Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

Seite: 30
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Tod des heiligen Joseph, St. Aloysius und
Franziskus) können bei dieser Gelegenheit
mit dem Anfügen wärmstens empfohlen
werden, daß die Kunstdruckerei vou St.
Norbertus auch eine sehr reiche Auswahl
einfacher und wohlfeiler Heiligenbilder in
musterhafter Ausführung hergestellt hat;
wir heben besonders hervor einen sehr schö-
nen Kreuzweg von Professor Grünnes nach
I. Klein gemalt, reproduzirt von Knöfler
(Preis 3 M.; billige Ausgabe 80 Pfg.
iu Chromolithographie).

Wenn Fiesole's herrliche Eugel und
Madonnen in den oben gerühmten, den
höchsten künstlerischen Anforderungen voll
entsprechenden Reproduktionen in unsere
Häuser und Familien ihren Einzug halten
würden, so wäre das im Interesse der
Kunst wie im Interesse des christlichen
Familienlebens außerordentlich zu begrüßen.
Denn es ist kaum denkbar, daß dieselben
nicht auf das tägliche Leben sofort ver-
klärenden Einfluß üben würden. Für ein
Hausaltärchen könnten diese Kunstblätter
den schönsten Bildschmuck liefern. Eines
jener Engelsbilder, in eine arme Familie
gestiftet, würde sicher zur großen geistigen
Wohlthat, zum Vermittler reiner Freude,
himmlischen Trostes, frommer Gedanken
und Gebete.

I. Schmidt hat zu den genannten Kunst-
blättern auch st i lv o l l e Rah m e u iu ein-
facherer und reicherer Ausführung Her-
stellen lassen. Der Preis eines hübschen
Holzrahmens ist, das Bild eingerechnet,
12 Frcs. 50 Cts., der eines vergoldeten
Tabernakels 33 Frcs., der eines reich ge-
schnitzten Tabernakels 40 Frcs. —

Zur Suuetacher Altarfrage.

Durch den interessanten Artikel des Herrn
Or. Probst im „Archiv" 1893 Nr. 1 aufmerksam
gemacht erbat ich mir vom hochwürdigen Pfarr-
amt Ennetach die Ansichtsendung des betreffenden
Brettstreifens mit der Inschrift. Herr Pfarrer
Maier entsprach meinem Wunsch in der liebens-
würdigsteil Weise. Ich hoffe nuir in den nächsten
Tagen das Fragment mit unseren Bildern
Nr. ^81 ff. Zusammenhalten und namentlich auch
die Schriftcharaktere vergleiche,: zu können. Das
Resultat dieser und weiterer Nachforschungen
werde ich seiner Zeit mittheilen.

Sigmaringen, den 29. Januar 1893.

Dr. o. Lehner.

Verschwundene und verschollene Altar-
und öchnitzwerke Zörg Sürlins des
Jüngeren.

Von Amtsrichter a. D. P. Beck.

(Fortsetzung statt Schluß.)

Auch zu Ennetach in der im Jahre 1491
neugebauten Pfarrkirche zu Unserer Lieben Frau
und den Heiligen Kornelius und Cyprianst mit
ihrem interessanten, aus dem elften Jahrhundert
stammenden, abgesondert stehenden Thurm soll
sich nach fortlaufender Tradition (s. auch A.
Schilling über „Ennetach" im Corresp.-Bl. des
„Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm-Ober-
schwaben", I, 1876, S. 47) ein ausgezeichneter
Sürlinscher bemalter und mit einer Menge ge-
schnitzter Figuren ausgeschmückter Flügelaltar
bis in unser Jahrhundert herein befunden haben,
welcher dem Blaubeurer Hochaltar nachgebildet
gewesen sein soll. Das Schicksal dieses Kunst-
werkes, beziehungsweise die Geschichte von dessen
Entfernung ist zu drastisch, als daß sie über-
gangen werden könnte. Auf Grund eines Dekrets
des Kgl. kathol. Kirchenraths zu Stuttgart, das
alle unpassenden Gegenstände binnen kürzester
Frist aus den Kirchen hinwegzuräumen anordnete,
wurde dieses Altarwerk als nicht mehr zeitgemäß
in unserem aufgeklärten Jahrhundert zu Anfang
der 1830er Jahre abgebrochen und an einen
Buchauer Israeliten (Borger, Neuburger?) um
einen Spottpreis verkauft. Ein geschnitztes
Marienbild kam in die Bussenkirche, in der es
sich noch befindet; ein schön geschnittener Christus
auf dem Palmesel iu Privathände nach dein be-
nachbarten Städtchen Mengen. Zu diesem Altäre
sollen die jetzt im fürstlich hohenzollernschen
Museum zu Sigmaringen befindlichen (iu dem
von Hofrat Dr. F. A. Lehner herausgegebenen
Katalogwerte, Verzeichnis; der Gemälde, 2. Ausl.,
Sigmaringen, Druck der Hofbuchhandlung von
C. Tappen, 1883 S. 25—28, Nr. 81—86 genau
beschriebenen und für Schaffnersche Arbeiten
erklärten) je 2,05 m hohen, 1,48 m breiten,
im Ganzen noch gut erhaltenen, theilweise
restaurirten „vier Flügel eines Wandel-
altares, das heißt eines Altares mit doppelten
Thüren" als gemalte Bestandtheile gehört haben
und aus Ennetach zunächst nach Pfullendorf und
von da aus iu besagte Sammlung gelangt sein.
Die Außenseiten der beiden äußeren Flügel
(Nr. 81 und 82) bilden zusammen eine sehr
figurenreiche Komposition, den Zug zum Kal-
varienberg (Kreuztragung). Auf dein Saume
des blauen Mantels Christi links unten zeigt
sich der volle Namen des Künstlers: Martin
Schaffner. Die Innenseite des rechten äußeren

0 Baumeister dieser Kirche war wohl Albrecht
Georg aus Stuttgart (1455 bis mit 1500), dessen
theilweise von einem Eugel gehaltenes Wappen,
ein von drei Sternen begleiteter Sparren (Ster-
nenwappen ,c.) nach Alfr. Klemms „Württb. Bau-
meister und Bildhauer" (S. 105) dreifach in
dieser Kirche, nämlich am östlichsten Schlußsteine
im Chore, in der Sakristei und an einer Konsole
der Nordwand des Chores dokumentirt erscheint.
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