Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 11.1893

Seite: 98
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des Altars und Gestühls sammelt. Die
Edition Baurs behält ihren Werth neben
der von Schüler, schon weil sie wesentlich
wohlfeiler ist. Allerdings was die plasti-
schen Theite der Chorausstattnng anlangt,
so vermag hier selbstverständlich der Licht-
druck entfernt nicht die Wirkung der photo-
graphischen Reproduktionen von Schüler
zu erreichen. Aber das Werk tritt den
letzteren ergänzend an die Seite, sofern
es die von Schüler nicht berücksichtigten
malerischen Theile des Altars vorführt in
einer Weise, welche es, von der Farben-
gebung abgesehen, jedem ermöglicht, sich
ein Urtheil über Werth und Stil derselben
zu bilden. So führen die Tafeln der
ersten Lieferung die vier Scenen der Jo-
hannislegende auf den Flügeln vor: Jo-
hannis Enthauptung; Herodias bringt das
Haupt auf der Schüssel in den Festsaal;
die Jünger beerdigen den Leichnam; die
Gläubigen verehren das hl. Haupt. Ein
weiteres Blatt zeigt die Figuren der Pre-
della und deren bemalte Rückseite. Wenn
Herr M. Bach am Schluß seines Textes
die Vermuthniig ansspricht, daß der Hoch-
altar ans einer Maler-, nicht ans einer
Bildhanerwerkstätte Ulms hervorgegangen,
so dürfte dagegen doch das starke Bor-
walten des Plastischen sprechen.

Soeben erscheint von dem zuletzt auf-
geführten Werke auch Lieferung 2 und 3.
Außer drei Blättern, welche sich mit dem
Chorgestühl, dem Levitendreisitz und den
Reliefs der Geburt und der Anbetung der
Könige befassen, enthalten dieselben drei
Tafeln, welche die folgenden Gemälde recht
deutlich und klar wiedergeben: Johannes
nimmt Abschied von seinen Eltern; er
predigt in der Wüste; er tauft am Jor-
dan ; die Christgelehrten befragen ihn über
seine Sendung; er hält Herodes seine
Schuld vor; er wird ins Gefängnis ge-
worfen. Wir können auch dieses Werk,
dem wir baldigen Abschluß wünschen, aufs
beste empfehlen. —

Entwurf zu einem Grabkreuz.

Die wiederholte und nachdrückliche Em-
pfehlung schmiedeiserner Grabkreuze anstatt
der Grabsteinkolosse war zum Theil wohl
deßwegen nicht von dem erwünschten Er-
folge begleitet, weil diese Kreuze, bloß auf

niedrigem Sockelstein befestigt, ju wenig
Körper haben, um sich einer großen Masse
von Grabsteinen gegenüber zu behaupten
und noch einigermaßen zur Geltung zu
bringen. Dieses Bedenken hat einige Be-
rechtigung, so lange die steinernen Grab-
denkmäler ans unfern Friedhöfen die Ma-
jorität bilden.

Der beiliegende Entwurf sucht den an-
gedenteten Mangel zu beseitigen. Er be-
ruht aus einer Art Kompromiß zwischen
Grabstein und Schmiedeisenkrenz und er-
zielt durch Verbindung von Steinsknlptnr
und Feinschmiedekunst eine gesteigerte Wir-
kung. Der über einen Meter hohe Stein-
körper ist durch die Ecksänlchen kräftig ge-
gliedert und bietet schöne Flächen für die
Inschriften. Oben ist er mit sich kreuzenden
Giebeldächern abgedeckt. Die vier Kanten
dieser Dächer sind oben abgeplattet. Im
KreuzungSpnnkte derselben ist der sehr-
kräftige und massive eiserne Krenzesstamm
eingesenkt; zur weiteren Befestigung des-
selben aber und zu besserer Vermittlung
des Uebergangs vom Stein zum Eisen
dienen vier vom Stamm artslanfende, auf
dem Grat der vier Giebel des Sockels
befestigte Flügel, als Rosenzweige mit
Blättern und Blnmen stilisiert. Ein Rosen-
zweig läuft auch am Stamme empor und
schmückt ihn mit Blunieit. Der Hanpt-
theil des Kreuzes verbindet Kraft, Soli-
dität und klare Altlage mit Feinheit und
Zierlichkeit und wird bei angemesseirer Poly-
chromirung lind Vergoldung sehr gut wirken.

Der Entwurf stammt von Herrn Kunst-
maler Mezger in Ellwangen. In ziem-
lich veränderter Ausführung wird das
Kreuz das Grab des verstorbenen Stadt-
pfarrers Hescheler in Ellwangen schmücken.
Mit schöner schmiedeiserner Einfassung wird
es den ganzen Kirchhof zieren und sich
würdig neben das seiner Zeit auch im
Archiv abgebildete Grabdenkmal des Vor-
gängers des Verstorbenen, des seligen Prä-
laten Schwarz, stelle».

^eue Untersuchungen und Ent-
deckungen

den Grundriß des Kölner Domes betr.
Von Professor vr. Pfeiffer in Dillingen.
Der Verfasser dieses Artikels hat in
dem Jahrbuch für Philosophie und spekn-
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