Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

Seite: 78
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Seite der heurigen Malerei aufgedeckt
werden, die seit langer Zeit in ihr gras-
sirende und vielverbreitete Unzucht. End-
lich wurde ein Ueberblick über die reli-
giöse Malerei der Gegenwart gegeben.

Aus dem Schooße der Versammlung
wurde der Wunsch an den Redner ge-
bracht, der Vortrag möchte zum Druck be-
fördert und weiter verbreitet werden. Der-
selbe hat denl entsprechend ihn der „Zeit-
schrift für christliche Kunst" einverleibt
und wird ihn vielleicht auch im „Archiv" ver-
öffentlichen.

Gegen 12 Uhr erfolgte der Schluß der
Generalversammlung. Die Theilnehmer
versammelten sich zu einem gemeinsamen
Mahle, bei welchem manches begeisternde
Wort gesprochen und der Stadt Gmünd,
namentlich auch den Laien derselben,
warmer Dank für die gute Ausnahme des
Vereins gesagt wurde. Nachher fand die
Besichtigung der Hanptkirchen und des in-
teressanten Kirchenschatzes der Heiligkrenz-
tirche statt. Der Verein hat bei dieser
Tagung zu alten Banden, die ihn mit der
alten Stadt Gmünd verknüpfen, neue
gefügt und wird auch in Zukunft gerne
wieder ans diesem Boden seine Fahne anf-
pflanzen.

Inventar einer alten Alofterkirche.

Von Stadlpfarrer Schöning er in Urach.

In der weiland freien Reichsstadt Weil
bestanden bis zum Jahre 1803 zwei Bettel-
ordenmannsklöster. Das eine derselben, ein
Kapnzinerkloster, mitten in den Wirren des
30 jährigen Krieges in der damals paritäti-
schen Stadt gegründet, hat 150 Jahre hin-
durch eine beschwerliche, aber auch segens-
reiche Missionsthätigkeit im damaligen Herzog-
thnm Württemberg entwickelt. Die Kirche
dieses Klosters dient jetzt als Scheune, das
Kloster ist in Privathänden. Von der Aus-
stattung der Kirche ist nichts mehr vorhanden;
dieselbe tvar, wohl dein Gebrauch des Ordens
entsprechend, einfach gehalten. Der Taber-
nakel des Hochaltars dieser Kapnzinerkirche
war ein Geschenk des kaiserlichen General-
feldmarschalls Prinzen Karl Alexander von
Württemberg, welcher während eines Aufent-
haltes in Wildbad 1717 den p. Fulgentins
aus dem Weilerstädter Kapnzinerkloster als
Beichtvater kennen itnb verehren gelernt
hatte.

Das andere der beiden Klöster ist viel
älter. Im Jahre 1295 berufen Scultetus

Senior, et Consules et universi Cives in Wile

unter Zustimmung des Abts und Konveitts
ztt Hirsau und des Rektors der Kirche zu
Weil, Albert von Remchingen die fratres Ere-
mitarum ordinis Sancti Augustini nach Weil.
Um diese Zeit wird dann wohl auch der
erste Klosterban anfgeführt worden sein. Das
Kloster dient jetzt als Pfarr- und Schirl-
Hans; vom ehemaligen Kreuzgang sind noch
einige maßwerkgeschmückte Spitzbogenfenster
erhalten. Dagegen die ehemalige Kloster-
kirche ist völlig vom Erdboden verschwrrndeir.
Rach der Darstellrnrg des Protocoltums des
Angustinerkoirvents zrr Weil mrrß diese Kirche
ein nicht uninteressanter Barr gewesen sein.
Im Jahre 1686 nämlich wrrrde diese Kirche
fast gänzlich umgebarrt uird verändert, rurd
bei dieser Gelegenheit berichtet obige Au-
gnstinerchronik unter Beifügung einer etwas
ungeschickten Zeichnung mancherlei über deir
Zustand des ältererr Baues. Darnach hatte
die Kirche ein merkwürdiges Harrptportal
mit Freskomalereien über und neben dem-
selben, Christus anr Kreuze mit Maria und
Johannes, zur Seite der hl. Angnstinus und
S. Erhardns, mit der Jahrzahl 1481. Ferner
besaß die Kirche einen Lettner, der, in vier
Bögen gegen das Schiff der Kirche sich
öffnend, drei Altarkapellen nnb den Durch-
gang zum Chor enthielt und dessen Brüstung
mit gemalten Tafeln mit der Leidensgeschichte
geschmückt war. Der Hochaltar der Kirche
tvar getveiht 1393 in honorem B. M. V.
Scti. Johannis Bapt., Andreae, Michaelis et
Magdalenae. Die Seitenaltäre waren ge-
weiht 1515 jn Ehren des hl. Angnstinus,
Nikolaus von Tolentino, der allerheiligsten
Dreifaltigkeit, des hl. Erhard nnb Eucharius.
Am 10. Juni 1686 weihte der Snsfragan-
bischof von Speyer, Johann Philipp Bnr-
chard, drei nette Altäre in der Kirche, tvelchen
jene alten weichen mußten. Voit beiden ist
keine Spttr ntehr ztt sittden, da die Kirche
Anfangs dieses Jahrhunderts abgebrochen
wurde nnb ihr Jnventarinm verschleudert
worden seiit dürfte.

Dagegeit ist in dent Protocollum conven-
tus Wilensis fratrum Eremitarum Scti. P. Au-
gustini, welches sich auf der Pfarrregistratnr
ztt Weilderstadt befindet, neben einer fort-
laufenden Berichterstattung über Vorgäitge
im Kloster nnb zeitgeschichtliche Ereignisse
ein Jnventarinm der Einrichtung, der Orna-
mente nitd Paramente der Klosterkirche vom
Jahre 1663 ztt finden, das für ben Alterthnms-
forscher und Knnstfrennd iitteressant sein dürfte.
Fünfzehn Jahre vorher war die Stadt nnb
das Kloster rein attsgeplündert worden, und
doch ftnben sich in diesem Verzeichniß eine
Menge Gegetlstände, die der Plünderung
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