Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

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de Godes Hülpe führte. Nach und nach
habe sich im Volk das Mißverständniß
gebildet, als ob diese Bilder nicht den Hei-
land, sondern einen gekreuzigten Heiligen
darstellen, und in der nachreformatorischen
Zeit seien dann diese Bilder in Küminer-
nißbilder nmgetanft worden.

(Fortsetzung folgt.)

Kunsthandwerker früherer Zeiten
in und aus Schwaben.

Von Amtsrichter a. D. P. Be ck.

Als solche zeichneten sich namentlich
Laienbrüder (fraires eonversi), daneben
auch hin und wieder Geistliche selbst aus
den Klöstern aus. Der Gewerbe- und Kunst-
fleiß gieng ja in den frühesten Zeiten aus
den Klöstern in das Land unter die Leute
hinaus; die Gewerbe- und Knnstartikel ver-
breiteten sich ans diesen geistlichen Anstalten
und durch dieselben auch auswärts und fan-
den Nachahmung. So ein einziges Stift
alten Stiles beschäftigte viele fleißige Hände!
Felix Malleolus zählt in seiner Schrift ->cle
negotio monachorunn eine lange Neihe von
Handarbeitern her, die z. B.das Cistercienser-
stift Maulbronn zu seiner Zeit in Bewe-
gung setzte, als Schreiber, Aerzte, Scherer,
Maler, Schuhmacher, Kürschner, Müller,
Drescher, Wagenmacher, Drechsler, Schmiede,
Hufschmiede, Steinhaner, Maurer, Sattler,
Hafner, Dachdecker, Lederarbeiter (corrigeri),
Köche, Tellermacher (scutellares), Fleischer,
Faßmacher, Weingärtner, Weinschenken und
Wirthe, Brnnnenmacher, Fischer, Netzstricker,
Gärtner k. ; eine Schaar von Stallknechten,
Vogelstellern, Waldknechtein Dann erst kommt
hintendrein in bunter Unordnung eine Menge
von Schreibern, Bücherabschreibern, Buch-
bindern, Notaren, Prokuratoren, Vögten und
allen möglichen Offizianten; manche vor-
kommenden Namen sind fast nicht übersetzbar.
Insbesondere haben die Cistercienser in ihren
ersten Zeiten sich mit Verfertigung wollener
Tücher abgegeben. Viele der hier ausgezeich-
neten Gewerbe und Künste mögen haupt-
sächlich von den Laienbrüdern ansgeübt wor-
den sein, manche aber auch durch die Kloster-
geistlichen selbst. Leider verschweigen die
Auszeichnungen ans frühmittelalterlichen Zei-
ten, an sich schon meist sehr knapp und
dürftig, die Namen der Ordenspersonen,
welche sich in diesem oder jenem Gewerbe
oder Kunst durch ganz besondere Tüchtig-
keit oder Erfindungen re. bedeutend hervor-
gethan haben; es ist Alles, wenn nur der
Klostervorsteher in denselben genannt wird. |

Nach damaliger Anschauung war es gegen
alle Art, Einzelne hervortreten und ihr
Licht leuchten zu lassen; vielmehr hatte der
Einzelne hinter der Thätigkeit und Leistung
der Gesammtheit des Ordens bescheident-
lich und um Gotteswillen zurückzustehen.
Nur wenige Ausnahmen findet man, da
einzelne Ordensmitglieder sich selbst an ihren
Werken mit Namen zu verewigen Heraus-
nahmen. Die mönchischen Schreiber von
Chroniken, Annalen, Diarien k. haben nur
in den seltensten Fällen es der Mühe werth
gefunden, uns die Namen von in Kunst
und Gewerbe hervorragenden Ordensange-
hörigen zu nennen; ihr Ruhm fällt nnaus-
geschieden dem Orden und Kloster zu. So
sollte es ja auch nach der Urregel des hl.
Ordensstifters Benedikt sein, die (57.) regula
lautet: »artifices si sint in monasterio, cum

omni humilitate faciant ipsas artes«. Nur
einer pflegt angeführt zu werden, auf den
aller Ruhm und alle Ehre fällt, d. i. der
Abt, Propst k. Wie viel er aber an dem
gerühmten Werke Theil hatte, ob er nur der
geistige Vater der zur Ausführung gebrachten
Idee war, das läßt sich nicht mehr ermitteln!
So kommt es, daß wir, so viel wir auch
von Leistungen und Schöpfungen der Klöster
in Kunst und Gewerbe wissen, verhältniß-
mäßig doch nur wenig Namen mittelalter-
licher Klosterkünstler und Kunsthandwerker
kennen. Nachdem die Gewerbe im Volke
Eingang gefunden und im späteren Mittel-
alter hauptsächlich durch die Zünfte zu großer
Blüthe gelangt waren, verloren sich natür-
lich die Kunsthandwerker nach und nach mehr
und mehr aus den Klöstern. Zurückgetreten
ist indeß auch im weltlichen Leben der
Kunsthandwerker gegenüber dem eigentlichen
Künstler immer, und es ist dies, an sich auch
in der Natur der Sache liegend, fast bis auf
die neueste Zeit so geblieben. So bleiben
denn auch die Nachrichten aus früheren
Zeiten über tüchtige und geschickte Kunst-
handwerker sotvohl weltlichen wie geistlichen
Standes sehr lückenhaft und dürftig.

Im 16. Jahrhundert stoßen wir u. A.
auf einen Schreiner Martin Zeh in
Riedlin gen, tvelcher um das Jahr 1533
die Chorstühle in den Nonnenchor der Kloster-
kirche des Cistercienserinnenstifts Heilig-
kreuzthal fertigte; des Weiteren auf einen
Goldschmied Valentin Weys Haupt in
Markdorf a. B., welcher um das Jahr 1577
einen silbernen Reliqnienschrein in die Vene-
diktinerabtei Weingarten fertigte; und
kurz vor dem Beginn des 16. Jahrhunderts
ans einen Glockengießer Leonhard
Staeb aus Zogenweiler in Ravensburg,
welcher um das Jahr 1484 eine schwere
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