Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

Seite: 79
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Jvh. Georg Bergmüllers (geb. im Jahre 1688
zu Türkheim, f 1762 in Augsburg) wieder einen
gewaltigen Aufschwung genommen hatte. Bei
dieser Fassadenbemalung im vorigen Säculum
bildete im Gegensatz zu der im 16. Jahrhundert
die thatsächlich vorhandene bauliche Unterlage
regelmäßig den Ausgangspunkt für die Verthei-
lung und Anordnung des malerischen Schmuckes;
die struktiv thätigeu und unthätigen Partieen
wurden in der Dekoration scharf auseinander
gehalten; und vor allem kamen gemalte Architektur-
formen , die in Wirklichkeit an der betreffenden
Stelle zwecklos oder unmöglich wären, über-
haupt nicht mehr vor. Die Vorwürfe holte
man sich ebenfalls im Gegensatz zu früher, wo
in dieser Richtung die größte Vielseitigkeit herrschte,
neben reicher Dekoration meist aus der Bibli-
schen, Heiligen- und Dogmengeschichte, vanebeu
auch aus der Mythologie und Allegorie; alle
anderen Stoffe sind selten, und aus dem gemeinen
tagtäglichen Leben wird nur ganz ausnahms-
weise geschöpft. Eine Menge von Künstlern gab
sich damals mit dieser Art von Malerei ab, so
I. G. Wvlcker, G. B. Göz, I. Holzer, der be-
deutendste Schüler I. G. Bergmüllers, I. B.
Bergmüller, Sohn des vorgenannten, Chr. Er-
härt, I. Huber, lauter Schüler des alten Berg-
müller; dann Jos. Jgn. Mayer, I. Hartmann,
Frz. Jos. Degle, Fr. Sigrist, Jakob Fröschle,
I. A. Schauer, I. N. Bl. Mozart, Alois Black,
Peter Drümmer und noch manche andere —
hauptsächlich auch Christs Meister, Jos. Mage s,
nicht zu vergessen! An diesem hatte Christ ein
gutes Vorbild in der Fassadenmalerei, in welcher
ihm „eine ausnehmend schöne und ihm eigene
Manier" nachgerühmt wird. Es werden nament-
lich das Fourniersche, das Joh. Dav. Gullmann-
sche und das Gaillardsche Haus in der St. Anna-
gasse, das Toskanische Haus auf dem alten Heu-
markt, das Pfisterersche und Dasersche Haus bei St.
Ulrich, das Zabuesnigsche Haus als von Blages
außengeschmückte Gebäude hervorgehoben. Nach
der trefflichen, hier von uns benützten Studie
Adolf Buffs über „Augsburger Fassaden-
malerei" in Lützows „Zeitschr. f. bildende Kunst"
(XXI. Jahrg. 1886, Heft 3 n. 5; XXII, 1887,
Heft 6 u. 9) ist die um 1760, jedenfalls noch vor
1765 von Blages für den wohlhabenden Kauf-
mann Fournier gemalte Fassade von D 219 in
der St. Annagasse von allen noch vorhandenen
Ausburger Fassaden jener Zeit in Bezug auf
die eigentliche Dekoration die reizendste: „Die
Fenster des ersten Geschoßes sind je mit den
entsprechenden des zweiten durch höchst elegante,
meist in einem lichten Grau mit eigenthümlich
marmorirtem Hintergrund gehaltene Einfassungen
zu kleineren vertikalen Gruppen verbunden. In
der Mitte ist zwischen je den beiden Mittel-
fenstern des ersten und zweiten Stockwerkes über
das Gerüste ein viereckig umschlossenes Gemälde
von geringerem Werthe angelehnt, auf welchem
die vier Elemente in Gestalt von Figuren dar-
gestellt sind. Sonst sind die Füllungen des
Rahmenwerkes der Fenster zwischen dem ersten
und zweiten Geschoße mit lichtgraueu Putten
und Vasen geschmückt, auf welch letzteren gelbe
Figuren hocken. Die eigentlich dekorativen Theile

dieser Fassade sind, mit Ausnahme einiger Stellen,
noch gut erhalten."

(Fortsetzung folgt.)

Oie einstige Ausschmückung der "Kapellen
in Hohen-Rechberg, Rainsberg, ^tauffen-
eck, sowie der Kirche in Oonzdorf.

Von Theodor Schön.

(Schluß.)

In der Kapelle des frühern rechbergischen
Schlosses Stauffeneck fand Gabelkvver ebenfalls
eine Reihe von Tafeln.

1. Anno 1524 an S. Laurenzentag starb
der edel und vest Ber von Rechberg von
Hohen Rechberg zu Stauffeneck1)

Stöffeln „ . , Fieisshaim

Rechberg Rechberg Sanz Dalberg.

2. Anno 1553 obiit nobilis Conradt von
Rechberg, Conradi filius2)

Dalberg „ ,, Weiden

„ , , ö Rechberg ganz „ .. .

Rechberg ö & Knöringen.

3. Anno 1527 an S. Lienhardts Tag starb
der edl und vest Jörg von Rechberg 3)

Montfort „ ,, Eberstain

Rechberg Rechberg Sanz Stöffeln.

4. Anno 1567 obiit Ulrich von Rechberg
von Rohen Rechberg zu Falkenstain U

Rechberg T) , , Dalberg

T7. .. . ö Rechberg ganz

Knöringen 0 ö bleisshaim.

An einer Altartafel sah Gabelkvver zur rechten
einen von Rechberg3) mit 4 Söhnen, zur

linken Seite sie, sein coniunx, aine von Stöffeln
mit 4 Töchtern.

Auf den Steinen stand:

1. Ber von Rechberg, darunter Rechberg
allain.

2. Fraw Margreth von Rechberg, geborne
von Dalberg, Kämmerin von Worms.6)

Im mitten Rechberg und Dalberg
darunder

Anno 1318 am 9. Tag Aprilis starb
edel Jungfraw Margreth von Rechberg
Stauffeneck,7) hie begraben.

3. Uz von Rechberg zu Falkenstain,8)
runder Rechberg bis.

die

da-

ch Der zweite des Namens, Sohn des 1527
f Georgs II. und der Margarethe von Dalberg.

ch Sohn des 1558 f Conrad III. und der
Katharina von Knöringen.

ch Georg II., Sohn des 1470 f Veit II. von
Rechberg und der Margarethe von Stöffeln.

4) Der Zweite , Sohn Conrads III. und der
Katharina von Knöringen.

ch Veit (f 1470), Gattin Margaretha's von
Stöffeln.

6) Gattin des 1527 gestorbenen Georg von
Rechberg.

7) Tochter Georgs II. und der Margarethe
von Dalberg.

8) Ulrich II., Sohn Conrads III., Gatte
Anna's von Rechberg.
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