Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

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vergoldetem Gitterwerk mit der Umschrift
Ecce panis angelorum schließt im Rund-
bogen ab, an den sich in den Zwickeln zwei
anbetende Engelknaben anschmiegen.

(Fortsetzung folgt.)

Die Airchenrestaurcttion in Glatt
(hohenzollern.)

(Schluß.)

Von Pfarrer Raible in Glatt.

Die Kirchenstühle bekamen neue mit
Karbolöl getränkte Lager; auf diese kam
ein größtentheils neuer Dielenboden. —
Außerhalb wurde, um alles Zufließen von
Grnndwasser vom Kirchendach aus zu ver-
hindern, diesein ein neues, wasserdichtes
Bett bereitet, in> Bereich der Kirche mit
den alten, in Zementmörtel verlegten Bo-
denplatten. Endlich wurde noch gegen
Ueberschwemmnngen von Seit-en des Baches,
dieses tückischen Feindes, der Kirchhof von
den drei bedrohten Seiten mit einer festen,
1 m hohen Schntzmauer ans Tuffsteinen
umschlossen, welche auch zugleich den Kirch-
hof ruhiger und reinlicher macht und
800 Mark kostete. So war das Mög-
lichste zur Trocknung der Kirche geschehen
und inan konnte nun ruhig zur weitere»
Ausschmückung schreiten. Dies geschah
im Jahre 1892. Zuerst mußten die alten
häßlichen Fenster mit gewöhnlichen Holz-
rahmen und Scheiben weichen und kunst-
gerechten Kirchenfensten Platz machen.
Der Auftrag wurde auf Empfehlung sach-
verständiger Rathgeber hin dem Herrn
Glasmaler Franz Emil Girant in Mün-
chen (Zenetlistraße 12 a) ertheilt und von
ihm bestens ansgeführt. Es kamen in
den Chor rechts und links vom Hochaltar
zwei prachtvolle Fignrenfenster, auf die
Epistelseite Mariä Verkündigung, unten
das Wappen Leo's XIII. nebst der In-
schrift: Eeone XIII. Pont. Max. Fr. E.
Gnant fec. Monachii anno 1892; ans
die Evangelienseite die Anbetung des
Christkindes durch die hl. drei Könige, unten
das Wappen Sr. K. Hoh. des Fürsten von
Hohenzollern als Stifters dieses Fensters
und die Widmnngsschrift: Eeopoldus

Prineeps de Hohenzollern donator 1892.
Ersteres Fenster war auf 900 Mark be-
rechnet; letzteres kam höher. In die süd-

liche Langseite des Chores kamen zwei
Teppich - Fenster mit je einem größeren
Medaillon in der Mitte, Eccehomo und
Herz Jesu, und kleineren Medaillons oben
und unten mit sinnbildlichen Darstellungen
der Passion und Eucharistie. Sämmtliche
Fignrentheile sind in Antikglas ansgeführt,
die Grisaille-Scheiben aber in Kathedral-
glas. Die zwei im Chore vorhanden ge-
wesenen, vor fünfzehn Jahren gemalten
Fenster, St. Joseph und St. Gallus, den
Kirchenpatron darstellend, nnbegreiflicher-
weise mit einer Renaissance-Architektur ver-
sehen, wurden in das Langhaus versetzt,
wo sie nun die Nebenaltäre vor der Sonne
schützen. Die übrigen Fenster des Schiffes
wurden mit Butzenscheiben hergestellt mit
breiten farbigen Bordüren, per Quadrat-
meter zu 32 Mark. An allen Fenstern
wölbt sich oben die Umfassungs-Bordüre —
anstatt des fehlenden steinernen Maaß-
werks — im gothischen Kleeblattbogen.
Zn sämmtlichen Fignrentheilen wurden so-
wohl die Skizzen als die Cartons vom
Kirchenvorstand einverlangt und vom Glas-
maler zur Prüfung vorher eingereicht.
Seine Gesammtrechnnng betrug 3330 Mark.

Jetzt erst konnte die malerische Ans-
sebmücknng erfolgen. Da wir hierin, wie
auch bei den Fenstern, nichts Mittel-
mäßiges , sondern wirklich Tüchtiges und
Dauerhaftes haben wollten, waren wir so-
wohl hinsichtlich des zu berufenden Malers
als des zu wählenden Malverfahrens be-
dächtig auf die Suche gegangen, hatten
uns Verschiedenes ans Reisen angesehen,
auch brieflich Manches von Sachverständigen
erfragt. Die Schöpfungen des Herrn
Historienmalers Ferdinand Kaltenbacher-
ans München (Theresienhöhe 18) in der
Kirche zu St. Chrisrina bei Ravensburg
befriedigten uns in hohem Grad und wir
setzten uns in Verbindung mit ihm. Es
ivnrde ihm der Auftrag ertheilt, den er
auch gewissenhaft und zu unserer vollsten
Zufriedenheit ansgeführt hat. In den
Chor an die nördliche Seilenwand in zwei
Bogenfelder malte er mit Kalkfarben auf
frischen Kalkverpntz zwei Rundbilder, Me-
daillons, Jesu Opferung im Teinpel und
das letzte Abendmahl, eigene Compositionen,
ersteres mit Führich'schen Reminiscenzen,
beide fein stndirt, zwei echte und rechte
Muster kirchlicher Wandmalerei. Ueber
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