Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

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46. Betrachtungen von 1467.

47. Das Usus genannte Buch. Negelbuch des
Cisterzienserordens, deutsch, 1476. „Das Puch
ist der regiua inghofer und Lucia ebranin."

48. Die Passion nach Johannes, 15. Jahrh.
Urbesitzerin: Juliana Ziririn in Medingen 1612.

49. Leiden des Herrn Jesu Christi für Aebtissin
Magdalena von Oettingen; Inschrift tvie Nr. 45.

50. Histori des unschuldigen Leidens Jesu,
gehört Thoma Walch.

51. Das geistliche Myrtenbüschlein, gehört der
S. Beatrix von Limburg, der Aebtissin.

52. Die Tagzeiten Maria für Ursula Molan-
diuerin (Müllerin).

53. Spiegel der Vollkommenheit. „Daz Büch-
lein ist des closters Maria Mey, hat uns geben
die erberg tugentsam Junckfretv Husfneglii von
augspurg."

54. Das Büchlein voll der ewigen Weisheit.

55. Büchlein von der Liebhabnng Gottes, und
Betrachtungen 1458 Apollonia Scheiringeu.

56. Geistliche Betrachtungen: „Das; buch samt
andern viel schönen büchlein Hand wir mit uns
von memmingen hergefürt."

57. Geistliche Betrachtungen für Margret von
Lichen; angebunden die Offenbarungen der
hl. Birgitta.

58 und 59. Geistliche Betrachtungen für Mar-
gret von Lichen.

60. Geistliche Betrachtungen für Cordula von
Seckendorfs.

61. Geistliche Betrachtungen: 15 V. M. 88
(1588 Ursula Molendinaria).

62. Geistliche Krankenversorgung.

63. Von der klösterlichen Gemeinschaft. „Daz
buch ist des closters zu Kirchen zu bruch (zum
Gebrauch) fraw Madalenen von ötlingen."

64. Negelbuch des Cisterzienserordens und
Ordnung der Laienbrüder oder Converseu 1498.

65. Buch der Genossenschaft Christi; -anno
1413 üniturn est per rnanns Johannis Riet-
hofferi«. Folio.

66. Joh. Nieder, die vier und zwanzig gülden
Harpffen 1466. „Zu gebrauch schwefter magda-
lenen von Oettingen Eptysin und ist gewesen
fr au agnesen von werdenberg ir mutter selig."

67. Offenbarungen der hl. Birgitta 1487.

68. Buch von der Gemahlschaft Christi, ge-
gehörte „Cordula von seggendorff, ist irs Herr
vaters seliger gewesen, das hat sy dem Convent
geben zu behalten im sanger ampt anno 1550".

69. Gert oder Reizung zu göttlicher Minne
1449—50. »Iste über pertinet Wilhelmo comiti
de Oetingen, cui cum gratiarum actione resti-
tuendus est.«

70. Geistliche Betrachtungen 1466. Bemerkung
wie zu Nr. 66.

7>. Predigten des Berthold von Regensburg
1460 „zu bruch fraw madelenen von Oettingen".

72. Predigten 1499, gehörten der Margareta
von Bührer.

Fast alle diese Handschriften stammen
allein aus dem 15.. Jahrhundert; die des
16.—18. sind hier nicht verzeichnet, auch
seltener, weil von da an die Bibliothek
mit gedruckten Büchern verinehrt wurde.

Der verzeichnete Handschriftenschatz ans
dem 15. Jahrhundert ist gewiß nicht un-
bedeutend und er legt mit manchen der
eingeschriebenen Bemerkungen dafür Zeng-
niß ab, daß man im Kloster den Werth
einer Bibliothek wohl erkannte. Diese
literarischen Schätze, wie die Kunstwerke
des Klosters können wohl zum Beweis
dafür dienen, daß hinter diesen Kloster-
mauern nicht geistiger Stumpfsinn und
Unbildung ein stagnirendes Dasein fristeten,
sondern daß die Einflüsse der Zellbildung
und der Kunst auch durch die geschlossene
Clausnr ihren Weg fanden. Wenn man
den traurigen Zustand eines großen Theils
der Klostergebände ins Auge faßt, die
klaffende Lücke im Klostergnadrat, das be-
dauernswerthe Schicksal, welchem unauf-
haltsam die Wandmalereien des Frauenchors
entgegengehe», — so möchte man geneigt
sein, eine ganz andere Zeit vandalischer
Verachtung der Kunst anznklagen, jene,
die sich vielfach gerirt, als hätte sie Kunst-
sinn und Knnstverständniß im Monopol.
Man kann diese Klosterbetrachtung nicht
schließen, ohne nachdrücklich den Wunsch
ansznsprechen, daß wenigstens in Zukunft
den Gebäuden und Kunstwerken eine bessere
Fürsorge zu Theil werden möchte, daß ge-
rettet werde, was noch zu retten ist.

Der wiederentdeckte Meister des 5-chuffen-
rieder Dhorgestühles.

Bon Kaplan Rueß in Schussenried.

Das jetzt zur Pfarrkirche gewordene, ehemalige
Klostergotteshaus in Schussenried besitzt an seinem
Chorgestühle ein überaus beachtenswerthes Holz-
schnitzwerk. Bedauerlicher Weise ist aber wohl
schon seit jener Zeit, wo der letzte kunstsinnige
Ordensmann dahier im Tode seinen Mund ge-
schlossen hat, der Name des Meisters unseres
Chorstuhlwerkes in Vergessenheit gerathen. Resul-
tatlos blieben bisher voi: manchen Kunstfreunden
schon Jahre und Jahrzehnte lang zwecks Auffin-
dung des verschollenen Künstlers augestellte Nach-
forschungen. Auch wir suchten bereits seit mehreren
Jahren "in Stuttgart, Waldsee und Schussenried
vergeblich nach dem Schöpfer der hiesigen Stifts-
stühle.

Im Staatsarchiv zu Stuttgart liegt die sog.
Schussenrieder Chronik. Dieselbe ist von ihrem
Verfasser über das erste Viertel des vorigen Jahr-
hunderts hinaus fortgeführt worden. Dagegen
hat das Schussenrieder Chorgestühl schon anno
1717 seine Vollendung gefunden. Deßhalb hoffteir
wir, in genannter Chronik eine Notiz über den
Verfertiger der so überaus reichen Chorstühle
finden zu können. Allein wir wurden aus Stutt-
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