Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

Seite: 100
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Frauen; neuntes: der Engel erscheint Zacharias,
Zacharias tritt dilrch den Vorhang heraus und sucht
sich durch Zeichen verständlich zu machen, Priester
und Volk empfangen ihn staunend; zehntes Bild:
die hl. drei Könige bringen den: Kind ihre Gaben.
Die Deutung des vielleicht etivas jüngeren elften
Reliefs macht Schwierigkeiten; man bezvg es auf
die Auferstehung, Himmelfahrt und Todesangst
am Oelberg; der Verfasser neigt nach Gethsemane;
könnte diese Erklärung, was freilich nicht der
Fall ist, sich als die einzig richtige und mögliche
erweisen, so wäre dieses Bild wohl die älteste
Darstellung der Todesangst. Zwölftes Relief:
die Verleugnung Petri, näherhin die Voraussage
derselben durch den Heiland; daneben ans einer
Säule der Hahn; was S. 65 Anm. 2 gesagt
wird, der Hahnschrei müsse in jener Nacht von außen
gehört worden sein, da in der Stadt nach dem
Talmud Hühnernichthaben gehalten werden dürfen,
ist hinfällig; selbst wenn die Talmudangabe zu-
verlässiger wäre, als sie thatsächlich ist, hätte das
Verbot jedenfalls die in Jerusalem lebenden
Nichtjuden nicht verpflichtet. Dreizehntes Relief:
Moses verwandelt vor Pharao zwei Stäbe in
Schlangen; Pharao geht mit seinem Heere im
rothen Meere unter, die Israeliten ziehen gerettet
unter Führung der Feuersänle und eines Engels
in die Wüste. Das vierzehnte Relief stellt wahr-
scheinlich die Verklärung dar und ist eine der
ältesten Darstellungen derselben, das fünfzehnte
Christus in der Glorie nach der Apokalypse und
die Kirche, als apokalyptische Braut zwischen den
zlvei Fürstaposteln stehend. Ans dem sechzehnten
Bild sehen wir, wie der Engel vom Felde lveg,
ans welchem ein Hirte seine Ziegen hütet, Habaknk
entführt; fälschlicherweise sah man den Hirten
für Daniel, die Ziegen für Löwen an. Sieb-
zehntes Relief: Elias fährt znm Himmel und
läßt Elisäus seinen Mantel zurück. Achtzehnte
Darstellung: Jesus vor Kaiphas. Znm Schlüsse
verwahrt sich der Verfasser mit Recht gegen die
aufgetauchle Absicht, dies Portal von seinem
Platz wegznnehmen und in ein Musennr zu ver-
bringen.

Aus dem Vorstehenden läßt sich die hervor-
ragende ikonographische Wichtigkeit der Thürbilder
und dieser Schrift erschließen. Beiznsügen ist
nur, daß der künstlerische Werth der ersteren
kaum geringer ist und daß die letztere ein Muster
von gründlicher und besonnener Untersuchung ge-
nannt werden kann. Sie läßt nur Einen Wunsch
unbefriedigt: man würde noch eine eingehende
Erörterung darüber erwarten, warum gerade
diese Scenen zur Darstellung ans dem Portal
ansgewählt wurden, wie die alt- und neutesta-
mentlichen Bilder sich zu einander stellen, mit
Einem Wort, welcher Leitgedanke den ganzen
Bildercyklus beherrsche. Denn daß die Bilder
willkürlich zusammengestellt worden, ist doch nicht
anzunehmen. Diese Untersuchung ist einigermaßen
erschwert, weil der Cyklus nicht rnehr vollständig
ist, aber sie sollte doch nicht unmöglich sein. Viel-
leicht bereichert der Herr Verfasser feine schöne
Studie gelegentlich durch ein genaueres Eingehen
auf diesen Punkt und durch weitere Ausführung
der S. 9 f. gegebenen Gedanken.

Moderne Kirchen-Dekorationen. (Sin
Vorlagewerk für ornamentale Kirchen-
nialerei. Nach Originalaufnahmen aus
beit Kirchen Wiens und der Umgebung.
Herausgegebeu von Ferd. Ritter von
Feld egg. 32 Blätter in Farbendruck.
Wien, A. Schroll 1892.

Dieses Prachtwerk, über dessen erste ztvei
Lieferungen wir im Archiv 1892 S. 20 berichtet
haben, ist nunmehr mit der vierten Lieferung
und dem 32. Blatt abgeschlossen. (Gesammtpreis
56 M.) Die letzten beiden Hefte enthalten De-
korationen aus der Lazaristen-, der Votiv-, der
Altlerchenselderkirche in Wien, aus der Spital-
kirche in Mödling, aus deni Dom zu Brünn,
aus den Arkaden des Zentralfriedhofs und der
Kapelle des ehemaligen Palais Württemberg,
jepigen Hotel Imperial zu Wien. Auch in diesen
letzten Heften ist die Ornamentik durchaus mit
Geist uud feinstem Geschmack behandelt, in technisch
vollkommener Weise chromolithographisch wieder-
gegeben. Die ganze Sammlung ist unzweifelhaft
eine vorzügliche Formenschule uud ein reich-
haltiges Musterbuch für ornamentale Kirchen-
bemalung.

Annoncen.

Achaeologie, Numismatik,
mcricana, Ethnographie,
Geographie,

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Karl ff. Hiersemann

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Zur Nachricht.

Der vielfach gewünschte Abdruck der Aufsätze
über die Malerei der Gegenwart folgt in der
Januarnummer nächsten Jahres in besonderer
Beilage.

knezn eine Beilage:

Entwürfe für Missions- und Wegkreuze.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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