Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

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Flügels birgt die Darstellung der Verkündigung
Maria, an welcher Manch ans einer Kanne
Schaffners unverdächtiges Bionogramm, ein 8.
in M. verschlungen, entdeckt haben will, wvvvn
indeß im Katalvge nichts steht. Die Außenseite
des rechten inneren FimgAs zeigt die Geburt
Christi; die Außenseite des linken inneren Flügels
die Beschneidung Christi; die Innenseite des
linken äußeren Flügels enthält das Gemälde
der Anbetung der hl. drei Könige. Die Bilder
wurden schon im vierten Bericht des genannten
Ulmer Vereines, 1846, S. 22 ff. von E. Manch
ausführlich beschrieben, welcher die Darstellungen
sofort als Schaffnersche Arbeiten erkannt haben
will, vhne übrigens in seinem Aufsätze des voll-
ständig ausgeschriebenen Namens des Meisters
zu erwähnen. Eisenmann hält sie (nach
Lehners Katalogwert, S. 26 oben) „wohl für ein
frühes Werk Schaffners unter direkter Einwir-
kung Holbeins d. Ae."; und nach Scheibler
(a. a. O.) befinden sich „von demselben Meister die
vier großen Tafeln am Augsburger Dom an Säulen
im Schiff". (Letztere an den vier ersten Pfeilern des
Mittelschiffes befindlichen, angeblich von einem
Altar aus dem Kloster Weingarten stammenden
Gemälde, nämlich das verschmähte Opfer des
Joachim, Mariä Geburt und Opferung und
Christi Beschneidung sind aber die ältesten da-
tirten Werke H o l b e i n 8 d. Ae.) Die Sigmaringer
„Schaffner" sind in der von Lehner im Jahre
1863 bei Ed. Ebner in Stuttgart veranstalteten
Ausgabe von 50 der bedeutendsten Gemälde der
Sigmaringer Sanmilung unter Nr. 16—21
photographisch abgebildet und waren auch auf
der anläßlich des Ulmer Münsterjnbilänms im
Jahre 1877 in Ulm arrangirten Gemäldeaus-
stellung altschwäbischer Meister zu sehen. Einige
neuere Besichtiger (so A. G., „Die Ulmer Maler-
schule am Ausgang des Mittelalters" in „histor.-
polit. Bl.", 95. Bd., 8. Heft, S. 580) finden
zwar in diesen Gemälden „eine von Schaffners
späterer Weise ziemlich abweichende Art; doch
dürften insbesondere die Madonnen auf Schaffner
Hinweisen." Wieder andere (so Max Bach im
Ulmer Corr.-Bl. v. 1877, II., S. 53) halten die
Malerei noch etwas roh und unbeholfen und
die ganze Malweise sowohl in Farbe als Zeich-
nung kaum an Schaffner erinnernd.

Nach C. Schnaase's von Lübke-Eisenmann
herausgegebener „Gesch. der bildenden Künste"
(VIII. 2. Abth., Stuttgart, Verlag von Ebner
& Seubert, 1879, S. 438) zeigen die Sigma-
ringer Tafeln deutliche, ja überwiegende Einflüsse
Holbeins d. Ae., welcher dieselben wohl über
seinen von 1499 an währenden Aufenthalt in
Ulm werde gefertigt haben!

Die Innenseiten der inneren Flügel haben
gemusterten Goldgrund mit ausgesparten Räumen
für sechs leider nicht mehr darin befindliche lebens-
große Hvlzstatuen. Wohin dieselben gekommen
sein mögen, ob noch das eine oder andere Stück
derselben irgendwo sich erhalten hat, müssen wir
auch hier wieder fragen?! Im Sigmaringer
Museum, welches zunächst hoffnungsvoll, aber
vergebens nach Ennetacher Schnitzwerken durch-
gangen wurde, findet sich nach dem gen. Katalog-
wert keine einzige aus Ennetach stammende

