Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

Seite: 53
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Archiv für christliche Nunst.

Organ des Rottenburger DiözesanMereins für christliche Kunst.

Cerausgegeben und redigirt von Professor 0r. Keppler in Tübingen.

Verlag des Vottenburger Diözcsan-Annstvereins, für denselben: der Vorstand Professor Dr. Keppler.

c. 6.

Erscheint monatlich einmal. Halbjährlich für Jl 2.05 durch die wnrttembergischen (Ji 1.90
im Stuttgarter Bestellbezirk), ^2.20 durch die bayerischen und die Reichspostanstalten,
fl. 1.27 in Oesterreich, Frcs. 3.40 in der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden
auch angenommen von allen Buchhandlungen, sowie gegen Einsendung des Betrags direkt
von der Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, Urbansstratze 94, zum
Preise von JL 2.05 halbjährlich.

Beziehungen des Martin ^chon-
gauer zu Ulm.

Von Max Bach in Stuttgart.

Unter vorstehendem Titel bringt Amts-
richter a. D. Beck in den Nummern 1, 2
und 5 des Jahrgangs 1892 des „Archivs"
einen längeren Aufsatz/) anschließend an
eine schon im Jahrgang 1891 von Pfar-
rer Dr. Probst gemachte Mittheilung über
Schongauers Beziehungen zu Oberschwabeu.
Einsender, welcher in letzter Zeit sich viel-
fach mit Studien über Martin Schon-
gauer beschäftigt.hat, die an anderem Ort
veröffentlicht werden sollen, ist in der Lage,
über die in Frage kommenden Bilder nä-
here Auskunft geben zu können.

Zunächst ist zu konstatiren, daß das
in der Monographie des Prälaten Michael
Knen über das Wengenkloster genannte
Bild nicht identisch ist mit dem von Weyer-
mann, Häßler und andern Autoren er-
wähnten Bild im Münster zu Ulm. Dieses
Gemälde hängt noch jetzt an der Abschluß-
wand des nördlichen Seitenschiffs neben
dem Eingang in die Neidhardsche Kapelle;
dasselbe stellt, wie die neueste Münster-
beschreibung von Pfleiderer Seite 50 an-
gibt, die Beweinung Christi dar und wird
dort also beschrieben: „Der etwas steife

Leichnam wird von dem auf der Leiter

0 Dieser Aufsatz war, wie dem Herrn Ver-
fasser bezeugt wird, von Anfang an auf eine
lveitere Folge angelegt, in welcher mehrere in
der obigen Arbeit von M. Bach berichtete Punkte
zur Sprache gebracht werden sollten, besonders
auch das jetzt Zeitblom zugeschriebene Bild im
Germanischen Museum zu Nürnberg und die
Thätigkeit Schongauers in Söflingen. Wir
werden in Bälde die Fortsetzung der Unter-
suchungen Becks im „Archiv" mittheilen können,
und die ganze Controverse wird dazu dienen,
eine nicht rnuvichtige Frage unserer schwäbischen
Kunstgeschichte zur endgiltigen Entscheidung zu
bringen. Die Red.

steheudeu Joseph von Arimathta noch
an der Hand gehalten, hinten ein
Prachtskopf, Nikodemns mit Salben-
büchse. Um Jesum knieen zu Häupten
drei Frauen, edle Angesichter von gro-
ßer Wahrheit der Trauer, weiter zurück
stehen zwei andere und dahinter das offene
Grab. Rechts der Hauptmann zu Pferde;
Landschaft; knieende Stifterin. Das Bild
leider überpinselt geht auf Schaffners
Hand oder Schule zurück." Auf dieses
Bild bezieht sich unzweifelhaft die von
Grüneisen-Mauch Seite 35 ff. gebrachte
Notiz, nach welcher dasselbe bis 1799 in
der Neidhardfchen Kapelle aufgehängt war,
dann aber in die Sakristei gebracht wurde
und 1817 von Butziger restaurirt wor-
den ist. Wie es sich mit der von Weyer-
mann mitgetheilten Angabe verhält, ein
Bürger zu Ulm habe im Jahr 1803 nach
Säkularisation des Wengeuklosters einen
ganzen Leiterwagen voll Bilder fortgeführt,
unter welchen sich auch „das ' große Ge-
mälde von M. Schön, die Abnehmung
vom Kreuz, das jetzt ein Schiffmaun von
Ulm besitzt", befunden haben soll, ist nicht
recht klar. Schon ii/dem a. a. O. S. 9
citirten Artikel über Schaffner („Kunst-,
blatt" 1822) wird das bezeichnte Gemälde
als mnthmaßliche Arbeit Schaffners er-
wähnt.

Nun wie verhält sich's aber mit dem
andern ehemals und zwar bis 1881 in der
Münchner Pinakothek befindlichen, jetzt
aber in das Germanische Museum zu
Nürnberg übergegangenen Gemälde „Be-
weinung Christi" ? Es ist ein echtes Werk
Barth. Zeitbloms, wie ich mich im letzten
Sommer persönlich überzeugt habe. Das
Bild hat mehrere Umtaufen erhalten, im
alten Männlichen Katalog ist es Martin
Schön zugeschrieben, später im Marg-
grasfschen Katalog dem Schaffner und jetzt
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