Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

Seite: 45
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Archiv für christliche Kunst.

Organ des Rottenburger Diözesan-Vereins für christliche Rnnst.

perausgegeben und redigirt von Professor Dr. Keppler in Tübingen.

Verlag des Rottenburger Diözesan-Runstvereins, für denselben: der Vorstand Professor Dr. Aeppler.

Or. A.

Erscheint monatlich einmal. Halbjährlich für Ji 2.05 durch die württembergischen {J& 1.90
im Stuttgarter Bestellbezirk), ^2.20 durch die bayerischen und die Reichspostanstalten,
fl. 1.27 in Oesterreich, Frcs. 3.40 in der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden
auch angenomnien von allen Buchhandlungen, sowie gegen Einsendung des Betrags direkt
von der Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, Urbansstraße '94, zum
Preise von Ji 2.05 halbjährlich.

Beziehungen zwischen Oberschwa-
ben und Tfrol auf dem Gebiete
der Kunst.

Von Pfarrer vr. Probst in Essendorf.

In Nr. 4 des „Archivs" hat der Ver-
fasser sich beeilt, eine auf Hans Multscher
von Ulm bezügliche Anzeige zu erstatten
und mit wenigen Worten ans die Trag-
weite dieses Fundes hinznweisen. Bei
näherem Nachsehen stellt sich aber jetzt
schon Heralls, daß die Verbindungen zwi-
schen Oberschwaben und Tyrol nicht bloß
durch eine einzige Person hergestellt wurden,
auch nicht bloß eine nur kurze Zeit an-
dauerten, sondern daß von der zweiten
Hälfte des 45. Jahrhunderts an bis in
die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts
hinein mehrere Persönlichkeiten existirten,
welche die Träger einer lebhaften Ver-
bindung waren. Zuerst hat wohl Waa-
gen (Handbuch der Geschichte der Malerei,
1862, Seite 189) einen Einfluß der
oberdeutschen (schwäbischen) Schule ans
die Kunst in Tyrol erkannt oder we-
nigstens geahnt und allsgesprochen. Ihm
folgte alsbald Sighart (Geschichte der
bildenden Künste in Bayern, 1863, Seite
609); aber beide dachten begreiflich mehr
an Augsburg, weil es geographisch am
nächsten gegen Tyröl angrenzt. Eine Reihe
von neuesten Kunsthistorikern haben seit-
her die Auffassung bestätigt, daß in Tyrol
deutsche (schwäbische) und italienische Ein-
flüsse sich kreuzen (cf. Bischer: Stlldien
zur Kunstgesch. S. 428 und folgende;
Or. H. Schmölzer, Wandmalereien, S. 6
und folgende); aber erst den Nachforsch-
ungen Fischnalers in Innsbruck ge-
lang es, deil Nameil eines bestimmten
Meisters (Hans Multscher) und einige
Zeit nachher auch die schwäbische Heimat
desselben (in Ulm) unzweifelhaft aufzuklären.

Die hiedurch gewonnene Erkenntniß er-

weist sich aber jetzt schon als ein leiten-
der Faden, der geeignet ist, auch für
andere schon vorhandene Angaben auf
diesem Gebiete eine gute Orientirung zu
bieteil.

Wenn die diesbezüglicheu Uutersuchuugeu
und Nachforschungen auch noch lange nicht
abgeschlossen sind, so besitzen wir doch in
dem Buch von Professor Bischer: Stlldien
zur Kunstgeschichte (Stuttgart 1886) ein
Werk, das sehr erwüllschte weitere An-
haltspunkte liefert.

Professor Bischer hat in jüngster Zeit
einläßliche archivalische Studien in Augs-
burg und Bozen gemacht und in sei-
nem Werke S. 478 ff., sowie S. 434 ff.
mitgetheilt.

Nach den hier befindlichen Angaben ist
es nun möglich, den Namen Mneltscher
weiter zu verfolgen und es scheint
hier sich wieder eine Künstler familie,
wie so oft, herausznlösen. Auf Seite 555
ist nämlich ein Lehrjunge int Jahr 1517
genannt, der bei einem Augsburger Meister
als Bildhauer eingestellt wird; der Knabe
heißt: Florian Mutschler, gebürtig

von U l m. Es ist kaum zu zweifeln, daß
hier der Vertreter einer jüngeren Gene-
ration aus der Familie des Hans Mnlt-
scher auftritt; denn auch in den Ulmer
Auszeichnungen schwankt die Schreibweise
zwischen Mnltscher, Mntschel und Mut-
scher (cf. Fischnaler in der Zeitschrift des
„Ferdinandeum" Heft 36 S. 557). Auch der
Meister selbst, bei dem der Knabe unter-
gebracht wird, ist merkwürdig; er heißt:
S e b a st i a n Löscher. (Der Name kommt
bei Bischer mehrmals vor zwischen 1510
und 1548; aber auch noch ein Hans
Löscher zu Augsburg im Jahr 1542 und
1548.) Waagen führte schon 1845 in
seinem Buch: Kunstwerke und Künstler rc.
II. S. 175 in dem Schloß Erbach (ganz
nahe bei Ulm) hinter einem der Thor-
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