Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

Seite: 108
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und daß dem Verfasser die Anerkennung und
Würdigung seiner Kirche zur Herzenssache ge-
lvorden ist. Er hat es sich saure Mühe kosten
lassen, die Anfänge des Klosters Marchthal ans
den ältesten Quellen zu lichten, und er geht hiebei
zurück bis ans die Alteburg Marchtal und ihre
Herren. Im zweiten Abschnitt gibt er ein Bild
der ersten Klvstergründnng durch Halaholf im
Anfang des 8. Jahrhunderts; dürftig fließen hier
die Nachrichten, aber so viel hat der Verfasser
glücklich entdeckt, daß mit der Peterskirche wahr-
scheinlich auch eine Michaelskapelle und ein Ora-
torium d. h. wohl sicher eine Taufkapelle zu St.
Johann dem Täufer verbunden gewesen. Am
Ende des 10. Jahrhunderts war das Kloster
aufgelöst, die Kirche zerfallen; da erfolgte 990
die Gründung eines Kotlcgiatsiiftes mit neuer
Kirche, die ohne Zweifel basilikale Anlage hatte.
Auch diese Stiftung gieng wieder unter; 1171
übernahmen die Prümonstratenser von Roth das
Stift und die Kirche, ivelche neu ansgestattet
wurde; interessante Angaben über einzelne Jnven-
tarstücke. 1239 wird die Kirche neu gebaut; eine
ans dem 17. Jahrhundert stammende Abbildung
des Nenbans ist dem Büchlein einverleibt. Am
ausführlichsten kommt der letzte, jetzt noch stehende
Kirchenban von 1686—92 zur Besprechung. Hier
ruhte der Verfasser nicht, bis er nicht bloß über
den Ban, sondern auch über jeden Altar und
jedes Bildwerk volle Klarheit erlangt hatte. Der
letzte Abschnitt orientirt noch über die Ortskirche
ltiih die Kirche zur hl. Katharina, die vielleicht
nach einer höchst beachtenswerthen Vermnthnng
des Verfassers in einem jetzigen Pserdestall noch
erhallen ist. Das treffliche Büchlein wird in und
außer der Gemeinde seine Freunde finden; ich
persönlich begrüße es als willkommene Ergänzung
und Bereicherung meiner Darstellung in „Würt-
tembergs kirchlichen Kunstalterthümern" und in
den „Historisch-politischen Blättern". Die Jlln-
strationen, unter welchen die Klosteransicht vor
100 Jahren vorzüglich gelungen ist, sind eine
schöne Beigabe. — Während wir diese Zeilen
schreiben, kommt die Nachricht vom Tode des Ver-
fassers ; sein Schriftchen ist so zu seinem letzten Ver-
müchtnis; geworden, mit welchem er von seiner gelieb-
ten Kirche und seinen Parochianeu Abschied nahm.

Die a b e u d l ä n d i s ch e K l o st e r a n l a g e des
früheren Mittelalters. Von Julius
Schlosser. Wien, Karl Gerolds Sohn
1889. 83 S. u. 3 Tafeln. 8°. Preis 4 M.

Etwas verspätet bringen wir diese für die
Kunstgeschichte wichtige Monographie zur Anzeige
und bezeugen ihrem Verfasser, daß er mit Gründ-
lichkeit, Hingebung und vollem Verständnis; der
Sache gearbeitet hat. Die morgenländische Kloster-
anlage wird einleitnngsweise gestreift; das schöne
Buch von H. Brockhans, Die Kunst in den Athos-
klöstern, Leipzig 1891, würde jetzt mehr Material
bieten. Das Abendland ahmt zunächst die orien-
talische Anlage nach. Aber dann bringen die
Benediktiner, deren Verdiensten um die Kultur
der Verfasser unbedingte Anerkennung spendet,
die clanstrale oder zentralistische Anlage ans,
d. h. die Mönche lvohnen nicht mehr in Einzel-

zellen, so daß nur Kirche, Refektorinm und später
Kapitel gemeinsam ist, sondern Ein Hauptbau
sammelt sie zur völligen vita communis und ist
mit den um ihn gruppirten NebenbauteN völlig
von der Außenwelt abgeschlossen. Der Verfasser
sucht nun die Frage zu lösen, woher diese An-
lage stamme. Wie er in der That völlig plausibel
macht, weder aus der antiken villa urbana noch
rustica, sondern ans den Klerikerklöstern, welche
seit dem 4. Jahrhundert überall da sich an die
Kirchen anschlossen, wo die Kleriker zu einer
vita communis zusammengetreten waren. Ein
weiterer Abschnitt verfolgt die Weiterentwicklung
dieser Anlage in der Karolingerzeit, namentlich
durch Einfügung der Pfalzen, der Abts- und
Fremdenwohnnng. Das reifste Produkt dieser
Entwicklung ist der bekannte Klosterplan von
St. Gallen, der eingehend besprochen wird; zu-
gleich wird eine Spezialuntersnchnng über ihn
von berufener Seite angekündigt. Damit ist ein
Programm für den Klosterban geschaffen, das
nunmehr durchaus befolgt und nur später durch
den Kapitelsaal erweitert wird. Die einzelnen
Elemente dieser Bauordnung bespricht ein Kapitel
noch besonders; ein weiteres ist dem Muster-
kloster Cluny gewidmet und dem bisher nicht
genügend beachteten Ordo Farfensis, einer ge-
schriebenen Banregel des Klosters Farfa im
Sabinerland, das nach dem Vorbild von Cluny
gebaut ist. Pläne von Fontanella und Farfa
(nach dem Manuskript rekonstrnirt) dienen den
Ausführungen des Verfassers zur Erläuterung.
Das letzte Kapitel behandelt die Klosteranlage
nach der Wende des ersten Jahrtausends und
bringt namentlich den Klosterban von Monte-
cassino zu eingehender Besprechung. Während
bei allen Orden das clanstrale Prinzip befolgt
wird, greift Einer, der Karthäuser-Orden, znni
ältesten und orientalischen Zellensystem zurück,
doch nicht ohne eine Verschmelzung desselben mit
dem clanstralen. Die tüchtige Schrift ist in hohem
Grade verdienstlich und lesenswerth.

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