Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

Seite: 63
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kirche zu Salm ans Weiler. Professor
F. £. Kraus äußert sich darüber'?) „Im
18. Jahrhundert (1774) wurde die ganze
Kirche mit einer Alabasterdekoratiou ver-
sehen, welche zwar durchaus nicht zu dem
Baustil der gothischeu Kirche paßt, aber
jedenfalls, sowohl in Ansehung des Ma-
terials (der Alabaster stammt von Fützen
bei Waitzeu-Blumberg im untern Wutach-
thal), als der trefflichen Ausführung einen
prächtigen Schmuck des Gotteshauses dar-
stellt und gewiß zu den bedeutendsten Lei-
stungen des deutschen Rokoko zählt, lieber
die ansführeudeu Künstler geben die Akten
des Archivs hinlänglichen Aufschluß. Hie-
nach dürfen wir als den Urheber des größ-
ten Theils dieser Dekoratioir den Bildhauer
G e o rg D ü r r aus W e i l h e i m (geboren
1723) betrachten, welcher 1779 in Wim-
menhausen starb und dessen Grabstein sich
links neben dem Hanpteingang im Innern
des Langhauses befindet. Mit ihm arbei-
teten sein Tochtermann Wieland, angeb-
l i ch auch Jos. Anton Fr u ch t m a i e r von
Linz bei Psullendorf."

Kraus bezeichnet diese Arbeiten (1. c.
S. 560) „als in ihrer Art unvergleichlich,
als ein weit über die meisten Leistungen
des Rokoko hinausragendes Werk, das in
einer dem wildesten Zopf verfallenen Zeit
immerhin das Muster einer, wenn auch
weltlichen und oft theatralischen, im Ganzen
doch höchst achtungswerthen, oft sehr edlen
und feinen Dekoration bietet".

Hiemit mag die Uebersicht geschlossen
sein, die, wenn auch keineswegs erschöpfend,
doch zeigen mag, daß auch zu der lebhaften
Kunstbewegung des 18. Jahrhunderts die
oberschwäbische Provinz ein ehrenwerthes
Kontingent gestellt hat.

Der Miniaturmaler öiinon Rösch im
Aloster Wiblingen.

Von Amtsrichter ct. D. P. Beck.

Aus der Rcformschule des berühmten (zu
Weinstetten in den „Holzstöcken" geb., 1473 4)
Abtes Ulrich III. Hablüzel des Benediktinerstiftes
Wiblingen war auch eine Art Kunstschule
„schreibender und malender Mönche" hervorge-
gegangen (rnannseriptores Udalrici reforma-
toris discipuli), welche sich unermüdet mit
Schreiben und Abschreiben, mit JUustrireu

0 Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums
Baden i. S. 572.

und Jlluminiren beschäftigten und einen großen
Schatz ihrer freilich nun überallhin zerstreuten
Arbeiten bis auf die Säkularisation der Biblio-
thek und dem Archiv des Klosters Übermächten.
Unter diesen ragt namentlich F. Simon Rösch
aus Markdorf am Bodensee hervor, wel-
cher, in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahr-
hunderts geboren, fast sein ganzes langes
Leben dieser Kunst widniete und am 18. Sep-
tember 1507 zu Wiblingen das Zeitliche segnete.
Das von P. Meinrad Hcuchlinger verfaßte, im
Jahr 1702 zu Augsburg, bei Kaspar Bencard
erschienene „templum honoris“ sagt über ihn:
a juventute usque in senectam con-
tinuatis scriptionibus laudabiliter exercitatus,
inter transscriptores facile princeps et formo-
sitate characterum et multitudine Codicum.
Solenne habuit in fine sui memoriam pe-
tere . . .“ Von diesem Künstler befindet sich im
Benediktinerstifte Einsiedeln ein durch treuherzige
Auffassung und das Kolorit, „tveniger durch
Eleganz der Ausführung merkwürdiges" Gebet-
buch auf Pergament (8°) mit zahlreichen Minia-
turen, ein werthvolles Seitenstück zur damaligeu
Tafelmalerei, welches Rösch auf Bitten des Abtes
Ulrich in St. Gallen im Jahre 1472 geschrieben
und gemalt hatte. Das Kloster Einsiedeln, früher
überreich an mittelalterlichen Kunstschätzcn aller
Art, aber derselben in den wiederholten fürchter-
lichen Feuersbrünsten vom Jahre 1467 und
1577 fast dnrchtveg verlustig geworden, besitzt
nicht mehr viele Kunstschätze ans früheren Jahr-
hunderten. Von altdeutschen Gemälden sind im
Gemäldekabinet noch zu sehen ein zweifelhafter
„Altdorfer": „Christi Gefaugcnnehmnng"
vom Jahr 1511 (24sXs18), ein treffliches, aber nicht
gut erhaltenes Nachtstück; ein Hans „Schüuf-
felin" vom Jahr 1534: „Grablegung Christi",
sowie einige anonyme Werke, ivie „die Trennung
der Apostel", St. Georg, St. Moriz u. s. w.;
im großen Saale die schönen Bilder der hl. Bar-
bara und Katharina.

Literatur.

T) as Kleid des Herrn auf d e u
f r ü h ch r i st l i ch e n D e u k m ä I c ru. Vou
A. de Waal. Mit 2 Tafeln und
21 Testbildern. Freiburg, Herder, 1891.
51 S. gr. 8°. Preis 2,50 M.

Die schöne und gründliche Studie ist äußerlich
veranlaßt durch die Ausstellung des hl. Nockes
in Trier im verflossenen Jahr; ihr Inhalt ist
von allgemeiner Bedeutung und von bleibendem
Werth. Nach willkomniener Orienlirung über die
römischen Kleidungsverhältnisse, welche hier zu-
nächst in Betracht kommen, weist der Verfasser
nach, daß die alten Monnmente regelmäßig den
Herrn in römischer Tracht darstellen, mit pallium
und langer tunica exterior; die tunica ist meist
mit dem clavus, dem doppelten Pnrpurstreifeu
(der Stola vergleichbar), verziert; die Aermel
sind meist weit, selten eng anschließend; in den
Farben der Gewandstücke herrscht größte Mannig-
faltigkeit; die Fußbekleidung besteht durchweg in
Sandalen. Das zweite Kapitel berücksichtigt die
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