Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

Seite: 82
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Tabernakel in Verbindung gesetzt ist. Der
Feinschmiedekunst ist die Aufgabe zugedacht,
diese Säulen und die Verbindungsschiene
geschmackvoll uitb stilvoll herzustellen und
etwas Vergoldung und Bemalung wird die
gute Wirkung derselben erhöhen können.

Ihre Funktion aber ist lediglich die, als
Teppichhalter zu dienen. An der orna-
mentirten Schiene, bezw. einer unter oder
hinter ihr laufenden Messingstange wird
mittelst Ringen und ossenen Häkchen der
Teppich anfgehängt. Die Vorrichtung ist
derart anzubringen, daß der Teppich jeder-
zeit leicht weggenommen und eingehängt,
bezw. leicht gewechselt werden kann.

Ans letzteres ist Gewicht zu legen. Denn
so überaus einfach auch diese Anlage des
Altarüberbanes ist, so gibt sie uns doch
willkommene Gelegenheit, den Altar in die
Farbe der kirchlichen Zeit zu kleiden, ihm
ein Werktags- und Festtagskleid zu geben,
ein Trauer- und ein Frendenkleid, wie es
dem Tag und dem Gottesdienst angemessen
ist. Auch wo nicht viele Mittel zu Ge-
bot stehen, wird es doch immer möglich
sein, eine kleinere Serie solcher Vorhänge
anzuschaffen, für welche ja keineswegs kost-
spielige Gewebe und Seidenstoffe nöthig
sind. Als gewöhnliche Ausstattung kann
ein kräftiges Tuch, etwa von röthlichbrauner
Farbe, gewählt werden; mittelst ganz leichter
Stoffe, welche nur auf diesen: Tuch ans-
geheftet werden, kann die Advents- und
Fastenfarbe angebracht werden, oder die
schwarze Farbe des Charsreitagö oder des
Todtengottesdienstes. Dann sollte ein vor-
nehmerer Teppich, etwa von festlich rother
Farbe, zur Verfügung stehen für die Fest-
tage, oder auch noch ein weißer für die
Marienfeste. Innerhalb dieses Rahinens
ist wieder eine mannigfache Steigerung
der Schönheit und Pracht möglich mittelst
der Stickknnst, von einfacher Applikations-
oder Tambourierstickerei bis zur figürlichen
Nadelmalerei, welche den fehlenden Skulp-
tnrenschmnck zu ersetzen vermag.

Man wird bei genauerem Studium die
vorgeschlagene Altarform vielleicht sehr ein-
fach und schlicht finden; aber man wird
nicht leugnen können, daß sie bei aller
Einfachheit würdig und wirksam ist und
den liturgischen Anforderungen vielleicht
besser entspricht, als mancher anspruchs-
volle und komplizirte Hochbau. Das ist

die beste Probe kirchlicher Kunst, wenn sie
mit einfachen Mitteln doch Großes erreicht
und wo gespart werden muß, am rechten
Punkt spart, nicht am Nothwendigen und
Hauptsächlichen, sonder:: am Nebensächlichen
und Entbehrlichen.

Der St. Sebaldaltar itt der L^eilig-
kreuzkirche in Gmünd.

(Von f Stadtpfarrer P fitz er in Gmünd.)
(Fortsetzung.)

Dieser Sebaldaltar zu Gmünd ist der-
zeit oben mit einem recht guten plastischen
Bildwerke bekrönt. Derselbe stellt die hl.
Apollonia dar, wie ihr von zwei Schergen
die Zähne mittelst eines Hammers und
Stemmeisens heransgeschlagen werden. Die
Gruppe ist eine Znthat der letzten Restau-
ration. Dagegen gehört ohne allen Zweifel
nach Ausweis der Stifterwappen die Pre-
della, auf der der Altarschrein ruht, zur
ursprünglichen Stiftung. Auf dieser Pre-
della finden sich durch den Pinsel dar-
gestellt die 14 Nothhelfer, denen, wie auch
sonst nicht selten, noch Maria mit den:
göttlichen Kinde als die allgemeine Helferin
der Christen beigefügt ist. Die Reihenfolge
von der Linken zur Rechten des Beschauers
ist folgende: 1) Christophorns mit den:
Jesuskind auf einer seiner Schultern;

2) Eustachius mit den: Hirschgeweih;

3) Vitus mit einem Hahn; 4) Georg mit
dem Lindwurm; 5) Barbara mit den: Kelch;

6) Cyriak mit den beiden über seinem
Schädel zusammengenagelten Händen;

7) als Mittelpunkt Maria mit den: gött-
lichen Kinde; 8) Katharina mit dem Schwerte;
9) Pantaleon mit dem Oelbaum; 10) Mar-
garetha mit dem durch ihre Hand besänf-
tigten Drachen; 11) Bischof Achatius (gleich
dem hl. Nikolaus) mit drei Goldknollen;

12) Bischof Dionysius, mit Mitra und
schwarzgranem Pluviale, die Hirschkuh des
Abtes Aegidius mit der Hand liebkosend;

13) Aegidius selbst mit der Folter über
seinem Haupte, womit ihm die Glieder
seines Leibes sind verrenkt worden; 14) Bi-
schof Blasius mit der Kerze; und 15) Bi-
schof Erasmus mit der von seinen Ein-
geweiden umwundenen Spule.

Welchen: Meister gehört nun dieses her-
vorragende Kunstwerk an? Mit jedem zu
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