Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

Seite: 72
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Orgel die Tafelmalerei übernahm. Die Gesammt-
kvsten der Restauration betrugen von 1881 bis
1892 die Summe von 235 830 M., zusammen-
geschossen größtentheils von Klerus und Volk der
Diözese.

Der edle und kunstsinnige Bischof Franz
Leopold hat durch Inangriffnahme, Leitung und
glückliche Vollendung dieses großen Restaurations-
werkes seinen Namen in der Eichstätter Diözese
unvergeßlich gemacht und sich um die Pflege
kirchlicher Kunst ein hohes Verdienst erworben.
Dem Verfasser der obigen Schrift gebührt nament-
lich deßwegen Lob, weil er durch seine sachver-
ständige Darstellung dem Dome von Eichstätt in
der Geschichte des kirchlichen Monumentalbaues
die Stelle zurückerobert, die ihm gebührt und
die ihm bisher nicht eingeräumt wurde.

Die g o t t g c w e i h t e il Jungfrauen
in den ersten Jahrhunderteu
der Kirche. Nach den patristischeu
Quellen und de» Grabdenkmälern
dargestellt von Joseph Wilpert.
Mit 5 Doppeltafeln und 3 Abbil-
dungen im Text. Freibnrg, Herder.
1892. YIII n. 105 S. groß Folio.
Preis 18 M.

Eine herrliche und herzerquickende Studie
über eine Seite des Lebens der Urkirche, welche
bisher viel zu wenig beachtet wurde, obwohl
sie von hoher apologetischer Bedeutung ist. Erst-
mals stellt der Verfasser zusammen, was aus
den patristischeu Quellen über die Institutionen
der gottgeweihteil Jlmgfrauen, d. h. jener, tvelche
unter Verzicht auf die Ehe durch ein Gelübde
sich ganz dem Herrn weihten zu einem Leben
der Vollkommenheit, über deren Gelübdeablegung,
Einkleidung, Lebensweise zu entnehmen ist. Das
Institut tvird verfolgt bis zu den Anfängen der
Frauenklöster, die aus ihm hervorwuchsen. Wird
auch ohne Zweifel diese Studie noch der Er-
gänzung und Erweiterung bedürftig und fähig
sein, sie bleibt eine Thal, iveil durch sie auf
dies hochwichtige Zeugnis für die Schätzung der
Virginität in der Kirche und für den eigentlichen
Ursprung des Klosterlebeirs die allgemeiile Auf-
merksamkeit hingelenkt wird.

Im ziveiten Theil werden die bildlicheil Dar-
stellllngen der gottgeweihten Jungfrauen be-
sprochen mit jener Genauigkeit und Sorgsamkeit,
die man am Verfasser gewöhnt ist ilild welche
bei der in der Katakombenfvrschung vielfach ein-
gerissenen Verwirrung allein zum Ziel führen
kann. Dabei bietet er nicht nur seine wohl-
begründete Anschauung und eine genaue Be-
schreiblmg in Worten, sondern er gießt mit pein-
licher Genauigkeit gefertigte uitb mit technischer
Vollendung reproduzirte Kopieen der Bilder.
So erhalten wir namentlich von der bekannten
Einkleidnngsscene in der Katakombe der heiligen
Priscilla hier eine Nachbildung in Farben, welche
de Rosst selbst als die beste Reproduktion eines
Katakobengemäldes bezeichnet hat; schon diese

Reprodilktion alleili genügt, um die Nichtigkeit
mancher, besonders protestantischer Deutungen
des Bildes zu erweisen. Sodann kommen zur
Verhaildlung uild Vorführung zwei Gemälde,
tvelche die Parabel von den klugen und thörichten
Jungfrauen darstellen. Zn dem in der Kata-
kombe der hl. Cyriaca hat Professor Ehrhart iit
Straßburg im „Liter. Handw." 1892 Nr. 551
eine von der des Verfassers ettvas abweicheilde
Erklärung gegeben, welche die richtige sein dürfte.
Ein Anhang berichtet über Grabinschriften,
welche dieselbe Parabel konimemoriren. Im elfteil
Abschnitt lernen tvir ben Sarkophag mit dem
Chor der Jungfrauen im Camposanto zu Pisa
kennen, der ans der letzten Tafel ebenfalls ab-
gebildet ist. Eiil Anhang sammelt Grabinschriften
von Jungfranen aus den römischen Katakomben.
Nimmt man auch diese jüngste Schrift des Ver-
fassers mit Freuden hiil als weiteren Beweis dafür,
daß dessen Studien eine lieue Aera der Kata-
kombenforschung heraufführen, so fühlt nian sich
noch ganz besonders zum Dank verpflichtet der
Berlagshandlung gegenüber, ivelche keine Kosten
scheut, um diesen Werken die allerbeste Aus-
stattung allgedeihen zu lassen.

Drucksehler-Berichtigung.

In Nr. 7 d. Bl. sind die Druckfehler zll be-
richtigen: Seite 61, Spalte 2, Zeile 10 von
oben lies: Eilig statt Sieg; S. 62, Spalte 1,
Zeile 18 von unten lies : Bischer anstatt Fischer;
Seite 62, Spalte 2, Zeile 1 von oben lies:
Enlele statt Emsle. Seite 63, Spalte 1,
Zeile 19 von oben lies: Mimmenhausen
statt Mimmenhausen.

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