Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

Seite: 32
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an einem Stabe, weil er nach der Legende unter
Maximian nach schweren Martern endlich da-
durch gelobtet wurde, daß ihm die Eingeweide
ans dein Leibe gewunden wurden." — Ob das
eine oder andere Stück aller dieser ans Ennetach
stammenden Statuen etwa zu dem obenbeschrie-
benen Triptychon oder zu einem andern Enne-
tacher Altar gehörte, läßt sich nicht sagen, da
man die Zusammensetzung der früheren Altäre
in der Ennetacher Kirche nicht mehr kennt. An
sich wäre ein Zusammerrarbeiten von Syrlin dem
Jüngeren als Bildschnitzer und Schaffner als Maler
ganz gut möglich, da des ersteren künstlerisches
Wirken in die Zeit von etwa 1475—1521, das
des letzteren in die Jahre 1499—1535 füllt.

Nach Schilling (a. a. O.) wird aber hinter
dem jetzigen Hochaltäre noch der 3,15 m lange
Streifen einer Tafel (wahrscheinlich eines
Mndonnerraltares) aufbewahrt, der deir Namen
Jörg Stöcker Maler in Ulm mit der Jahrs-
zahl 1496 und rioch auf blauem Grund die
Namen der beiden Schutzheiligen Cyprian und
Kornelius sotvie des hl. Sebastian und Niko-
laus (Ranmlänge für jede Statue 0,58 m) in
Gvldschrift, in der Mitte die ans die frühere
Existenz einer Mnttergvttesstatue himveisendett
Anfangsworte des Hymnus: Salve Regina,

mater misericordiae etc. (Raumlänge 0,84 m)
trägt; und müßte deiitnach, wie auch Schilling
atizunehmen scheint, noch ein zweiter altdeutscher
Altar in der Ennetacher Kirche aufgestellt gewesen
sein, ivorüber sich ein — uns gerade noch wäh-
rend der Drucklegung dieser Abhandlung zu Ge-
sicht kommender — Aufsatz „über Jörg Stöcker
und den Altar von Ennetach" in Nr. 1 dieser
Zeitschrift S. 9 n. 10 verbreitet. (Forts, folgt.)

Literatur.

Der Marienaltar der Herrgotts-
ki r ch e zu Creglingen a. d. Tauber.
Ein Originaldoppelblatt und drei Blätter
in Großfolio. Erläutert von Professor
vr. Wilh. v. Lübke. Ausgenommen und
Selbstverlag von H. Schüler, Hofphoto-
graph. Heilbronn 1893. Preis 12 M.
Dieses hervorragende Werk altdeutscher Plastik
wird in den beiden Monographien über Till
Riemenschneider von C. Streit und A. Weber,
soivie auch von Lübke unbedenklich dem ge-
nannten Meister zugeschrieben, während Bode
es einem älteren znweisen zu müssen glaubt, der
vielleicht Niemenschneiders Lehrer gewesen wäre.
Bvde's Gründe scheinen auch mir nicht zureichend
zu sein. Die Verschiedenheiten des Werkes von
andern Riemenschneiderschen Arbeiten sind keine
wesentlichen und lassen sich durch zeitliche Inter-
valle erklären. Die Eigenart des Meisters hat
diesen Skulpturen ihren Charakter ausgeprägt
und seine künstlerischen Vorzüge adeln dieselben,
ganz besonders seine seelentiefe, ernste, gedanken-
volle und herzenswarme Erfassung der heiligen
Themate, von welcher vor aftem die große Mittel-
gruppe, die Darstellung der Himmelfahrt Mariä,
Zeugnis; ablegt.

Hofphotograph Schüler bietet in dem obigen
Werke die erste vollgenügende Abbildung des
Meisterwerkes. Wie hoch sie sich über frühere
erhebt, zeigt Ein vergleichender Blick auf sie und
etwa den Lichtdruck im Münzenbergerschen Werke.
Das Werk in seiner ganzen Höhe photographisch
aufzunehmen, war überhaupt bisher noch nicht
gelungen, weßwegen auf den Reproduktionen der
obere Theil regelmäßig fehlt. Ein Durchzugs-
balken, welcher vor dem Altar den Raum durch-
schneidet, sowie die Aufstellung des Altars in
der schlechtbeleuchteten Mitte des Schiffraumes
bereitet der Aufnahme fast unüberwindliche
Schwierigkeiten. Und doch ist es Schüler ge-
lungen, diese Hindernisse zu besiegen und eine
Aufnahme herzustellen, welche das Ganze bietet,
das Oberste mit gleicher Schärfe >vie das Un-
terste. Das Hauptblatt zeigt den ganzen Altar
in Vis der natürlichen Größe (48 : 78 cm Bild-
größe). Eine zweite Tafel gibt auch die Mensa
noch bei; eine dritte bringt die Gruppen der
Apostel in größerem Maßstab. Kein Charakter-
zng geht hier verloren, selbst die besonders feine,
fast filigranartige Ornamentik des Schreins kommt
zu bester Wirkung. Die Relieftafeln der Flügel
sind auf dem Gesammtbild so deutlich zu sehen,
daß Spezialaufnahmen nicht nöthig waren, um
so weniger, als sie hinter den Hauptskulpturen
an künstlerischer Vollendung zurückstehen und
nicht von des Meisters eigener Hand sind. Freun-
den christlicher Kunst wird diese Vergegenwär-
tigung des schönen Werkes sehr willkommen sein.
Wir bemerken noch, daß auch ein Bild der in-
teressanten Creglinger Hergottskirche beigegeben
ist, und daß auch drei Kabinettbilder (ä 1 Mark)
mit der Ansicht der Kirche und des Altars von
Hrn. Schüler bezogen werden können. Herr Schüler
hat bekanntlich schon durch seine Aufnahmen des
Hochaltars der Kilianskirche in Heilbrvnn und
der Stiftskirche zu Wimpfen sich einen Namen
gemacht. Es ist zu wünschen, daß er jene Unter-
stützung finde, welche ihn zu weiteren derartigen
Unternehmungen ermuthigt.

A n t o n j Waterloo. Verzeichnis; seiner
radirten Blätter, beschrieben von Professor
I. E. Wessely. Hamburg, Händke und
Lehmkuhl, 1891. 61 S. Preis 3 M.

Der oben genannte Künstler, geb. Ende des
16. oder Anfangs des 17. Jahrh., gestorben
wahrscheinlich 1660, war ein berühmter hollän-
discher Radirer und Landschaftsmaler. Der Vers,
gibt ein sehr genaues Berzeichniß aller seiner
Radirungen mit einläßlicher Beschreibung, mit
Beifügung der veilchiedenen Zustände der Platten
und Drucke in Folge von Retouchirungen und
Ueberarbeitungen. Unter den 136 Nummern
sind nur sechs, welche sich mit biblischen, und
zwar alttestamentlichen Gegenständen befassen,
bezw. dieselben in das Landschaftsbild einstigen.

Hiezu eine Auiistbeilage:

Die Wandgemälde der Kirche von Burgfelden.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksbkatt".
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