Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

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rchid für christliche Kunst.

Mrgan des Rottenburger Diözesan-Vereins für christliche Kunst.

peransgegeben und redigirt von Professor Or. Reppler in Tübingen.

Verlag des Rottenburger Diözesan-Kunstvereiiis, für denselben: der Vorstand Professor Dr. Repxler.

l.

Erscheint monatlich einmal. Halbjährlich für J(> 2.05 durch die württembergifchen (J6 1.90
un Stuttgarter Bestellbezirk), J6 2.20 durch die bayerischen und die Reichspostaustalteu,
fl. >.27 in Oesterreich, Frcs. 3.40 in der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden
auch angenommen von allen Buchhandlungen, sowie gegen Einsendung des Betrags direkt
von der Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, Urbansstratze 94, zum
Preise von Jf. 2.05 halbjährlich^

1894.

Lin bischöfliches Kunstmuseum

für die Diözese Rottenburg, dessen Grün-
dung schon seit langer Zeit von vielen
sehnlich gewünscht und dringend empfohlen
wurde, ist nunmehr ins Leben gerufen.
Diese Nachricht bringen wir den Mitgliedern
unseres Diözesanknnstvereins als Neujahrs-
gruß, überzeugt, daß dieselbe überall mit
Freuden ausgenommen werden wird.

Daß die ans Errichtung eines solchen
Museums gerichteten Bestrebungen ans ein-
mal rasch zum Ziel gefördert werden
konnten, ist zu danken vor Allem dem
hohen und erleuchteten Interesse, welchem
dieselben bei dem hochwürdigsten Bischof
Di. Wilhelm v. Reiser begegneten. Er
erkannte sofort die Wichtigkeit einer solchen
Gründung, und alsbald nachdem er den
Hirtenstab der Diözese zur Hand genommen
und von der bischöflichen Wohnung Besitz
ergriffen, ertheilte er nicht bloß die Erlanb-
niß zur Gründung eines Diözesanmuseums,
sondern er wies demselben auch mit, hoch-
herziger Liberalität geeignete Räume im
oberen Stock des bischöflichen Palais an und
gestattete zugleich, daß die bereits dort nnter-
gebrachte Sammlung altdeutscher Skulp-
turen ltnb Gemälde als Grundstock des
Museums betrachtet und behandelt werden
dürfe.

Das zweite große Verdienst erwarb sich
ein edler und kunstsinniger Geistlicher un-
serer Diözese, welcher sowohl seine eigene
bedeutende Kunstsammlung für das Museum
in Aussicht stellte, als auch sofort die
schöne Summe von 1000 M. für Errich-
tung und Einrichtung des Museums dem
Vorstand des Kunstvereins übergab. So
sind mit einem Mal alle Schwierig-
keiten weggeräumt und es ist ein Institut
ins Leben gerufen, an dessen guter Weiter-
entwicklung nicht zu zweifeln ist und an
welches sich gegründete Hoffnungen auf

Förderung des Kunstsinns in der Diözese
und ans pietätsvolle Erhaltung alter Knnst-
denkmäler derselben knüpfen lassen.

Einen bedeutenden Anfang der Samm-
lung bilden die bereits in zwei Bildersälen
z nntergebrachten altdeutschen Schnitzwerte
und Tafelgemälde, welche unter deni hoch-
seligen Bischof Joseph v. Lipp aus der
großen Gallerte des Kirchenrates Dnrsch
in Rottweil angetanst und durch Vermächt-
nisse des hochseligen Bischofs Di. Karl
Joseph v. Hesele vermehrt wurden. Es
wird zunächst unser Bestreben sein, diese
Bilder genau zu untersuchen und unter-
suchen zu lassen und soweit möglich unter Be-
stimmung von Gegenstand, Herkunft, Alter,
Meister oder Schule zu katalogisiren.

Wir rechnen ans baldige und reichliche Ver-
mehrung dieser schon vorhandenen Schätze.
Dabei sind unsere Gedanken und Wünsche
namentlich dahin gerichtet, daß uns aus
d e n K i r eb e n der D i ö ze s e j e n e Kun st-
g e g e n st ä n d e f ü r d a s M tl s e u m ü b e r-
lassen werden möchten, welche
a n ß e r G e b r a u ch gesetzt, s ü r k i r ch-
l i ch e oder liturgische Z w e ck e u i ch t
m e h r v e r tv e it d b a r o d e r v e r w e n d e t
sind. Alte Statuen, welche wegen theil-
weiser Zerstörung bei Seite gestellt
auf den Kirchenbühnen oder in Rnmpel-
kammern sich vorsindeit, Paramente oder
Paramentstücke, Kelche unb andere heilige
Gesässe, Religttiare, Schmiedeisenkrenze,
alte Glocken, Schnitzaltäre ltnb Taselae-
mälde, welche wegen Alters oder aus an-
dereit Gründen in den Ruhestand versetzt
wurden, sollten von den Pfarrämtern dem
bischöflichen Museum überwiesen werden,
damit sie hier anständig untergebracht und
in sorgliche Pflege genommen, noch mög-
lichst lange erhalten bleiben und der knnst-
historischen Forschung und dem Unterricht
Dienste leisten können. Möge mit Grün-
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