Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

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flüsse zu erkennen glaubte, ist gleichfalls dermalen
in Innsbruck ausgestellt. Atz, der bekannte
Tiroler Knnstforscher, finkt' jedoch wenig Ver-
wandtschaft zwischen beiden Altären, hält die
Figuren des Tartscher Werkes für besser als die
des Gossensaßer, auch das Schnitzwerk des ersteren
für noch feiner und eleganter. Im selben Jahre
„Montag nach Cantate" (15. Mai) 1514 erhielt
Maler Ivo St. von Jakob Wegerich, Pfarrer
Unser L. Frauenkirche, Meister Hans Tieffen-
thaler, Kaplan und Küster, Hans Zangmeister
und Hans Heyß, Pfleger bei Unser Frauen, und
Hans Thoman, Bildhauer und Bürger, sämnit-
lich in Memmingen, den Auftrag, „die Tafel
und was dazu gehört, auf Unser lieben Frauen-
Altar bei der alten Sakristei — die Himmel-
fahrt Mariens mit sammt den Zwölfboten dar-
stellend — zu faßen und zu malen und soll der-
selbe dafür 200 fl. erhalten". Dieser Altar ist
nicht mehr erhalten und wahrscheinlich schon bei
der Bilderstürmerei, die auch in Memmingen
wüthete, zu Grunde gegangen. Außerdem war
auf der Augsburger Ausstellung im Jahre 1886
ein dem Ivo S t. zugeschriebenes, im Besitze des
Herrn Guido Entres in München befindliches
Bild ausgestellt: „Herodias stellt das Haupt des
heiligen Johannes auf den Tisch". Dazu wären
von oberschwäbischen, zum Theil auch in Tirol
thätigen Künstlern noch anzuführen der bei Atz
a. a. O. (S. 395 und 396) und danach auch
anderwärts bereits genannte Kaspar L ö (e) s ch e n -
brand aus Ulm als Verfertiger des Haupt-
ältares in der Innsbrucker Hofkirche um 1556
(mit dem Schreiner Hans Walch aus Mindel-
heim). Weyermann erwähnt in seinen „Nach-
richten von Ulmer Künstlern rc." (II., S. 288)
außer dem ebengenannten noch einen Bildhauer
Melchior Lö(e)schenbrand aus Ulm um
1508. Jörg Ebert aus Ravensburg er-
neuerte die vormals überklebten Intarsien des
Orgelgehäuses in der genannten Hofkirche ge-
lungen im Stile Aldegrevers; und der Tischler-
Hans Waldner ebendaher fertigte um 1568
bis 1571 den größten Teil des Bet- oder
Fürstenchores in derselben Hofkirche mit seinen
hübschen Intarsien und eingelegten Arbeiten im
deutschen Renaissancestil.

Aus späterer Zeit während des 30jährigen
Krieges treffen wir in den Jahren 1635—1671
die Gebrüder Julius, Dominikus und Petrus
als Wiederaufbauer der erstmals um das Jahr
1042 errichteten, dann in den Jahren 1284 und
1631 abgebrannten katholischen Stadtpfarrkirche,
vormaligen Benediktinerklosterkirche von Jsny
i. A. Landesbeschreibung wie Kepplers „Würt-
tembergs kirchliche Kunstaltertümer rc." (S. 391)
führen diese drei Baumeister als von Roffle
an. Der eigentliche Name des Erbauers heißt
aber nach von Jsny mir gewordener freundlicher
Mittheilung Julius Barbier, Maurer-
meister von Rusle (auch Roffle) bei
Bregenz. Ein solcher Orts- bezw. Gewands-
name kommt indeß nach Stafflers und Walzen-
egger-Merkles Werk über Vorarlberg, sowie auch
nach Auskunft des Herrn Professor I. Zösmair
in Innsbruck in der ganzen Umgebung von
Bregenz nicht vor und hat sich bis jetzt auch

