Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

Seite: 71
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Sitzplätze für Erwachsene

im Schiff.250

Sitzplätze für Erwachsene

im Chor.10

Sitzplätze für Erwachsene
aus der Empore . . 16

Rechts und links von der

Orgel.40

Sitzplätze für Kinder im

Schiff.80

zusammen 396

Baukosten des Rohbaues incl. Boden,
Verglasung, Gestühl 72 000 Mark.

Davon gehen ab 6000 Mark Abgebote,
daher wirkliche Kosten 66000 Mark. Auf
die Altäre und andere Einrichtungsstücke
kommen wir später zurück. Die schöne
neue Monstranz werden wir in einer der
nächsten Nummern abbilden und beschreiben.

Literatur.

Der Dom von Eichstätt in seiner
bangefchichtlichen Entwicklung und Re-
stauration. Festgabe zum 25jährigen
Bischofsjnbiläum Sr.Bischöfl. Gnaden
des hochw. Herrn Dr. Franz Leopold,
Freiherrn v. Leonrod, am 19. März
1892 von Fr. X. Herb, bischöflich
geistlicher Rath Stadtpfarrer zu St.
Walburg daselbst. Mit 4 lithogra-
phischen Tafeln und 2 Lichtdrucken.
Eichstätt, Brönner 1892. 55 S.

groß 8°.

Schon mehrmals (vgl. 1883 S. 55; 1885
S. 48, 61) hat sich das „Archiv" mit dem Dom
von Eichstätt und seiner seit 1871 im Gang be-
findlichen Restauration beschäftigt. Darum kann
es die obige Monographie nur freudig begrüßen.
Ihr Werth besteht zunächst darin, daß sie die
ziemlich verwickelte Baugeschichte dieses Doms
von den ersten Zeiten, d. h. von Anfang des
8. Jahrhunderts an bis auf die Gegenwart ver-
folgt. Sie weiß hiebei immer genügend sichern
historischen Boden zu gewinnen und wo sie sich
genöthigt sieht, Lücken in den geschichtlichen Nach-
richten oder in den Aussagen des Domes über
sich selbst durch Hypothesen auszufüllen, geschieht
dies immer mit rühmenswerther Besonnenheit
und Bescheidenheit. Wir haben hier eines der
interessanteren Beispiele jener Bauten vor uns,
an welche verschiedene Zeiten und Stile Hand
anlegten, nicht ohne Arbeiten des jeweiligen
Vorgängers wehe zu thun, aber auch nie van-
dalisch zerstörungslustig, sondern wieder pietäts-
voll und geschickt im Erhalten und im Rechnen
mit dem Erhaltenen. Den Grundstock des Dom-
baues bildet St. Willibalds Kirchenbau aus der
ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts; es ist inter-

essant zu vernehmen, daß derselbe höchst wahr-
scheinlich — den ganz sichern Beweis könnten
wohl nur Nachgrabungen erbringen — die voll-
ständig durchgeführte Grundform des griechischen
Kreuzes hatte. Von diesem ersten Bau scheint
nichts mehr erhalten, als die Ostwand, oder
Theile der Ostlvand des Querschiffs. Bischof
Reginold baute dauu Eude des 10. Jahrhunderts
das dreischiffige Langhaus der romanischen Pfeiler-
basilika mit der westlichen Absis, einer der frühesten
romanischen Bauten, wie der Verfasser glaublich
macht, durch die Bauten von St. Gallen und
Augsburg beeinflußt und ermöglicht. Ob diese
ganze Chronologie, sowohl was Eichstätt als >vas
Augsburg anlangt, haltbar und nicht vielmehr
ziemlich weiter herabzurücken ist, das müßte noch
besonders untersucht werden. Der baulustige
Bischof Heribert 1022—42 räumte mit diesem
Bau fast ganz auf, ohne die Ausführung seines
neuen großartigen Planes noch zu erleben. Erst
1060 wurde der neue Dom nach geändertem
Plan vollendet. Dann kam die Gothik, ersetzte
die romanische Absis durch einen rechteckigen
Westchor, fügte im 14. Jahrhundert einen Poly-
gonen Ostchor hinzu, ließ an Stelle des roma-
nischen Langhauses einen weiträumigen Halleu-
bau sich hoch aufwölbeu und wölbte auch das
romanische Querhaus gothisch ein. Durch die
Spätzeit wurde der gothische Charakter des
Domes nur unwesentlich alterirt, am nieisteu im
Innern, das nach einer tvürdigen Erneuerung
seufzte.

Diese ist nun dem ganzen Dome geworden,
und es ist damit ein Restaurationswerk dem
völligen Abschluß nahe gebracht, welches würdig
ist, in die Annalen der kirchlichen Kunstthätigkeit
an: Ende des 19. Jahrhunderts in großer Schrift
eingetragen zu tverden. Auch diese Einzeichnung
besorgt mit Sachkenntnis; und Gewandtheit der
Verfasser im zweiten Theil seiner Schrift. Hier
ist Rechenschaft gegeben über den ganzen Restau-
rationsplan, bei dessen Fertigung in lobens-
werthester Weise Theologie und Kunst, Bischof,
Klerus und Künstler wie in den guten alten
Kuustzeiten einträchtig zusammenarbeiteten. Der
mächtige Hochaltar aus Marmor von 1749 mußte,
weil niit seinem Zopfstil zu stark mit dem Bau
kontrastirend und mit seiner Massigkeit den Chor
zu schwer belastend, entfernt werden; er ist
nicht zerstört worden, sondern fand in einer
Kirche seines Stils, in Deggendorf, den für
ihn passenden Platz. Ein neuer Flügelaltar
mit den herrlichen Statuen des früheren go-
thischeu Altars kam an seine Stelle; er ist in:
Lichtdruck dem Werk eiuverleibt und macht der
Firma Stärk-Lengenfelder in Nürnberg alle Ehre.
Auch die Kanzel und eine Reihe von Altären
für die Seitenkapellen wurde neu erstellt. Fein
ausgedacht von den Bestellern, sein ausgeführt
durch den Historienmaler Fritz Geizes in Frei-
burg erscheint besonders der malerische Schmuck
des Domes, den die Glasmalereien vollenden.
Zur aufrichtigen Freude gereicht es, zu verneh-
men, daß unter den ausübenden Künstlern, denen
der Dom seine Verjüngung dankt, auch ein Mit-
glied des Eichstätter Klerus sich befindet, der
kunstfertige Pfarrer Mutzl, der au Altären und
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