Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

Seite: 102
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Nicht zahlreich sind die aus dem
14. Jahrhundert in Deutschland erhaltenen
Fresken, spärlich besonders die in Süd-
dentschland sich sindenden Reste. Umso-
mehr ist es zu bedauern, daß die be-
schriebenen Wandmalereien des Klosters
Kirchheim in so trau-
rigem Zustand sich
befinden, daß au eine
Restauration kaum
zu deukeu ist. Möge
wenigstens diese Be-
schreibung sammt
den Contourenzeich-
nnngen, welche ihr
beigegebeu sind, ihr
Andenken auf eine
spätere Nachwelt
überliefern. Die Ge-
mälde erheben sich
überdieLiniedesrein
Handwerksmäßi-
gen; besser als die
Scenenbilder sind
die Einzelfiguren, flott und sicher entworfen
und mit Liebe dnrchgebildet, ganz noch im
Stildes 14.Jahrhunderts gehalten : schlanke,
jugendliche Figuren, die weiblichen leicht
ansgebogen; die ovalen Gesichter ohne
Jndividualisirnng, mit aumuthigen, feinen
Zügen; die Kleider von leichtem, freiem
Fluß; die Schilderung schlicht, klar, seelen-
voll und sinnig. Die Modellirung fehlt;
die Gewandmotive sind schwarz eingemalt,
die Gestalten meist rothbrann Umrissen,
die Farbe in sehr dünnen Schichten auf-
getragen , bei Quadern unmittelbar auf
den Stein gesetzt.

Beachtenswerth ist noch ein an der
Südwand der Kirche, in offener, mit Dach
versehener Nische angebrachter Oelberg ans
Stein mit lebensgroßen, künstlerisch nicht
sehr werthvollen Figuren. Inschrift: Frau
margret äbtissiu geborene gräffin zn Oetling
1510. Auf dem anstoßenden Kirchhof eine ;
steinerne Lichtsäule aus uachgothischer Zeit, j
deren Abbildung folgt.

Um diese Kunstgeschichte und das
Knnstinventar des Klosters Kirchheim
möglichst zu vervollständigen, geben wir
im Folgenden, nach gütigen Mittheilungen
des Herrn Or. Georg Grupp, Bibliothekars
und Vorstands der fürstlich Oettingen-
Wallersteinschen Sammlungen, noch einen

Ueberblick über die in der Kunstsammlung
zu Maihingeu und dem Archiv zu Wallerstein
befindlichen Abbildungen und Kunstgegeu-
stände, welche sich aus unser Kloster beziehen
oder ehemals demselben angehört haben.

1. Aufnahmen aus dem Kloster
Kirchheim. Den gesammteu Komplex der
Klosterbaitten und Klostergüter bringt in
geometrischem Grundriß zur Anschauung
die schon eben erwähnte, 1802 aufge-
nommene Karte des Jngenieurhauptmanns
Joseph v. Forsts. Als im Mai 1855
ein großer Brand einen Theil des Klosters
Kirchheiin und der klösterlichen Neben-
gebäude (mit Ausnahme des großen Kloster-
quadrats) zerstörte, nahm der fürstliche
Kustos L. Mayle eine Brandkarte auf
und eine Abbildung der Klosterbanten
nach gelöschtem Brande. Von demselben
wurden auch alle hervorragenden Kunst-
denkmäler Kirchheims mit Geschick und
Sorgfalt kopirt, so die Epitaphien der
Stephanskapelle und des Franenchors, der
Oelberg auf der Nordseite der Kirche.
Ebenso stammt von ihm eine Innenansicht

derStefanskapellemit
dem Altar-Ciborium
und eine solche vom
Frauenchor mit seinen
Gemälden, von wel-
chen einige noch be-
sonders kopirt und ko-
lorirt wurden: die Verkündigung, Kreuzi-
gung, Ursula, Ottilia, das Wappen über der
Thüre. Sehr werthvoll sind einige Zeichnun-
gen aus dem inzwischen zerstörten Kreuzgang
(Außeuausicht einer Fensterarkatur, Ansicht
des gewölbten Innern, gemalte Parthien des
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