Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

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ruht I Auch das erscheint so durchaus an-
gemessen , daß nun infolge der seitlichen
Oeffnuug der Nische die Lichter auf den
Leuchterstufen auch in Beziehung zum Sank-
tissimum, bezw. zum Hauptbild treten
können, während sie sollst durch eine Scheide-
wand von ihm getrennt sind, so daß bei
Nachtgottesdieusten eigene Lichter ange-
bracht werden müssen, um nur das Innere
der Nische einigermaßen zu erhellen. Wir
empfehlen diese neue Altarform, oder diese
glückliche, übrigens auf frühere Formen
zurückgreifeude Variation zu diskreter Nach-
ahmling. Dabei sei noch besonders darauf
aufmerksam gemacht, daß auf die richtigen
Verhältnisse der Theile viel ankommt. Die
auf der Beilage zu Grunde gelegten wer-
den jedem normalen Allge harmonisch er-
scheinen. Die Seiteiltheile sind im Ver-
gleich mit der Nische nicht zu hoch und
nicht zll iliedrig. Der Maßstab für die
gemalten Bilder ist ffeiner genommen als
der der Hauptfigur; letztere soll als Hanpt-
bild, elftere sollen als Nebenbilder er-
scheinen; immerhin sind die gemalten
Figliren bezw. Scenen noch so groß, daß
man sie so ziemlich von der ganzen Kirche
ans sehen kann. Die Flächen unterhalb
der Malereieil sind ilicht weiter dekorirt,
weil sie durch die Leuchter belebt werdeil.

In der Expositionsnische des Hoch-
altars ist ül Ebingen eine Herz-Jesu-
Statue allgebracht. Bekanntlich ist das
Bild des Herrn selbst das einzige, welches
unmittelbar über dem Tabernakel stehen
darf. Nur ein rigoristischer liturgischer
Standpunkt kann an dieser doppelten Ver-
welldnng der Nische für eine Statue und
für die Exposition Anstoß nehmen. Und
nur von diesem Standpunkt ans könnte
das Verlangen gestellt werden, die Statue
jedesmal bei der Exposition aus der Nische
zu entfernen. Es wird entschieden den
liturgischen Ansordernngen genügt, wenn
vor der Statue, was die tiefe Nische er-
laubt , ein Expositionsranm, so oft es
dessen bedarf, zubereitet wird, nämlich
durch Einsetzung eines amovibleil Seiden-
baldachins mit leichtem Messinggestänge,
der dann die untere Hälfte der Statue
verdeckt. Um vollgenügenden Ralim für
die Exposition in der Nische zu schaffen,
kailn die Statue auf eingesetzten Schieneil
sehr leicht in den hintersten Raum der

Nische gerückt nnb nach der Exposition
wieder nach vorn geschobeil werden.

liebet Jörg Stocfer und den Altar von
Snnetach, DA. öaulgau.

Von Pfarrer Dr. I. Prob st.

In der fürstlichen Sammlung zu Sigmaringen
finden sich die Gemälde eines Flügelaltars (die
Skulpturen sind nicht vorhanden), der schon durch
seine stattliche Größe die Aufmerksamkeit auf sich
zieht. Derselbe ist im Katalog mit den Num-
mern 81—85 bezeichnet und daselbst weiter be-
merkt. daß er aus der Pfarrkirche in Ennetach,
OA. Saulgau, stammen soll, später nach Pfnllen-
dorf und von da käuflich nach Sigmaringen ge-
kommen sei.

lieber den früher bestandelreil Hochaltar von
Ennetach äußerte sich Albert Schilling im
„Korrespondenzblatt des lllmer Vereins" 1876
S. 47: „Hinter dem jetzigen Hochaltar wird ein
Streifen einer Tafel aufbewahrt, der den Namen
Jörg Stöcker, Maler iir Ulm, 1496, trägt."

Dieser Nauien tauchte früher schon bei Ni auch
und Grüneisen in „Ulms Kunstleben" S. 40 auf,
woselbst von einem Jörg Stöcker die Rede ist,
„der von 1469 bis 1495 thätig war, in die
Neidhardtsche Kapelle und auf Herrn Symons
Altar, sowie auch 1495 nach Dischingen eine
Tafel machte; auch für den Grafen Endriß von
Sunnenberg sagte er im Jahre 1491 die Ferti-
gung einer Tafel zu."

Vor wenigen Tagen aber kam mir eine Notiz
zu, die Herr Archivsekretär Dr. Giefel zu Stutt-
gart in der Donaueschinger Bibliothek aufgefnn-
den und die Herr Professor Kolb in Stuttgart
mir gefl. brieflich übermittelt hat: „In einem
Laßbergschen Codex Nr. 570a XXXIV steht
bei Ennetach der Eintrag: Der alte Hochaltar
ist geschnitzt mit lebensgroßeil Figuren. Unten
rechts befinbet sich folgende Inschrift mit goldenen
Buchstabeil auf blauem Grund: Jörg Stöcker
der Maler hat diesen Altar aufgerich-
tet 1 49 6."

Unter solchen Umständen ivar die Sache m
ein Stadium eingetreteu, daß es sehr dringend
angezeigt ivar, Nachforschungen darüber anzu-
stellen, ob jener Streifen, voir dem Herr Albert
Schilling sprach, vielleicht noch vorhanden fei.
Glücklicher Weife traf das zu. obwohl es höchste
Zeit war, denn derselbe war schon auf die Bühne
hinaufgeschafft worden, ivird aber jetzt im Pfarr-
hause aufbewahrt. Die Inschrift selbst konnte
also mit den Nachrichten über dieselbe unmittel-
bar verglichen werden.

'Als Resultat ergab sich, daß die Inschrift
mit den Nachrichten übe rein stimmt und
ganz leserlich den Namen sowie die Jahreszahl,
letztere sogar zweimal, enthält mit der Beifügung
„uf Sankt Johannistag im Sommer 1496".
Die Inschrift ist auf blanem Grund mit goldenen
Buchstaben aufgetragen und befindet sich rechts
am Ende des Bretterstreifens.
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