Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

Seite: 46
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flügel stehend, eine in Holz geschnitzte Fi-
gur an, welche mit dem Namen des Bild-
hauers M. B.(astian) Löscher 1513 be-
zeichnet ist. Sodann kommt der Name
des Bildhauers Florian Mntscheler und
Florian Mnscheler nochmals vor 1530
(I. c. S. 558) und 1538 (1. c. S. 567)
als eines Meisters in Augsburg. Eine
weiter fortgesetzte Verbindung mit Tyrol
ist zwar hier nicht angegeben; aber sie
besteht auch in dieser Zeit durch den
Baumeister Hans Lutz ans Schnssen-
r i e d , den Erbauer des Thurmes in
Bozen.

Bischer gedenkt desselben 1. c. S. 443.
Eine einläßliche Abhandlung über ihn ist
von Beck 1887 in den ,Filmer Münster-
blättern" S. 52 folgende mitgetheilt worden.
Hienach war Lutz mit der Erbauung dieses
schönen gothischeu Thurmes beschäftigt von
1501 bis 1519; anfänglich als Palier
Engelbergers, nachher selbständig. Durch
F i s ch n a l e r aber wird außerdem (Zeit-
schrift des „Ferdinandeum" 1884, 28. Heft,
Seite 150) mitgetheilt, daß Hans Lutz in
den Jahren 1513 und 1514 auch an dem
Bau der Sterzinger Pfarrkirche betheiligt
war, speziell bei der Herstellung des Gur-
tengerippes und des Gewölbes, das in die
bezeichneten Jahre fällt.

Weitere Anhaltspunkte sind bei Bischer
über einen Bildhauer Jörg Muskat
von Ehingen mitgetheilt (1 c. S. 423
und an andern Stellen), der um ca. 1500
in Innsbruck arbeitete. Derselbe zog
von seinem gewöhnlichen Aufenthaltsort
Augsburg fort 1497 (1. c. S. 568);
wohin, ist nicht angegeben, aber wahr-
scheinlich nach Innsbruck. Sighart (Ge-
schichte der bildenden Künste in Bayern,
Seite 699) gibt einigen Ausschluß über
seine Beschäftigung daselbst; sie knüpfte
sich an das Grabdenkmal Kaiser Max I.,
dessen Oberleitung in den Händen des
Gilg Sesselschreiber sich befand. Nach den
Modellen des Jörg Muskat haben die
Gießer Lukas Zotmann und Lorenz Sar-
tor einige Statuen gegossen. Nachher
kommt der Meister wieder in Augsburg
vor von 1508 bis 1527. Bei Einstel-
lung von Lehrbuben wird sein Name bei
Bischer an verschiedenen Stellen genannt.
Doch scheint es, wenn auch der Name
gleich lautet, nicht immer die gleiche Per-

sönlichkeit zu sein; denn einmal (Bischer
1. c. S. 550) ist der Zusatz „der alt"
beigefügt. Darüber wird kein Zweifel
bestehen können, daß der Ort seiner Ge-
burt in Ehingen an der Donau, somit
ganz nahe bei Ulm zu finden sein wird
und daß er somit ohne Zweifel seine
Ausbildung in Ulm empfangen haben wird.

Sodann wird noch ein Architekt Ni-
clas von Memmingen, als in Inns-
bruck beschäftigt, angeführt, jedoch ohne
nähere Bezeichnung seiner Thätigkeit (1. c.
S. 423).

Diese Nachrichten sind, wenn auch
dürftig, so doch bestimmt genug, um sich
einen Begriff von den künstlerischen Ver-
bindungen zwischen beiden Provinzen ma-
chen zu können. Ganz dunkel aber blei-
ben noch die Hinweisungen ans einen
Pater Wilhelm aus Schwaben und auf
einen Stephan Godel aus Millan (1. c.
S. 459 und 460), die beide in Schwaz
am Inn Spuren ihrer Thätigkeit hinter-
lassen haben.

Dagegen ist die Angabe von fünf Ge-
mälden des Bernhard Striegel von
Memmingen ebendaselbst, wenn auch ohne
Inschrift, nicht zu beanstanden (1. c.
S. 462), da wie bekannt derselbe in
sehr engen Beziehungen zu Oesterreich
stand.

Lntwurf für eine Ranzel im früh-
gotbischen Stil.

Wir machen nicht selten die Wahr-
nehmung, daß bei der Innenausstattung
der Kirchen gerade die Kanzel ärmlich be-
dacht wird, gar nicht entsprechend der
Würde, welche ihr als der Stätte zu-
kommt, von welcher das Wort Gottes
verkündigt wird. Was hier häufig fehlt,
ist jene architektonische Ausgestaltung,
welche die Kanzel befähigen würde, sich
gegenüber dem Bau und den Altären als
hervorragenden Theil zu behaupten, und
diesen Mangel können dann auch mittel-
mäßige Reliefbilder oder Malereieu au
der Brüstuug uicht gut macheu. Die
Kanzel auf uuserer Beilage verzichtet auf
figürlichen Schmuck, legt aber allen Nach-
druck ans wirkungsvolleK onstruktion. Sie
wurde nach der Zeichnung des Herrn
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