Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

Seite: 77
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denkmälern dieser Stadt aufs engste ver-
bunden bleibe, des verstorbenen Stadt-
pfarrers Pfitzer; er habe die Anregung
zur Restauration des Chors der Kreuz -
Arche gegeben; unter ihm sei die St. Jo-
hanneskirche in den romanischen Charakter
(vielleicht mit zuviel Konsequenz) zurück-
gebaut worden, und als letztes großes
Werk seines Lebens könne bezeichnet wer-
den die Erneuerung des Langhauses der
Heiligkreuzkirche, ein Werk, das er im
Verein mit dem Herrn Oberbürgermeister
Untersee unternahm und das unter der
meisterhaften Leitung des Ausschussmit-
glieds, Herrn Hofbaudirektors v. Egle, zur
glücklichen Vollendung kam. Mit todt-
müder Hand schrieb er noch einige Auf-
sätze über die Wandmalereien der Heilig-
grabkapelle und den Sebald- und Stamm-
banmaltar der Stadtkirche; der erstere er-
schien im „Archiv", die beiden letzteren wer-
den, umgearbeitet, demselben auch einver-
leibt werden.

Der Vorstand berichtete sodann über
die Thätigkeit des Vereins in der ab-
gelanfenen zweijährigen Periode. Ercharak-
terisirte die letztere als eine Zeit stillen
bescheidenen Wirkens, dem der Erfolg und
der Segen voll oben nicht fehlte. Unter
Verzicht ans vollständige Aufzählung aller
der Fälle, in welchen Rath unb Mithilfe
des Vereins begehrt wurde, wird nur hin-
gewiesen ans die kirchlichen Neubauten
in Ebingen, Schwenningen, Pfahlheim,
Hohenheim, Großeislingen, Ankenrente,
Tettnang, aus die Erweiterungen der Kirchen
von Bieringen, Ertingen, Kirchberg, Weig-
heim, auf die durchgreifenden Restaurationen
der Kirchen in Ravensburg, Rottweil,
Niederwangen, Nöttingen, Schmiechen,
Wolfartsweiler, Liebenan, Kißlegg, Aurn-
heim, Mariabronn, ans die zahlreichen An-
fragen ans fremden Ländern. Besondere
Anerkennung wird dem Wirken des Ans-
schußnlltglieds Pfarrer Detzel in St. Chri-
stina gezollt.

Der Beschluß des Ausschusses, ans die
Vereinskasse die Erstellung des Marien-
altars für die Kirche von Schwenningen
zu übernehmen, wird genehmigt.

Die Zahl der Mitglieder ist, nament-
lich durch die Anziehungskraft der letzteren
Vereinsgabe (Die 14 Stationen des Kreuz-
wegs), auf 991 gestiegen. Der Aus-

schuß besteht zur Zeit ans folgenden Mit-
gliedern :

Prof. Dr. Keppler, Vorstand,
Dekan Jäggle, Kassier,

Stadtpfarrer Keppler, Schriftführer,
Hofbaudirektor v. Egle,

Bandirektor v. Morlok,

Pfarrer Laib,

Pfarrer Or. Probst,

Chefredakteur Kümmel,

Pfarrer Detzel.

Das Geschäft der Vertheilnng der Ver-
einögabe erledigte sich in aller Ordnung,
dank der umsichtigen und aufopfernden
Leitung des Herrn Kassiers, der willigen
Mithilfe der Herren Agenten und dem
noblen Entgegenkommen derHerderschen Ver-
lagshandlnng in Freibnrg. Das „Archiv",
das Organ des Vereins, lebt in Ehren
weiter und kann sich selbst ernähren, ja
mit Beilagen in Zukunft freigebiger sein.
Die Versammlung nimmt diesen Bericht
sowie die Rechnnngsablage des Kassiers
znstimmend entgegen. Der Kassenbericht
meldet 11817 Mark 89 Pf. Einnahmen,
11 695 Mark 18 Pf. Ausgaben und einen
derzeitigen Vermögensbestand von 2305 M.
21 Pf. Der jährliche Staatsbeitrag für
den Verein wurde von 200 Mark auf 250
erhöht und in den Etat eingestellt, wofür
man der Regierung Dank schuldet.

Nach Erledigung der geschäftlichen Ver-
handlungen hielt der Vorstand einen
längeren Vortrag übei' die moderne
Ma l e r e i. Er hob zunächst deren Licht-
seiten , Fortschritte und Erfolge hervor
und besprach dann die Grundursache so
mancher Verirrungen derselben, welche er
darin fand, daß vielfach eine ausfallende
Unklarheit und Unsicherheit darüber
herrsche, was die Malerei will und soll,
kann und darf — eine Folge der Ver-
achtung aller Knnstphilosophie oder der
Aesthetik. Ans das Programm der Natu-
ralisten im allgemeinen, wornach die Ma-
lerei die Natur wiederzugeben, möglichst
getreue und rein objektive Nachbildungen
der Natur zu schaffen habe, wird nicht
weiter eingegangen, dagegen einläßlich das
Schlagwort: „nicht Schönheit sondern

Wahrheit" beleuchtet, sowie die Thesis der
Koloristen, daß Seele, Ziel und Zweck
der Malerei in der Farbe zu suchen sei.
Sodann mußte die traurigste und wundeste
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