Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

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Aus der Beschaffenheit dieses Streifens eines
Brettes geht hervor, daß derselbe offenbar ein
Theil der Hinterwand der innern oder Festtags-
öffnung des Altarschreins war und daß er dort
sich befand, tvo die Postamente für die Heiligen-
statuen angebracht waren; denn die Namen von
mehreren Heiligen befinden sich noch auf dem
gleichen Streifen. Dieser Theil der Hinterwaud
wurde später herausgesägt und stellt nur eiuen
Brettstreifen dar von 3,17 Meter Breite bei ge-
ringer Höhe.

Durch den glücklichen Umstand, daß die
ganze Breite des die Namen und die Jahres-
zahl tragenden Bretttheils herausgesägt worden
war, ließ sich auch die Zugehörigkeit zu dem
Altar, der jetzt in Sigmaringen sich befindet,
mit ganz genügender Sicherheit ermitteln.

Nach Angabe des Sigmaringer Katalogs
mißt jeder einzelne Flügel des Altars Nr. 81—85
daselbst 1,48 Meter Breite. Die Breite des ge-
sammten Schreins und seiner Hinterwaud mußte
somit wenigstens 2,96 Meter betragen, oder besser
etwas mehr, weil die Umrahmung der Flügel-
gemälde auch einen Raum beanspruchte. Es
stimmen somit die Maße des Sigmaringer
Altars und die schon oben angegebene Breite
des Streifens in Ennetach (3,17 Meter) so nahe
nüt einander überein, daß an der Zusammen-
gehörigkeit desselben nicht zu zweifeln ist.

Auch die Angaben bei Mauch und Grüneisen
über den Grafen Endriß von Sunnenberg wurde
mir von Herrn Pfarrer Dr. Bochezer gütigst
dahin bestätigt, daß um jene Zeit ein Graf
Andreas Svnnenberg lebte und daß Ennetach
zu seiner Herrschaft Scheer gehörte.

Gegenüber diesen Beweisstücken werden die
bisherigen Angaben und Ausstellungen über die
Urheberschaft des Altars von Ennetach resp.
Sigmaringen wohl zurückiveichen müssen, und es
'ist wahrscheinlich, daß außer diesem Altar noch
andere Werke des Meisters sich iverden ausfindig
machen lassen. Doch gehört das kleinere Flügel-
altärchen in Oberstadion von Jörg Stöcker von
Ulm, 1529, vhne Zweifel einem jüngern Meister
an, vielleicht einem Sohn desselben.

lieber andere in der Pfarrkirche zu Ennetach
noch vorfindliche kirchliche Kunstalterthümer ver-
weisen wir auf Kepplers Werk: „Württ. kirchl.
Kunstalterthümer" S. 307.

Beiträge zur Geschichte der württembergi-
scheu Baumeister uud Bildhauer.

Von Theodor Schön.

Klemm in seiner so gründlichen Arbeit über
„Wüttembergische Baumeister und Bildhauer
bis ums Jahr 1750" („Württ. Jahrbücher" Jahr-
gang 1882) sagt Seite 66: „eigenthümlicher-
weise ist nach den bis jetzt zugänglichen Quellen
nicht möglich, die Zeit und den Ort festzustellen,
da Meister Moritz En sing er, der Kirchen-
meister am Ulmer Münster, gestorben sei. 1478
muß er vom Amte abgetreten gewesen sein."
Hierüber gibt ein Eintrag in eines der älteren
im Konstanzer Stadtarchiv befindlichen Bürger-
aufnahmebücher die erwünschte Auskunft: „1477

item Maister Moritz Entzinger der Staiumetz
von Ulm ist Burger worden und ist im geschenckt,
juravit; factum quarta post Micliahelem." Daß
Moritz sich nach Konstanz wandte, ist sehr be-
greiflich, da sein Bruder Vinceuz dort seit 1459
als Steinmetz thätig war (Klemm, loco eit.
Seite 66). Daß dem erstern in Konstanz das
Bürgerrecht geschenkt wurde, beweist das hohe
Ansehen, dessen sich dieser schwäbische Meister
erfreute.

Ueberhaupt ivaren jene Steinmetzen und Bild-
hauer gar wanderlustige Leute, wofür sich bei
Klemm zahlreiche Belege finden. So wird es
denn auch keine zu gewagte Behauptung sein,
den von Klemm Seite 81 genannten Peter
Schwarzenbach, Bildhauer und Gvldschläger
in Ulm, welcher 1473 10 Mark und 18 Loth
Silber empfieng, um ein Kreuz für das Münster
zu machen, zu ideniifiziren mit Peter Bild-
h au wer, welcher nach einer Urkunde des Ge-
heimen Haus- und Staatsarchivs 1479 der
Pfarrei Eßlingen auf St. Martinstag I30r Heller
Zins aus seinem Haus und seiner Hofreytte im
alten Milchgäßlein gab. Wenigstens findet sich
bei Klenrm kein anderer Bildhauer Namens
Peter in dieser Zeit und lunvbe ja auch um 1477
eifrig an der Frauenkirche in Eßlingen geballt,
so daß auch ein fremder Steinmetz oder Bild-
hauer ge'.viß Arbeit uud den nöthigen Verdienst
fand. Auch beim Kirchenbau in Freiburg i. Br.
findet man 14. Januar 1514 unter den Stein-
metzen Melcher von Rüdlingen(Reutlingen)
(Mone III, 54). Ist das der 1564 genannte
Melchior Sattler, Steinmetz, Bürger zu Reut-
lingen?

Nicht ohne Interesse dürfte es sein, den ge-
nauen Wortlaut eines am Ende des 15. Jahr-
hunderts abgeschlossenen Aeeordes über den Bau
einer ivürttembergischen Kirche kennen zu lernen.
Eine Urkunde des Staatsarchivs lautet also:
„Item der Chor zu Altdorff (OA. Böblingen)
ist verdingt Maister Hansen Stainmetzeu zu
Bebenhuseu uff Sautt Gallentag (16. Oktober)
im MCCCCLXXXXVIII (nicht 1495, wie bei
Klemm Seite 118 steht) lvie hernach vvlckt: item
der Chor svl sin trissig und fier schuech lang und
zwantzig schuech lvitt, das alles inwendig gemesseir
gehowen sin. Item die Tristkammer (Schatz-
kammer, Sakristei) svl sin zehen (X) Schuech lang
vngeverlich nach Gestalt und Gelegenhait der
Hoffistat. Item man soll im geben von der
Ruten rucher (rauher) Murey aiir Pfund Heller,
item von dem gehawen Merck von dem Schuch
zwen Schilling Heller und, was durch gott (geht),
das svl mau auch durch messen. Item die Crntz-
bogen, Pfosten, Schregsunpsen (Schrägsimse) und
Dachsunpseu (Dachsimse) sol man allain der Lenge
nach messen. Item man sol jnn beholtzen nach
Notturft. Item Maister Hans sol das Stain-
metzengeschür dar lihen. Das sol mau jm zu
End des Buws wider geben, >vie er das gelühen
halt. Jteiil von dem allem sol man jm Ionen,
wie obstat; oder ob diennen (denen) von Altorff
geliepter wolle sin in ainer Summ ze loneu, so
sollendt sy jm geben zway hundert und sechzig
Pfund Häller und sol die Wal zu dieunen (denen)
von Altdorff ston."
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