Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

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u. a. mehr, welche Arbeiten in der damals zu
Mitauheransgegebenen Zeitschrift „Neue wöchent-
liche Unterhaltungen" sehr lobend^ besprochen
wurden. Im Frühjahr 1808 reiste er nach
Dorpat in Livland, wo er bei Senfs Blumen-
malerei studirte, und am Ende desselben Jahres
nach Petersburg, woselbst er bis Ende des Jahres
1809 blieb. Er hatte sich inzwischen eine größere
Summe Geldes erspart, um damit noch im
Auslande weiter studiren zu können. Daraus
wurde aber zum Nachtheile für seine künstlerische
Entwicklung nichts, da ihm dieses Geld, wie
man sagte, von einem kriegsgefangenen Italiener
in Mitau gestohlen wurde. Auf Erwerb zu
seinem Lebensunterhalt angewiesen erlheilte er
von 1815/16 zu Mitau Zeichenunterricht in einer
Bildungsanstalt „für Söhne aus den höheren
Stünden". Am 22. Mai 1817 verehelichte er
sich mit Dorothea, geb. Maczewski, der Tochter
des Piltonschen Superintendenten, aus welcher
Ehe drei Kinder Hervorgiengen: ein frühverstorbener
Knabe und zwei Töchter: Maria, welche sich mit
einem Beamten Rehmann verheirathete, aber
bald im Herbst 1851 starb, und Auguste Elisa-
beth Dorothea, welche noch in Mitau lebt;
alle diese Kinder wurden in der lutherischen Re-
ligion der Mutter erzogen. Eine verheirathete
Schwester des Künstlers lebte noch im Jahre
1856 in Büdesheim. — Am 26. März 1820
wurde Oechs als Mitglied der „Kurlündischen
Gesellschaft für Literatur und Kunst" ausgenom-
men. Im Winter 1821 gieng er weiteren Stn-
diums halber doch noch nach Dresden, wo er
auch den Sommer 1822 zubrachte; er malte
dort in der Gallerie mehrere Miniaturbilder, die
in dem „Artistischen Notizblatt" vom 7. Sep-
tember 1822, in welcher Nummer sich auch ein
kurzer Lebensabriß von Oechs findet, sehr gelobt
wurden. Damals stellte er in Dresdetl ein sehr
gerühmtes Bild: „Der Euleitböck" nach Tiecks
Novelle: „Die Gemälde" aus. Nach Mitau zu-
rückgekehrt verlor er bald (um das Jahr 1823?)
seine Gattin und nahm dann Kost und Woh-
nung bei dein Apotheker Schmidt in der Kum-
meran'schen Apotheke zu Mitau, wo er bis zu
seinem Tode blieb. — Am 7. Juni 1824
wurde er Zeichenlehrer am Gynlnasium von
Mitau und trat damit in den kaiserl. russischen
Staatsdienst; im Jahre 1828 erhielt er den
Titel „Kollegiensekretär" und am 27. August
1831 den eines „Titillarrathes" ; in dieser Stel-
lung blieb er bis zu seinem Ableben. Nach
einem auf dem Lande im Schlosse Dondangen
ihm zugestoßenen nnglücklichen Falle vvtl einer
Treppe kränkelte er, und auch eine im Sommer

1835 unternommene Erholungsreise nach Deutsch-
land und in seine Heimath, in der er schon lange
fremd geworden war, half sein Uebel, ein un-
heilbares Herz- und Lungenleiden, nur ver-
mehren, welchem er endlich am 13. Februar

1836 zu Mitau, seiner zweiten Heimat, erlag;
dort liegt er auch begraben. Seine äußere
Persönlichkeit, von welcher sich auch kein
Bildniß ermitteln ließ, wissen wir nicht zu be-
schreiben.

Oechs war längst nicht mehr bei seiner ur-
sprünglichen Miniaturmalerei geblieben, sondern

hatte sich zeitig anch auf die Oelmalerei gelegt.
Seine Hanptbilder in Oel sind ein ca. 9'hohes und
5' breites Altarbild in der Stadt Kreutzburg in
Kurland, welches die Heilung des Blindge-
borenen vorstellt; es existirt von demselben eine
sehr gut ausgesührte vollendete, keineswegs bloß
skizzenhafte, ca. 3' hohe Farbenskizze mit der
Jahrzahl 1828 irgendwo in Kurland. Dann
das Oelstück von „Christus und der Samari-
terin am Brunnen", dessen dermaliger Hängeort
nicht bekannt ist. Seine erstell Arbeiten waren
aber Portraits, welche wegen ihrer Aehnlichkeit,
Treue und Technik viel Beifall fanden. In der
Gemäldesammlung des kurländischen Provinzial-
musenms zu Mitau befinden sich folgende Bilder
von ihm:

1) das (im Jahre 1823 nach der Natur ge-
malte) lebensgroße Kniestück des Staats-
rathes I. Fr. von Recke;

2) das lebensgroße Kniestück des reformirten
Predigers Professors K. Will). Kruse in
Mitau;

3) 16 kleine treffliche in Oel gemalte, im Jahre
1833 im Museum aufgestellte Bildnisse der
kurischen Herzöge nebst Gemahlinnen ;

4) a. Miniaturkopie Karls I. nach van Dyk in

der Dresdener Gallerie,
b. Miniaturkopie eines alten Mannes nach
Jos. Nogari ebendaselbst;

5) Kinderkopf nach der Natur — sehr schönes
Aquarell;

6) zwei als Engel dargestellte Kinder des
Malers, ebenfalls schönes Aquarell.

In seiner Heimat, welcher er eben von
früher Jugend an fremd geworden, ist nicht ein
einziges Stück von ihm; überhaupt werden Ar-
beiten von seiner Hand in Deutschland selten zu
treffen sein. In Befähigung und Leistung steht
er unter seinem Landsmann Christ.

Sein eigentliches Feld war das Kopiren en
miniature; bei seinen größeren selbständigen
Arbeiten merkt man nach dem berufenen Ur-
theile Dörings, eines Bendemannschülers, den
— so manchen seiner damaligen Kunstgenossen,
eigenen und aus Mittellosigkeit und fehlender
Gelegenheit erklärlichen — Mangel an Schule,
besonders in Beziehung auf die Zeichnung zu
deutlich, was sehr zu bedauern ist, denn mit
seinem unleugbaren Talente hätte er bei mehr
Schulung und Ausbildung weit Hervorragen-
deres leisten können!

Literatur.

Z w ö l f V o r l a g e u für K u n ft s ch mied e-
(Schlosser-)Arb ei t e n der romanischen,
gothischen und Renaissance-Zeit (einschließ-
lich Barock und Rococo). Gesammelt nub
ausgenommen von P. Sinn er, Photo-
graph in Tübingen. Stuttgart, Kohl-
hammer 1893. Zwölf photogr. Tafeln.
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