Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

Seite: 78
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Salwir f (zu vgl. über letzteren auch „Diözesan-
Archiv" von 1892, Nr. 21, S. 84 und Nr. 11 von
1893) 20. 20. Auch hat der Verfasser gelegent-
lich anderer historischer Arbeiten thunlichst die
lokale Kunstgeschichte berücksichtigt und vorerst
manche Notizen gebracht, so z. B. über den
Historienmaler Johannes Heiß aus Memmingen
u. a. in Hofeles „Diözesan-Archiv", III, 1886,
Nr. 9, S. 69 ff; über den Maler und Kupfer-
stecher Jos. Ignaz W eg sch e(a)id e r aus Nied-
lingen, ebendaselbst V, 1888, Nr. 20, S. 80 (nicht
Wegschneidert, über den Weissenhorner Maler
Kvnrad Huber, über welchen ja eine tüch-
tige, im „Diözesan Archiv", VII, Nr. 22 u. 24,
S. 85—87; 94 u. 95 nachgedruckte Monographie
nebst Bildnis; von Stadtpfr. Jos. Holl (Augsburg,
1890, im literarischen Institut von Haas & Grab-
herr) vorliegt, im „Diöz.-Arch.", VIII, 1891, Beil.,
S. 28 zu Nr. 14; über den zu Stafflaugeu (nicht
zu Rappertsweiler) um den Anfang des vorigen
Jahrhunderts geb. Jakob Em ele, den Erbauer
des neuen Schussenrieder Klosters (nicht bloß
des dortigen Bibliotheksaales) und Wiederanf-
bauer des iin Jahre 1753 abgebrannten gräflich
Monfortschen Schlosses zu Tettuang, welchen
der Verfasser in seiner Schrift über Schussenried
(Stuttgart, 1883, S. 64) erstmals wieder aus-
gegraben und hienach die im Jahre 1886
erschienene württembergische Landesbeschreibung
(III, S. 845) ausgenommen hat; über den
Architekten und Stuccatvr Dominik Zimmer-
mann, den Erbauer der Steinhäuser Kirche, und
dessen Bruder, den Maler Johannes Zimmer-
mann, beide aus Landsbcrg a. L., a. a. O.
S. 62 und „Diözesan-Archiv", X, 1893, Nr. 2,
S. 7 und Nr. 6, S. 22; über den frühverstor-
benen Maler Pav. Forchtner aus Dietenheim
a. a. O. S. 65; über die Maler Joh. Kasp.
Siug (nicht Sieg, wie es in der Landes-
beschreibung steht und andere nachschreiben) aus
Braunau, Johannes Zick aus Bruchsal und
Joh. Esperlin aus Degeruau (nicht von
Jngoldingen) a. a. O. S. 63 sowie im „Diözesan-
Archiv", IX, Nr. 24, S. 95 u. 96 ; X, Nr. 1,
S. 1 io. 20. — Daran sollen sich hier nun vor-
erst die Biographieen zweier aus Oberschivaben
stammender Maler reihen, von welchen der eine
zwar nicht vergessen, nur als Sohn Ober-
schwabens gar nicht mehr bekannt, der andere
kann: mehr außer seinem Namen gekannt ist,
und welchen beiden außer ihrer Landsmannschaft
das gemeinsam ist, daß sie Rußland als Feld
ihres künstlerischen Wirkens ausgesucht haben.

II. Ersterer, Joseph Christ — nicht zu ver-
wechsele mit den Niederländer Malern Joh.
Franz Christ, Vater und Sohn aus dem An-
fänge dieses Jahrhunderts Z — ist am 23. Februar
1731 zu Winterstettenstadt, zunächst von
Essendvrf im heutigen Oberamt Waldsee als Sohn
des Bauern Jos. Christ und der Maria, geb.
Bruder, laut Taufregister der dortigen Pfarrei
geboren; in den wenigen Nachschlagebüchern, in i)

i) Ein Joh. Fr. Christ hat auch eine „An-
zeige und Auslegung der Monogramme" (Leip-
zig, 1747, 8°) herausgegeben (französische Aus-
gabe von Sellius).

