandt werden.
Und noch ein Drittes liegt dem Verfasser am
Herzen, was die Kunstgeschichte bisher nicht in
ihren Darstellungsrahmeu ausgenommen hat:
d i e T e ch n i k. Es ist ganz wahr, daß gerade
deßwegen vielen kunstgeschichtlichen Werken die
Verständlichkeit abgeht und die Kunstwissenschaft
als eine Art Geheimlehre erscheint, tveil vielfach
Unkenntniß herrscht gerade über das Materielle
an der Kunst und über das Werden uud Ent-
stehen der Kunstwerke und weil die Schriftsteller
es unter ihrer Würde erachten, darüber aufzu-
klären. So gewinnt der Verfasser „drei Tri-
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