unter den abgegangenen Orts- und Gewand-
namen in jener Gegend nicht finden lassen.
Orts- wie Geschlechtsname scheint vielmehr ro-
manischen Ursprungs zu sein und elfterer bloß
Hofname gewesen zu sein und eine kleine Rüfe
zu bedeuten; thatsächlich gibt es in Graubünden
an der Splügenstraße die wilde Roflaschlucht
und an der Julierstraße einen kleinen Ort
Rofna. Mit Graubünden unterhielt Schwa-
ben ja, wie wir bereits gesehen, schon in älteren
Zeiten gleichfalls künstlerische Beziehungen. So
findet sich (nach einem Aufsatze Busls über den
Bildhauer Jak. Ruß aus Ravensburg in dieser
Zeitschrift, VI. Jahrg. 1888 S. 79/80) auf dem
Flügelaltar der Pfarrkirche zu T i n z e n bei Reams
die Inschrift „Joerg Kendel, mauller von Bi-
ber a ch und die Jahrzahlen 1531 und 1535, welcher
wahrscheinlich das jüngste Gericht auf die Rückseite
gentalt hat. Nach dem mit dem Gotteshaus Jsny
am 1. Juni 1660 abgeschlossenen, am 20. Okto-
ber 1677 vom Baumeister abquittirten und ge-
siegelten Arbeitsaceordvertrag erhielt Jul. Barbier
an Arbeitslohn für die 147 Schuh lange und 43
Schuh breite Kirche an Geld 5700 fl., an Natu-
ralien 40 Malter Roggen, 30 Malter Körner,
8 Malter Haber und 2 Malter Gerste; ferner
hatte der Meister, und wenn seine Brüder Do-
minik mti) Petrus anwesend waren, auch letztere
Essen und Trinken nebst Liegerstatt im Kloster,
seine Leute aber nur Wohnung und Holz. Ihr
romanischer Name schließt jedoch ihre Herkunft
irgendwoher aus dem Vorarlberger Ländchen
durchaus nicht ans, da ja in demselben viele
romanische Namen Vorkommen und in einzelnen
Gegenden, wie in Montafon, in ganz alten Zei-
ten romanisch gesprochen wurde.

Sodann stellte der Bregenzerwald früher, auch
nach dem damals großentheils mit Vorarlberg
unter dem Kollektivbegriff „Vorderösterreich"
(oder „österreichische Vorlande") politisch ver-
bundenen und sonst vielfach in Beziehungen
stehenden Schwaben, bekanntlich sehr tüchtige,
geschickte Werkmeister, Steinmetzen, Stuckarbeiter,
Maurer rc., vor allen die Gebrüder Ferdinand
und Franz Beer (Bär) aus Au (alias Bezau),
von welchen ersterer die zwei Thürme der Stifts-
kirche von St. Gallen, sowie die (jetzt nicht mehr
stehende) Kirche des Benediktinerklosters Meh-'
rerau am Bodensee, letzterer in den Jahren
1697—1706 den Prachtbau des Cistercienser-
reichsstifts Salem, das Kloster St. Urban im
Aargau, sowie das Cistercienserinnenkloster Ober-
schönefeld bei Augsburg erstellte und auch beim
Bau der großartigen Klosterkirche zu Wein-
garten als Unterbaumeister unter Frisoni in
den Jahren 1715—1724 thätig war. Dann die
Gebrüder Kaspar (geb. im Jahre 1656, st in
Maria Einsiedeln am 26. August 1723) und
Johannes Mo (o) s b r u g g (ckh)e r (ß im Jahre
1710), gleichfalls aus Au, von welchen der
erstere, ursprünglich Steinmetz, dann Laienbruder
und Klosterbaumeister zu Eiusiedeln, zunächst am
Chorbau daselbst thätig war, hierauf im Jahre
1703 den Grundriß und das Modell des ganzen
dortigen Stiftsneubaus einschließlich der Kirche
entwarf und großentheils ausführte, außerdem
ii. a. den Plan zu dem Cistercienserinnenkloster
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