Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 10.1892

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in einen neuen, zeitgemäßen und überaus Prakti-
schen Stand zu bringen."

3) Was aber die Glaubwürdigkeit der obigen
Rodenbachscheu Notiz über allen Zweifel erhebt,
ist die Thatsache, daß Rodenbach ein Zeitgenosse
Macheins und geradezu ein Augenzeuge bei
Fertigung des Chorgestühles gewesen ist. Letzteres
wurde nämlich im Zeitraum von t 715—1717
geschaffen, P. Rodenbach befand sich aber laut
Konventsbuch schon anno 1701 im Kloster Schus-
senried. Letztmalig hat er seinen Namen in das
genannte Buch eingetragen im Jahre 1744. Mit
dem Gesagten hoffen wir die Glaubwürdigkeit der
Quelle dargethan zu haben, ans welcher wir den
Namen des Bildhauers Machein als des Meisters
des Schnssenrieder Chorstuhlwerkes geschöpfthaben.

Was nun den wiederentdeckten Schöpfer unserer
Stiftsstühle uäherhiu anlangt, so war uns sein
etwas ungewohnt klingender Name Macheiu aller-
dings schon in den Au s g a b eb ücheru des
Klosters begegnet. In denselben ist verzeichnet,
daß er für Ornamente und Figuren Bezahlung
erhalten habe, welche er zum früheren Hochaltäre
der Wallfahrtskirche in Steinhaufen geliefert
hatte. Allein wir hatten beim Ansfinden dieser
Notiz noch nicht geahnt, ans welch bedeutenden
Namen wir „mnmt.

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und der bescheidenen ausgesetzten Summe ent-
sprechend, ist das Werk and) ziemlich unbedeutend
ausgefallen. Namentlich hat der gleichzeitige oder
ein späterer Faßmaler das Märchen im Werthe
geschädigt. Macheiu scheint den Hanpttheil der
Arbeit einem untergeordneten Gehilfen überlassen
zu haben; die Engelsfiguren dagegen könnten
möglicherweise von Macheiu selbst gestaltet worden
sein, denn sie weisen große Aehnlichkeit mit sold)en
in Steinhaufen auf; die pflanzlichen Ornamente
aber zeigen einen genialen Schwung und eine
meisterhafte Eleganz. Leider hat jedod) dieses
kleine Altarwerk in uns die Vermnthnng geweckt,
der Bildhauer Madiein, welcher sich mit dem
Schnssenrieder Chorgestühl auf die Stufe hoher
künstlerischer Vollendung gestellt hat, möchte in
späteren Jahren zu sehr dem Geschmeide der Zeit
Konzessionen gemad)t unb fein großes Talent in
den Dienst des Zopfes gestellt haben. — Ans
dem Umstande, daß Macheiu vom Neichsstifte
Schussenried anno 1728 in Eggartsweiler und
anno 1730 in Steinhansen beschäftigt tvnrde,
ersehen >vir, daß er auch in späterer Zeit am
hiesigen Kloster einen Gönner besaß. Aber nicht
allein Knnstbeziehungen haben zwischen Schussen-
ried und dem Bildhauer Macheiu von Ueberlingen
obgewaltet, vielmehr hielten ihn auch Bande der
jschast in Konnex mit unserer Nvrber-
rlassung, denn der Abt Tidakus bezeich-
Künstler als Schwager seines Paters
öaplist. Beim Nachsehen im Konvents-
xZ > anno 1728 nach einem Chorherrn mit
unten Klosternamen stießen >vir auf den
es Laptista Plaitinger. Es ist somit
i unseres Meisters eine geborene Haitin-
sen. Vielleicht ist das Kloster gerade
P. Haitinger auf seinen hochbegabten
Macheiu aufmerksam gemacht worden-,
P. I. Baptist befand sich schon anno 1713
Hefigen Sitze der Prämonstrateuser. Daß
nn beachtenswerlhes Kunsttalent geivesen
urheres Nachforschen über seine Thätig-
Zweifel lehren. Auch wir hoffen zu
berzeugung beitragen zu können durch
lkannskripte beinahe fertiggestellte kunst-
,che Studie über das Schnssenrieder Chor-
nd seinen Meister.

Literatur.

r ch e in Oberm a r ä) th a l. Eine
iinmsgabe zum 200jährigen Bestände
Irmaligen Prämonstratenser- und jetzi-
>chloß- und Pfarrkirche. Von Max
st er, Pfarrer. Mit 5 Jllllstrationen.
zart, I. Roth 1892. 59 S. Preis
sennig.

ihr verdienstvolles Schriftchen, die Frucht
en Suchens, Sammelns und Denkens,
er Erweis der eifervollen Liebe, mit
in Pfarrer sich in den Bau und in die
sse seiner Pfarrkirche eingelebt hat. Wer
schon ans persönlichem Verkehr mit dem
weiß, der entnimmt es unschwer ans
üchlein, daß hier zwischen Pfarrer und
)e wirklich ein Herzensbündniß besteht
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