Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

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Kalchrain im Thurgau lieferte, der letztere einen
grüßen Theil des Stifts unter der Leitung seines
Bruders erbaute?) Nach seinem frühzeitigen
Tode führte Meister Michael Ru eff oder
Rüeff aus dem Bregenzerwald als Vogt der
Mosbrugger'schen Kinder die übernommenen
Baiüen ullter der Bauleitung Kaspars weiter.
Ein anderer Meister dieses Namens, Johs.
Rüeff aus Au, war später voin Jahre 1726
und noch lange am Baue der neuen Stiftskirche
zu Einsiedeln mit 30 Maurern und 20 Hand-
langern, sowie in der gleichen Zeit die Stein-
metzmeister Johs. Braun aus dem Bregenzer-
wald, welcher schon im Jahre 1703 am neuen
Stiftsgebäude geschafft, und Balthasar Schlnid
aus dem Blnmenegg'ichen mit 43 Steinhauern;
Meister Jodokus Heidegger, ebenfalls ein
Bregenzerwälder, mit neun Zimmergesellen:
Ant. Widmall von Kißlegg mit acht Ver-
goldern; Meister Mich. Moser aus Schaffhausen
mit fünf Gesellen, welcher den Thurm verschaalt,
den Knopf und das Kreuz verfertigt und ver-
goldet ; Bildhauer Franz Anton K u e n (auch
Kuhn) aus Bregenz — dieser vorher auch in
Weingarten — thütig. Rüeff war eigentlich
Autodidakt, Schüler von Mathias Kaufflin in
Einsiedeln, baute u. a. das Benediktinerstift
Engelberg, sowie das Kloster Fischingen neu auf;
auch hatte er sich bereits halb und halb zum
Kirchenbau nach St. Gallen, sowie nach dem
Kloster Pfäffers O. S. B. verdingt. Er starb
aber vorher noch am 8. April 1750 an den
Folgen eines lmglücklicheu Falls in Lachen.
Seine letzte Baut war der „Wechsel" in Eiu-
siedeln, d. h. die an die Kirche anstoßende Hälfte
des nördlichen Klosterflügels. — Eine andere
nicht minder hervorragende Banmeisterfamilie
waren die ebenfalls aus Au stammenden Dum
(Thum(m), Tum rc.), von welchen Michael

Z Höchst lvahrscheinlich gehörte der um die
zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts am
Klvsterbau zu Schussenried thätige tüchtige
Steiuhauermeister M o s b r u g g e r in Obermarch-
thal auch diesem Geschlechte an; und ein Ab-
kömmling derselben Familie renovierte zwischen
den Jahren 1836—1841 die ganze Dekoration
der Eiusiedelner Kirche. Demselben Geschlechte
gehörte jedenfalls an der zu Rehmen, Pfarrei
Au, am 18. März 1760 geb., 20. August 1849
in Aarau 1- Porträtmaler Wendelin Moos-
brugg er, ein ächter Maler noch vom alten
Schlag, welcher u. a. viel in den oberschwäbischen
Schlössern und Edelsitzen verkehrte und malte
und sich in Konstanz niederließ. In seiner hei-
mathlichen Pfarrkirche ist das Altarblatt mit der
Auferstehung Christi von ihm (Weech, Fr.,
bad. Biographien, II., S. 89 und 90). Der
dritte (zu Konstanz an: 19. September 1804 geb.,
in Petersburg an der Cholera am 17. Oktober
1830 f) Sohn W. Moosbruggers, Friedrich
M o o s b r u g g e r, war gleichfalls ein hoffnungs-
voller Maler. — Alle diese Namen finden sich
weder bei Atz a. a. O. noch in den württem-
bergischen Nachschlagewerken.

Tum um das Jahr 1682 den Plan zu der
Wallfahrtskirche zu U. L. F. auf dem Schönen-
berg bei Ellwangen entwarf und auch anfäng-
lich bis zu seinem bald darauf erfolgten Ableben
leitete, Peter Dum die Stiftskirche von Sankt
Gallen erstellte und Christian Dum in der
Zeit von 1695—1700 die schöne, in geschmack-
vollen: Barock gehaltene, einschifsige, durch reiche,
üppige Stuccatur ausgezeichnete Kirche mit zwei
Thürmen und Tonnengewölbe im Priorat Hofen
bei Buchhorn erbaute und dann als Unterbau-
ineister am Weingarter Kirchenbau thütig war.
Die Brüder Michael und Christian Tum erbauten
weiter mit ihrem Vetter, dem obengenannten
Franz Bär, in den Jahren 1686—1701 unter
der Oberleitung des Tommaso Comacio aus
Graubünden die schöne Kirche des ehemaligen
Prämvnstratenserreichsstifts O b e r m a r ch t h a l
nach dem Plane der Versailler Hofkirche. In gleicher
Eigenschaft fungirte zu Weingarten der Laien-
bruder im dortigen Benediktiuerkloster Andreas
Schreck, gleichfalls aus Au. In einem an-
deren schwäbischen Benediktinerkloster zu Wib-
lingen besorgten in den Jahren 1772—1781
an der prächtigen neuen Stiftskirche Georg
Specht aus Au die Maurer- und Georg
Stiefenhofer aus Lindeilberg i. A. die Zim-
merarbeit. Das Innere dieses Tempels schmückte
der geschickte Bildhauer Schneck aus Brixen
mit massiven Gipsstatuen aus. So gibt also
Vorarlberg auf dem Gebiete der Baukunst
Schwaben weit mehr, als es und Tirol von uns
hierin enipfängt!

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