Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

Seite: 62
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Biberach, geboren 1609. Er war ein
Schüler des Johann Sichelbain von
Memmingen, bildete sich aber in Ita-
lien ans und ließ sich nach seinen Reisen
in Augsburg nieder, wo er 1675 starb.
Er hinterließ zahlreiche Altargemälde in
den Augsburger und oberbayerischen Kir-
chen (aber auch in Biberach und Ochsen-
hausen ist noch Einiges vorhanden), zahl-
reiche weltliche Bilder in den Schlössern
und Bürgershänsern. Von seinen fünf zu-
sammengehörigen antikisirenden Bildern mit
vielen mittelgroßen Figuren, welche sich
nach Sandrart ursprünglich bei dem Bür-
germeister Jenisch in Augsburg befanden,
sah man drei bis zum Jahr 1723 noch in
Prag, zwei aber: „Der Gigantenkampf"
und „Das Bachanal" befinden sich seit
dieser Zeit in der Dresdener Gallerte.
Wenn sie auch keine ursprüngliche, sondern
nur eine anempfundene Kunstweise zeigen,
so sind sie doch in ihrer Art gut, selbst
keck komponirt und recht tief in der Farbe.
Dasselbe gilt von seinem Sittenbild „Musi-
kalische Unterhaltung am Spinett" in der
Dresdener Gallerte. Kälter sind seine Bilder
in der kaiserlichen Gallerte zu Wien; auch tu
der Schleißheimer Gallerte sieht man noch ein
Bild von seiner Hand. (Woltmann-Wör-
manu.) Derselbe hatte einen Schüler Jo-
hann Heiß von Memmingen, geb.
1640, der 1704 in Augsburg starb und
einen desgleichen Namens Johann Bey-
s ch l a g von Ai t r a ch , der in Weingarten
malte und 1680 starb.

Im „Allgäuer Geschichtsfreund" bringt
sodann N. Fischer ans den Urkunden von
Memmingen noch mehrere Generationen
einer Malerfamilie Sichelbain daselbst
zur Kenntniß: einen Caspar Sichel-
bain zwischen 1581 und 1619; dann
einen Hans Sichelbain 1621; und einen
Hans Eonrad und einen Friedrich
Sichelbain. Dieselben scheinen hauptsäch-
lich in Memmingen selbst und in Otten-
benren beschäftigt gewesen zu sein.

Man sieht, daß Oberschwaben schon im
17., noch mehr aber im 18. Jahrhundert
besonders an Malern fruchtbar war.
Nicht so bei den Baumeistern und Plasti-
kern. Genannt werden (cfr. Königreich
Württemberg Seite 284 und Seite 288):
Wiedmann von Elchingen, der den Plan
zum Kloster Wiblingeu, 1714—1753 er- |

baut, machte; Jakob Emsle, der deu
Bibliotheksaal in Schussenried 1756 baute,
und der wahrscheinlich ans Oberschwaben
stammte, wo der Geschlechtsname noch vor-
kommt. Sodann bauten die Brüder Jo-
seph und Martin Schneider i>on
Bach bei Zwiefalten 1738 bis 1746 an
dem dortigen Kloster.

Plastiker, die in Holz arbeiteten, müssen
zahlreich gewesen sein, da für eine so große
Zahl von Kirchen, die in jener Zeit neu
gebaut wurden oder einer durchgreifenden
Aenderung ihrer inneren Einrichtung unter-
worfen wurden, eine Menge Ornamente
und Statuen erforderlich waren. Freilich
mußte gerade hier nur zu oft Vergoldung
und der Farbenschmnck die Mängel und
die Oberflächlichkeit der plastischen Arbeit
zudecken. Es ist deshalb nicht sehr zu be-
dauern, daß nur wenige Namen erhalten
sind. Wir nennen den Simon Feucht-
mader von Salem, der die Chorstühle
und Holzschnitzwerke in W e i n g a r t e n im
Verein mit dem Klosterschreiner Koch fer-
tigte; ferner den Holzschnitzer Christian
Friedrich Braun in Ulm, der 1687 bis
1748 in der Gegend von Ulm, aber auch
in weiterer Entfernung arbeitete. Der
Bildhauer Sporer ans Altdorf fertigte
1768 die Kanzel in Weingarten und die
Gebrüder Johann Anton C h r i st i a n
und C h r i st i a n C h r i st i a n ans R i e d -
l in gen arbeiteten 1760 für Wiblingen
und Zwiefalten.

Als K u p s e r st e ch e r und R a d i r e r
wirkten außer dem ganz hervorragenden
Ridinger nur noch zwei Männer: Johann
Martin Frey, geboren 1769 in Wurzach,
der nach Wien übersiedelte und Friedrich
Kaiser, geboren 1779 in Ulm, der 1819
in Wien starb.

Auf einem speziellen Gebiete bewegten
sich die beiden tüchtigen B i b e r a ch e r Me-
dailleure: Johann Christoph Schaupp,
geboren 1680, gestorben daselbst 1757
und Joh. Lorenz Natter, geboren 1705,
gestorben in Petersburg 1763.

Eine Kunstübung, die nur in ihren höch-
sten Leistungen noch als ein Zweig der
Plastik bezeichnet werden kann, ist die
Stukkaturarbeit. Der rein handwerks-
mäßige Betrieb muß im 18. Jahrhundert leb-
haft gewesen sein; eine höhere Leistung dieser
Art findet sich aber doch nur in der Kloster-
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