Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

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Kreuzganges, ein Altar aus der Brigitten-
kapelle). Ferner findet sich abgebildet eine
steinerne Säule ans dem unteren Gang
des ehemaligen Schlafhanses(Dormitorinm),
gebildet ans vier Rundstäben oder Wülsten,
welche oben dem Kapitell und unten der
Basis zu spitz anslanfen, in der Mitte
aber zu einer Art von Wirtel sich seilartig
verschlingen und verknoten, wie dies z. B.
im spätromanischen Stil ähnlich vorkommt.

2. Neste von Skulpturen ans
Kirchheim, in den fünfziger Jahren nach
Maihingen überführt:

a) Ein Stein von der Altarmensa
der einstigen Brigittenkapelle mit Fisch-
blasenornament.

b) Eine Reihe von einzelnen sknl-
pirten Bangliedern: eine Konsole mit
Nischen, in welchen groteske Menschen-
signren stehen; eine Konsole mit Widder-
kopf; acht Schlußsteine von Kreuzge-
wölben mit den Rippenansätzen, mit
Wappen verziert; sechs Wappensteine, die
eingemauert waren, einer davon mit der
Inschrift 1480; Anssatzgiebel im Barockstil
mit Allianzwappen und mit einer Dar-
stellung Gottvaters mit dem Leichnam
Christi.

c) Zwei Kreuzigungsbilder in Relief,
das eine mit der Jahrzahl 1508; Stein-
tafeln, die eine 165 cm hoch, 65 breit,
die andere 108 cm hoch, 82 breit.

6) Zwei Grabsteine von Verwandten
der Aebtissin Schwertsührerin, der eine
von 1574, der andere von 1577 ; ans
ersterem das Bild der Gottesmutter mit
dem Kind, wie sie einem vor ihr knieenden
Mädchen die Hand auflegt; ans dem an-
dern die Kreuzigung Christi mit den zwei
Gatten.

e) Ein lebensgroßer, tüchtig geschnitzter
Krnzifixns, früher im Atrium des Kloster-
eingangs, 1890 nach Maihingen transferirt.

3. Malerei. Außer den oben er-
wähnten Malereien des Sebastian Tayg
hat nur noch Ein Tafelbild ans dein Kloster
Kirchheim sich erhalten, welches sich jetzt
sammt einer in Oel gemalten Kopie in der
Sammlung zu Maihingen befindet. Es
stellt die zwei neben einander stehenden
Heiligen Cosmas und Damian vor; Hinter-
grund Landschaft und Himmel; links
unten in kleiner knieender Figur die Aeb-
tissin Margareta von Dettingen mit dem

Wappen des Vaters, Grafen v. Dettingen,
und der Mutter Barbara von Canstatt;
rechts die Jahrzahl 1510; Größe 153 zu
101 cm. Die Tafel mag wohl ein Ex-
voto-33i(b zum Dank für wiedererlangte
Gesundheit sein, denn die beiden hl. Mär-
tyrer sind in ihrem ärztlichen Beruf dar-
gestellt; der eine hält ein ärztliches In-
strument und einen Arzneitopf und schaut
mit gespanntem Interesse ans ein halb ge-
fülltes Medizinglas, welches der andere
ihm entgegenstreckt. Die beiden Figuren
haben noble Haltung und neben der An-
mnth einen bedeutenden geistigen Ausdruck
im Gesicht. In der „Allgemeinen deutschen
Biographie" Artikel Schänfelein wird das
Bild (von Rektor Maier in Nördlingen)
dem Hans Schänfelein von Nördlingen
zngeschrieben; andere bezweifeln dessen
Autorschaft.

4. Die B ü ch e r e i des Klosters wurde
1840 nach Maihingen überführt und läßt
sich ans der dortigen Bibliothek noch ziem-
lich vollständig znsammenstellen. Herr Er.
Grupp hat sich die Mühe genommen, ein
Verzeichnis der ans Kirchheim stammenden
Handschriften anznlegen und hatte die
Güte, dasselbe dem Archiv zur Verfügung
zu stellen. Wir bringen es im Folgenden
znm Abdruck, einmal weil viele Stücke
dieser Bücherei zugleich künstlerischen Werth
haben, sodann weil es sicher von Interesse
ist, einen Einblick in die Bücherschätze
eines alten Franenklosters thun zu können;
manche Nummern mögen auch biblio-
graphisch wichtig sein.

a) Lateinische Handschriften.

1. Psalterinm mit Noten ttitb schön gemalten
Initialen auf Goldgrund: von den Initialen
lauft Rankenwerk, zum Theil mit Vögeln, über
die Blattränder hin. 15. Jahrh. Oktav.

2. Psalterium ad usum chori Kirchheimeasis
mit roheren Initialen. 15. Jahrh. Oktav.

3. Psalterium mit großen, kunstvollen Ini-
tialen. Auf der Innenseite des Deckels: „Daß
Buch hat Barbara schwerdtfiery" (Schwerdtführer)
Aebbtissin zu Kirchain in das Gotteshaus
Kirchain 1580."

4. Horae in laudem B. M. Virginis mit
sehr vielen Miniaturen (Passionsbilder), wahr-
scheinlich aus dem Jahr 1440. Oktav.

5. Das andächtige Zeitglöcklein, mit Minia-
turen und kolorirten Holzschnitten. Ans der
Innenseite des vorderen Deckels: „Anna Barten-
stainerin ist das Büchlein, hat mirß geschenkt,
Gott Vergelt irß. S. (Soror) Elisabeth Röbin."
15. Jahrh.
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