Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

Seite: 80
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von seiden mit guten perlin pro puerulo
Jesu; item eine große Monstranz von meß
und vergtllten pro Venerab. Zacrarnento". All
sonstiger Zier finden sich noch: „2 kleine
seidene rosenstöcklin, 2 rosenstöck von Horn
gemacht", ein weiterer Korallenrosenkranz mit
silbernen bellen; ein „grener sahnen, aus
einer seiten sct. Peter und Paul, auf der
andern soeietas Sctae Ursulae“ (wurde nach-
her zerschnitten) ein kranz von guten perlin,
verehrt a quadam devota incognita pro ima-
gine B. M. V. Dazu dienten vielleicht als
Antipendieu 13 „tapeten von wolle mit
signren gewirkt" und item 6 weitere. Ein
schwarzes Grabtuch fehlte auch nicht.

An liturgischen Büchern waren vorhan-
den: 3 missalia, 2 gradualia, eilt großes
„bnrgamendgraduale, in uno opere", 2 Anti-
phonarien , ein großes Antiphonarinm, ein

seqnentiale, 4 psalteria magna, 3 breviaria
Integra cum diurnali magno.

Bis ins einzelnste wird in dem proto-
collum auch das Jnventarium der Kloster-
küche anfgeführt. Es wurde im Kloster gut
hausgehalten und hat dasselbe bei den häufigen
Trnppendurchzügen manche fürstliche Per-
sonen beherbergt. ES gehört dies aber nicht
hieher. Als die Reichsstadt Weil im Jahre
1803 an Württemberg kam, wurde das Kloster
aufgehoben. Das Gebäude soll der Stadt
angeboten worden sein, diese aber sich ge-
wcigert haben, an Klostergut sich zu bereichern;
daher wurde es zu einer königlich württem-
bergischen Steuereinnehmereiwohnnng umge-
schaffen; später aber von der Stadt erworben.
D ie bei Aufhebung des Klosters vorhandenen
2 Religiösen blieben in der Stadt, der eine,
P. Kaspar Lörich, als Stadtkaplan, der andere,
P. Melchior Meyer, als Lehrer an der Weiler-
städter Rormalschnle mit lateinischem Unterricht.

Aus dem Augustinerkloster stammt ein
prächtig eingelegter Ankleidetisch in der Sa-
kristei der Stadtpfarrkirche, nach der Ueber-
licferung von einem Weilerstädter Schreiner-
meister des 17. Jahrhunderts gefertigt. Ein
bescheidenes kleines „nionstrenzlin" in der
Stadtpfarrkirche wurde von der Kapuziner-
kirche übernommen, alles andere wanderte,
iveil die Stadtpfarrkirche genügend versehen
gewesen sei, an verschiedene Orte, und ver-
wundert, wohl mit schmerzlichen Gefühlen
würde ein alter Ordensmann die Stätten
betrachten, wo einst seine Brüder zur Ehre
Gottes gewirkt, gebaut und geziert haben.

Literatur.

Alfred Rethel.' Eine Charakteristik
von Beit Valentin (Aesthetische

Schriften, erster Band). Berlin,
Felder, 1892, 60 S.

Die große und bleibende Bedeutung Rethels
(1816—1859), welcher von der Düsseldorfer
Schule ausgiug und dann namentlich au Philipp
Veit in Frankfurt sich anschloß nnd in welchem
ein ausgesprochenes Genie ungewöhnlich früh
sich Bahn brach, aber auch zu früh den Organis-
mus lahmlegte (er starb nach siebenjähriger
geistiger Umnachtung), liegt auf dem Gebiet der
Historienmalerei im großen Stil, weniger
auf dem der religiösen im strengeren Sinne.
Seine Aachener Kaiserfresken, sein Zug Hanni-
bals über die Alpen, sein Gebet der Schweizer
vor der Schlacht bei Sempach und Tod Arnolds
von Wiukelried, seine Auffindung der Leiche
Gustav Adolfs, sodann sein Todtentanz haben
ihm einen unvergänglichen Ruhm gebracht.
Aber es war sehr am Platze, daß ein solcher
Meister tvie Veit Valentin sein Andenken wieder
auffrischte; auch Rethel stand in Gefahr, mit so
manchem Vertreter der alten Schule in Ver-
gessenheit gerückt zu werden, um so mehr als
die Historienmalerei so gut wie untergegangen
ist und von den Modernen verlassen und ver-
achtet tvird. Die schöne Darstellung des Ent-
wicklungsganges Rethels und der geistvolle Kom-
mentar zu seinen Bildern ist mit feinen Be-
merkungen z. B. über das Schlachtenbild, die
Düsseldorfer Schule, die Allegorie in der Kunst
und den Realismus durchblümt.

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