Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

Seite: 90
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1717) war Simpert Kramer aus
E d e l st e t t e n; tüchtige Schreiner bezw.
Bildhauer aus Ottobeureu waren Christian
Döhm, Hörmann, und Matthäus Zick.
Den Dachstuhl der dortigen Klosterkirche,
ein Meisterwerk, hatte um das Jahr 1753
ein Ottobeurer Bürger Michael Klein, ein
vorzüglicher Zimmermeister, gefertigt. Andere
Klöster blieben nicht zurück: Noch vor Otto-
beuren hatte Ein siedeln, die Königin der
süddeutschen Stifte, in den Jahren 1721
bis 1735 seine Stiftskirche nenerbant; in
der Glaserwerkstätte daselbst arbeitete der
Bruder Benedikt Schefsolt ans Schwa-
ben und des Weiteren gleichfalls an diesem
Bauwesen n. A. Meister Nikolaus Zipfel
aus Neu-Ravenshnrg, welcher um das
Jahr 1726 init 2 Gesellen die Glocken in
den Thurm hieng. Bei der in den Jahren
1715 bis 1724 nach dem Entwürfe des
württembergischen Landbandirektors Jos. F r i-
soni aus Laino am Comersee (gewiß nach
italienischen Vorbildern) erbauten großartigen
Kloster- bezw. Pfarrkirche von Altdorf-
Weingarten fnngirte n. A. der dortige
Laienbruder Andreas Schreck aus Bre-
genz als ausführender Baumeister. Ebenda-
her kennen wir einen Klosterschreiner
Jos. Koch, der bei der Herstellung des
Chorgestühls und der Schnitzwerke in der
Sakristei behülflich war, sowie einen Laien-
bruder Franz Heine (1724 bis 1752),
welcher n. A. Fassung und Vergoldung des
großen Orgelgehäuses besorgte; um die Mitte
des vorigen Jahrhunderts einen Kunstschreiner
Frühholz, welcher die Kanzel in die
Pfarrkirche nach Schnssenried sowie
noch Anderes in die dortige Gegend fertigte,
sowie den Bildhauer Sporer, den
Meister (um 1725) der Kanzel in der
Weingarter Kloster- und Wallfahrtskirche,
eines mühereichen, aber geschmacklosen Kunst-
werkes; als nicht ungeschickte Goldarbeiter
die Gebrüder Wezstein; gegen Ende des
vorigen Jahrhunderts als Orgelmacher den
dortigen Klosterbruder Matthäus H e f e l e
ans Hofen (1794 st). Eö folgte die Bene-
diktinerabtei Wiblingen mit ihrem groß-
artigen Neubau, zu welchem ein gewöhn-
licher Handwerksmann , der M a u r e r-
meister Wiede m a n n v o n E l ch i n-
gen, um das Jahr 1713 den Plan entworfen
und auch das Jahr darauf den Grund beim
Bräuhause gelegt hat. Bei diesem Neitbau
von Kirche und Kloster zeichneten sich u. A.
ans: Bildschnitzer Fidel Mock ans Sig-
maringen, Tischlermeister Christian Unsöld
aus Wiblingen, welcher tl. A. den Taber-
nakel in den: Hochaltar herstellte, Georg
Ran ein tüchtiger Schlosser ebendaher,

welcher das dortige eiserne Chorgitter ver-
fertigte. — Bei dem Zwiefalter Münster-
hau waren um die Mitte des vorigen Jahr-
hunderts u. A. beschäftigt die Maurermeister
Gebrüder Jos. unb Martin Schneider
von Bach, der Zimmermeister Johannes
Schneller aus Upflamör (bis 1746), darauf
sein bisheriger Parlier Martin Arnolt
von dort, und nach dessen Tod im Jahr 1753
der Parlier Jos. Zeiler von Sonderbnch.
Das kunstvolle Gitter vor dem Thore machte
uni das Jahr 1756 Jos. Büffel von
Brandweil, die übrigen Schlosserarbeiten
(um 1760) Georg Jüngling aus Gossen-
zugen; die Schreinerarbeiten am Chor ans
dem Jahr 1752 sind von Martin Herr-
mann ans Villingen; Kupferschmied und
Vergolder bei dem Kreuz und den Knöpfen
war Knoblauch ans Söflingen, in
welchem ganz nahe bei Ulm gelegenen Dorfe
von jeher allerhand Künstler und Hand-
werker zu Hanse waren. Aus Marchthal
machten sich um die Mitte des vorigen Jahr-
hunderts der Steinhanermeister M o o s-
h r n g g e r, ein sehr tüchtiger Arbeiter, und
der Bildhauer Axmann bemerklich, welche
beiden u. A. an dem Neubau des Klosters
Schnssenried beschäftigt waren.

Bei dem ganzen erst zu Ende des vori-
gen Jahrhunderts unternommenen Ban der
herrlichen Kirche ad sanctam Verenam zu
Roth (von vulgo „Mönchroth") leistete
kein Architekt von Profession Dienste, son-
dern der Prälat selbst (Willibold Heß) des
dortigen Prämonstratenserreichsstiftes entwarf
mit einigen seiner Konventnalcn, nämlich dem
P. Binder als Bauaufseher, dem Joh. Martin
Barten als Rißentwerfer, und dem P. Mau-
ritius Sohler als Fertiger der Modelle, ähn-
lich wie zuvor in Ottobenren, den Riß und
leitete die Ausführung. Ein Prachtstück der
inneren Einrichtung dieses Tempels sind
n. A. die ans der alten Kirche herüberge-
kommenen Chorstühle vom Jahr 1693, viel-
leicht auch eine Arbeit eines Klosterbruders.
(S. über dieselben Pros. Dr. Keppler in
seinem Aufsätze: „Württembergs letzte Kloster -•
bauten" in den „Hist.-pol. Bl.", 102. Bd., 1888,

7. Heft, Seite 483 u. 484.) Das Chor-
gestühl bildete schon in mittelalterlichen Zeiten
und dann auch während der Renaissance
eine Spezialität der Klosterkunst; ein Stift
suchte es hierin dein andern znvorzuthnn.
Im 18. Jahrhundert waren dam: die
„Bibliotheksäle" eine eigentliche Kloster-
spezialität. — Aus Schnssenried wüßten
wir u. A. den Stuccator und Architekten
D o m i n i k Z i m m e r m a n n von Landsberg
a. Lech, den Kunstschrciner Peter Häckhel,
den Klosterschmied Tobias und den Orgel-
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