Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

Seite: 54
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in dem von den Herren Neber und Bayers-
dorfer verfaßten Katalog des Germani-
schen Museums endlich als Barth. Zeit-
blvm erkannt.

Nach den auch von Beck mitgetheilten
Notizen im Marggraffschen Katalog kam
das Bild am 10. März 1803 in die
K. bayerische Gemäldesammlung, und zwar
ohne Zweifel ans dem Bestand der da-
mals von der bayerischen Regierung ans
dem Wengenkloster erworbenen Bilder.
Ob nun das Bild dasselbe ist, welches schon
im Jahr 1613 von dem Herzog Wilhelm V.
von Bayern begehrt worden ist, wie in
der angezogenen Schrift von Michael Knen
erwähnt ist, bleibt dahingestellt. Die Be-
schreibung paßt nicht genau, auch soll das-
selbe ans Leinwand und nicht aus Holz
gemalt gewesen sein. Keinenfalls kann
aber das Bild von M. Schon gemalt ge-
wesen sein, denn damals hatte man, wie
Häßler richtig angibt, nur ganz mythische
Borstellnngen über Schonganersche Kunst,
und alles Wissen beschränkte sich darauf,
was Sandrart in seiner Akademie über
den Künstler mittheilt, welcher ihn in
Culmbach in Franken, wahrscheinlich eine
Verwechslung mit Hans von Culmbach, ge-
boren sein und in Colmar 1486 sterben läßt.
Erst Heinecken in seinem 1786 erschiene-
nen Buche über Künstler und Knnstsachen
erwähnt erstmals Bilder von Schonganer
in der Martinskirche und in der Sakristei
der hl. Dreifaltigkeitskirche zu Colmar.
Diese Bilder wurden schon damals ohne
irgendwelche urkundliche Belege ganz will-
kürlich dem Meister zugeschrieben, und
heute noch ist sowohl in Colmar als
anderswo kein einziges mit deui Namen des
Meisters bezeichnetes Bild urkundlich be-
glaubigt. Ja selbst die Madonna im
Rosenhag, das bis jetzt am besten beglau-
bigte Bild Schvngauers, ist, wie ich an
anderem Ort Nachweisen werde, offenbar
kein Werk des Meisters, dagegen glaube
ich mit großer Wahrscheinlichkeit die Jsen-
heimer Flügel im Colmarer Museum dem-
selben znschreiben zu müssen.

Die von Prälat Knen beigebrachte Notiz
hat überhaupt keinen urkundlichen Werth.
Bekanntlich hat dieser Prälat die Wengen-
kirche im Jahr 1754 ff. im Geschmack sei-
ner Zeit verändert und die Decke mit
Fresken von der Hand seines Bruders, des

Malers Martin Knen von Weissenhorn,
ausmalen lassen. Es liegt auf der Hand,
daß der genannte Künstler, welcher viel-
leicht schon von den Kupferstichen des
Meisters und seinem großen Ruf gehört
hatte, seinem Bruder diese Angaben machte.
Damals waren die großen einheimischen
Maler: Schühlein, Zeitblom und Schaff-
ner in Ulm vollständig vergessen. Schaff-
ner wurde vielfach mit Schonganer idenli-
sizirt, weil man dessen Monogramm M. S.
als Martin Schön las; erst der schon
citirte Aufsatz von Prälat Schmid im
„Kunstblatt" von 1822 hat darüber einige
Klarheit gebracht, dort ist auch („Mor-
genblatt" 1816 Nr. 3) erstmals ein Werk
Barth. Zeitbloms erwähnt, und zwar der
Altar auf dem Heerberg bei Gaildorf.

Das was Jäger und Weyermann
(„Kunstblatt" 1830 und 1833), Grüneisen-
Manch in Ulms Kunstleben und Nagler
in seinem Künstlerlexikon über Martin
Schöns Beziehungen zu Ulm mittheilen, ist
ein förmlicher Wirrwarr von Hypothesen
und Vermnthungen, die schon durch Häßler
in seinem Sendschreiben an Eduard Manch
(1855) entkräftet worden sind.

So viel ist sicher, daß die beiden Bil-
der im Münster zu Ulm und im Ger-
manischen Museum zu Nürnberg mit dem
Namen Martin Schön nicht in Berührung
zu bringen sind.

lieber das Gemälde in Nürnberg hat
Dr. Berthold Händke in den Mitthei-
lnngen des Germanischen Museums II. Bd.
1888 einen Aufsatz gebracht, worin er
nachweist, daß das Bild dem Holzschnitt
von Albrecht Dürer (B. 13) ans der
großen Passion nachgebildet ist. Das
Bild ist reproduzirt im „Klassischen Bil-
derschatz" Nr. 566; die technische Aus-
führung ist vollendet, die Farben klar tief
und harmonisch, der Vortrag sehr ver-
schmolzen , Köpfe und Gewandung von
untrüglichem Zeitblomschem Typus.

Das von Knen erwähnte Bild wird
ausdrücklich als auf Leinwand gemalt an-
gegeben und kann schon deßhalb unmöglich
von Martin Schonganer gemalt sein, viel-
leicht war es eben auch eine Kopie nach
einem Kupferstich desselben, was aber auch
unwahrscheinlich ist, da unter den erhal-
tenen Kupferstichen des Meisters sich keine
Kreuzabnahme oder Pieta befindet. Einst--
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