Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

Seite: 47
DOI Heft: 10.11588/diglit.15910.28
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15910.30
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15910.31
DOI Seite: 10.11588/diglit.15910#0055
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1893/0055
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
47

Architekt Cades von Bildhauer Warth in
Sigmaringen für die neue Kirche von
Ebingen ausgeführt. Der Raum empfahl
eine gebrochene Kanzelstiege, welche ohne
Anlehnung an die Mauer oder an einen
Pfeiler sich selber trägt, daher mit einem
auf eigenen Stützen ruhenden Podest ver-
sehen ist. Würde eine reichere Aus-
stattung der Kanzel gewünscht, so bieten
die vier Blendnischen der Brüstung Raum
für Figuren- oder Ornament-Malerei.

Wo bleibt aber der Schalldeckel? Ich
will die Gelegenheit nicht vorübergehen
lassen, um gegen den festgesessenen Aber-
glauben auch hier zu Felde zu ziehen,
als ob jede Kanzel nothwendig einen
Schalldeckel haben müsse und ohne den-
selben eines wesentlichen Theiles ermangle.
Nichts überflüssiger und sinnloser als ein
Schalldeckel über der Kanzel einer kleinen
und niedrigen Kirche. Das bedeutet häufig
nichts anderes, als daß ein an sich ganz
akustischer Raum künstlich seiner Akustik
beraubt wird; hier kann der Schalldeckel
nicht den Schall verstärken, sondern nur
ihn verderben, dämpfen, klanglos machen
und zerschlagen. Es ist auch Aberglaube,
daß der Kanzeldeckel nothwendig sei, um
die künstlerische Wirkung der Kanzel zu
erhöhen oder zu vollenden; was in sich
als unnöthig, zweckwidrig, sinnlos erscheint,
kann unmöglich, auch wenn es mit noch
soviel Ornament bedacht wird, eine wahr-
haft künstlerische Wirkung Hervorbringen.
Wo bei der einfachsten Berechnung und
Lei der so leicht anzustellenden Probe die
Decke oder das Gewölbe der Kirche sich
als völlig genügenden Schalldeckel erweist,
lasse man doch jeden Ueberbau über der
Kanzel weg. Man begnüge sich damit,
höchstens noch die Wandfläche unmittelbar
über der Kanzel, sei es mit einer hübschen
Holzverkleidung, sei es mit einem Stoff-
teppich, auszustatten.

Die Ausmalung der Chorkapelle
in Loreto.

Den Abschluß einer durchgreifenden Re-
stauration der um die Mitte des 15. Jahr-
hunderts erbauten Kirche von Loreto soll
die vollständige Ausmalung derselben bil-
den, ans welche von Anfang au ihre In-
nenarchitektur angelegt ist. Die Aus-

malung der päpstlichen Kapelle wurde den
Deutschen angeboten und von ihnen an-
genommen, und seit längerer Zeit ist ein
Comite unter dein Vorsitz des Fürsten
Löwenstein damit beschäftigt, das hiezu
Nöthige vorzubereiten und die erforder-
lichen Geldmittel in Deutschland aufzu-
bringen. Dasselbe wandte sich an die
Beuroner Malerschule mit dem
ehrenvollen Antrag, jenes große monu-
mentale Werk zu übernehmen. Der Leiter
derselben, P. Desiderins Lenz, arbeitete
auch eine Skizze ans; aber vielerlei an-
dere Aufgaben, welche die Schule schon
übernommen hatte, namentlich auch die
Beendigung der Arbeiten in Montecassino
nöthigten schließlich doch, den Auftrag an
das Comite zurückzugeben. Dieses berief
nun den päpstlichen Hofmaler und In-
spektor der päpstlichen Gemäldesamm-
lungen , Professor L u d w i g S e i tz, der
den Ruf annahm und mit demselben zu-
gleich die Vorarbeiten der Beuroner zu-
gestellt erhielt. Die Vorarbeiten dieses
berühmten Meisters sind soweit gediehen,
daß die „Zeitschrift für christliche Kunst"
Bd. 5 den Entwurf der ganzen Bemalung
aus zwei Lichtdrncktafeln mittheilen konnte,
zugleich mit einer sachverständigen Be-
sprechung derselben durch St. Beissel 3. J.,
welcher der Redakteur der Zeitschrift, Herr
Domkapitular Schnätzen, werthvolle An-
merkungen beifügte. Von diesem Artikel
nebst Beilagen wurde nun ein Separat-
abdruck veranstaltet n. d. T.: Der Ent-
wurf von Prof. Ludwig Seitz zu
der von den d e u t s ch e n K a t h o l i ken
gestifteten Ausmalung der päpst-
lichen Kapelle in Loreto von St.'
Beissel 5. J. Düsseldorf, Schwann
1892. Preis: 1 Mark.

Der Reinertrag dieses höchst interessanten
Schriftchens fließt eben in den Fond für
Ausmalung der Kapelle, so daß also jeder
Käufer desselben etwas Werthvolles em-
pfängt und zugleich sein Scherslein für
jenen schöneil Zweck gibt. Der Jichalt
der Broschüre ist von bleibendem Werth.
Sie gibt zuerst ein vollständiges Bild von
dem Leben und Schaffen des Malers
Ludwig Seitz, namentlich von seinen Ma-
lereien großen Stils im Vatikan. Dann
wird auf den Entwurf für Loreto näher
eingegangen. Ein großes dreitheiliges
loading ...