Skulptur nachgewiesen; *) eine einzige bemalte,
1,36 m hohe, der oberdeutschen Schule un-
gehörige Statue des hl. Sebastian in Lindenholz
ans dem 15. Jahrhundert (der Heilige ist an
einem Baumstamm gefesselt, nackt, nur die Leu-
den mit einem Tuch und ebenso das linke Bein
niit dem hinten übergezogenen Mantel verhüllt),
Nr. 6 im Vorraume könnte von dem Stockerschen
Altarwerk herstammen. Dagegen findet sich eine
ganze Reihe von Schnitzwerken ans der Enne-
tacher Kirche in der in der Lorenzkapelle gu Rottweil
aufgestellten, seiner Zeit größtentheils durch den
Kunstkenner und Sanunler Joh. Georg Martin
Dur sch (welcher gerade an diesem Orte eine
Hauptausbeute, vielleicht auch an Bildertafeln
gehalten zu haben scheint) zusammengebrachten
Kunstsammlung nach deren Katalog, nämlich:
Nr. 9. „Maria mit dem Christuskinde auf dem
Arme, 2' 3" hoch; derjenigen Zeit angehörig,
in welcher man von der typischen Darstellung
Mariä mit dein auf ihrem Schoße thronenden,
weltbeherrschenden Kinde immer mehr abgieng
und rein menschliche Motive hervorgehoben
wurden."

Nr. 10. „Die hl. Ottilia, die als solche an den
zwei Augen, die sie auf einen: Buche trügt, er-
kannt wird. Diese deuten an, daß sie als Tochter
des Herzogs Adalrich von Elsaß in: Jahre 662
blind geboren wurde, durch die Taufe aber nicht
das Geisteslicht, sondern auch das Augenlicht er-
langte."

Nr. 42. „St. Anna, 1' 15" hoch, sitzend mit
den beiden Kindern auf den Armen."

Nr.96. „Derhl. Antonius, der Einsiedler, mit
Buch, Glocke und Schwein zu seinen Füßen."

Nr. 97. „Die hl. K a t h a ri na mit dein Schwerte,
ihrem Marterwerkzeug, 4' hoch, mit einen: etwas
breiten, aber ausdrucksvollen Gesichte, faltenreichen:
Gewand, war früher außerordentlich fehl bemalt,
was an Spuren zu bemerken war."

Nr. 98. „Der hl. Jakobus, der älteste unter
den Aposteln, wird geivöhnlich als ein ehrwürdiger
Greis mit Hut (der aber hier fehlt), an den:
eine Muschel befestigt ist, mit Stab und Kürbis-
flasche als Pilger wegen seiner Wanderungen dar-
gestellt."

Nr. 124. „Der hl. Erasmus, Bischof von
Antivchia, 2‘ 6" hoch, trägt seine Eingetveide

x) In diesem Museum befindet sich aus En-
netach außer den Schaffner-Tafeln bloß sub
Nr. 78 (S. 22 u. 23 des Kat.) ein durch Herrn
v. Maienfisch erworbenes oberdeutsches 0,68 m
hohes, 0,435 m breites, die Geburt Christi
darstellendes bemaltes Relief ans Papp- oder
Teigmasse, jetzt in neuem vergoldeten Holzrah-
men unter Glas. „Mitten im Vordergrund" —
so lautet der Beschrieb dieser Darstellung —
„kniet Maria, das winzige Kindchen liegt auf
einen: umgeschlagenen Zipfel ihres Mantels und
wird auf demselben von zwei Engelchen gehalten,
ein drittes Engelchen steht anbetend dabei, links
St. Joseph, der das Haupt entblößt und zum
Kinde niederschaut. Im Hintergründe rechts zwei
herbeikonrmende Frauen, links der Stall mit Ochs
und Esel, auf den Bergen im Hintergründe Hir-
ten mit Herden. Oben in den Wolken Engels-
glvrie."
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