welchen sein Name sich überhaupt findet, wie in
P. v. Stettens d. I. „Kunst-Gewerbe- und
Handwerksgeschichte der Reichsstadt Augsburg"
(ebendaselbst bei Konr. Heinr. Stage 1779), *)
welchem die reichhaltigsten und zuverlässigsten
Nachrichten über diesen Meister gebenden Werke
wir hauptsächlich folgen, wird sein Geburtsort
bloß mit „Winterstetten in Schwaben" bezeichnet,
deren es bekanntlich drei in Schwaben gibt.
Christ, welcher weder in der Waldseer Oberamts -
noch in der württembergischen Landesbeschreibung,
noch in Sigharts „Geschichte der bildenden Künste
in Bayern", noch in Müller-Seuberts Künstler-
lexikon u. s. w. erwähnt ist, lernte zu Augsburg,
der damaligen süddeutschen Kunstmetropole bei
dem (im Jahre 1728 zn Imst in Tyrol geb.,
1770 in Augsburg f) geschickten, wenig älteren
Maler Joseph Mag es und ließ sich dann, nach-
dem er sich eine gute Zeit in Böhmen, Schle-
sien und Sachsen aufgehalten und die Kunst aus-
geübt, gleichfalls in Augsburg nieder. Er malte
wie sein Meister Mages, welch letzterer u. a.
das schöne Altarblatt: Maria Egyptiaca in der
Augsburger Jesuitenkirche und das heilige Grab
in der dortigen Domkirche verfertigt, sowohl mit
Oelfarben, als auch vornehmlich auf nassen
Wurf. Unter anderen vielen von ihm geschmückten
Kirchen nmlte Christ in das Presbyterium der
Kirche des Bischöflich augsburgischeu Pfarrdorses
zu Langerringen in Schwaben das Deckenstück:
die sieben Gaben des heiligen Geistes (sieben
weibliche Wesen, die Weisheit mit der Aufschrift:
prior creata 20.) al fresco ; ebenso einige Decken-
stücke in der Dekanatswohnung bei St. Moriz;
anch legte er mit verschiedenen schönen Altar-
blättern Ehre ein, so mit einem der heiligen
Theresia in der Karmeliterkirche zu Augsburg.
Außerdem malte er Thürenstücke (sog. Surportes),
so in dem kunstreichen von Liberti'schen Hause
auf deni Weinmarkte in Augsburg; die Samm-
lung des Jngenieurhauptnianns F. Geiger in
Neu-Ulm enthält eine derartige 0,35 m hohe,
1,20 m lange auf Leinwand gemalte, die Seene
der Zuweisung der Lea statt Rahel als Weib
an Jakob durch Laban nebst Schafherde in
recht lebendiger Weise zur Darstellung bringende,
mit Christs Namen bezeichnte hübsche Surporte.
Auf besonderes Verlangen mußte Christ die drei
großen historischen von Mathäus Gundelach ge-
malten Stücke von der Belehnung des Kur-
fürsten Moriz von Sachsen in einer der Fürsten-
stuben auf dem Rathhause kopiren; auch hat inan
von ihm schöne Kopieen nach Tiepolo. Eine
Hauptforee seiner Thätigkeit war aber die
Fassadenmalerei, d. h. die Dekvrirung der
Außenseiten der Häuser mit Bilder- und Farbeu-
schmuck, welche in Augsburg schonseit dem 15.Jahr-
hundert einheimisch, namentlich im 16. daselbst
geblüht und nach einem ziemlichen Niedergange
ini vorigen Jahrhundert unter den Auspieien

Z Die im Jahre 1765 ebendaselbst von dem-
selben Verfasser erschienenen „Erläuterungen 20.
aus der Geschichte der Reichsstadt Augsburg"
nebst Kupfern, in welchen unser Künstler (S. 244)
kurz gestreift ist, sind nur eine Vorarbeit des
späteren Werkes.
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