Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

Seite: 61
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Figürchen von Maria und Johannes ohne
Zweifel einst das Altarbild der Stiftö-
kapelle; die Skulpturen, unbeholfen, doch
nicht seelenlos, sind wohl noch dem 13. Jahr-
hundert zuzutheilen. Noch etwas älter
mag aber der Kruzifixus fein, wel-
cher vor dem eben beschriebenen über dem
Krenzaltar hing und welchen wir hier
abbilden.

Er mußte, weil total wurmstichig und
verwittert, weggenommen werden und be-
findet sich in einer Kammer über der
Sakristei. Zweimal, so sagt die Legende,

fei er auf der Sechta herabgeschwommen
und dann in die Kirche verbracht worden.
Eine ergreifende Skulptur, mit den über-
aus mageren Extremitäten, den stark vor-
tretenden Brustrippen, der tiefgegrabenen
Seitenwunde, dem in Todesmüdigkeit auf
den linken Arm herabgesunkenen Haupte
und dem Antlitz voll erschütternden
Schmerzes; das Lendentnch, sorgfältig ge-
legt, reicht noch bis auf die Knie. Die
Größe beträgt 1,50 Meter.

Noch sind einige Skulpturen zu er-
wähnen , die an den Wänden der Kirche
und in der Nebenkapelle ihre Aufstellung
gefunden haben. An der rechten Wand des
Schiffes befindet sich ein Gruppenbild in
Hochrelief, eine Krönung Mariens, offen-
bar der Spätgothik angehörig; sowohl die

Hauptfiguren als die teppichhaltenden Engel
ermangeln feinerer Auffassung und Aus-
führung. (Forts, folgt.)

Ueberblick über die aus Ober-
schwabeu gebürtigen Aünstler des
achtzehnten Jahrhunderts.

Von Pfarrer vr. Probst in Essendorf.

(Schluß.)

Im letztgenannten Kloster malten ferner:
Sieg und Bergmaier von Biberach
1717. Ferner Martin Dreyer in Wib-
lingen 1772 bis 1787, auch in Bihlasingen
und Unterkirchberg. Wegscbneider von
Riedlingen malte in Benron 1738; Kuen
von Weißenhorn im Bibliotheksaal von
Wiblingen und in der Wengenkirche von Ulm.
Andreas Brugg er 1737 ans Kreß-
bronn malte in Gattnau, Wnrzach, Tett-
nang, Rorschach, Langenargen und starb
1812 in Langenargen. Franz Anton Dick
malte in der Vorstadt I s n y 1754; Michael
Frey aus Biberach, geb. 1750, gest. 1813
in Augsburg, war Landschaftsmaler und
Kupferstecher. Des Johannes Zimmer-
mann, der 1731 in Steinhaufen, OA.
Waldsee, malte, gedenken wir hier nicht
positiv, weil er wohl ein Bruder des
Dominikus Zimmermann war, der um 1731
die Kirche in Steinhaufen baute, von dem
jedoch in dem Verzeichnisse im „Königreich
Württemberg" angegeben ist, daß er ans
Landsberg gebürtig sei (1. c. S. 284).

Die oberschwäbischen Klöster zogen viel-
fach auch noch auswärtige Künstler zur
Bemalung ihrer Kirchen herbei, besonders
den Januarius Zick und den Asam. Der
erstere war ein Sohn des schon genannten
Johannes Zick ans Ottenbeuren, ist aber
in München geboren und war in Koblenz
ansässig, wo er 1812 starb (cf. Keppler:
Kirchliche Knnstalterthümer Württembergs,
S. XXXIX). Bei einigen andern ist die
Landsmannschaft zweifelhaft.

Merkwürdig ist, daß auch im 17. Jahr-
hundert, zur Zeit des 30jährigen Krieges,
die Kunstübung in Oberschwaben nie voll-
ständig versiegt war und von einheimischen
Meistern ausgeübt wurde.

Besonders ist hier zu nennen:

Johann Heinrich SchönfeldHfaus

st cfr. Woltmann-Wörmann 1. c. III. S. 882.
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