Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

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mit Spruchbändern tragen, wodurch der
Chor an Feierlichkeit recht gewinnt. Das
Chorgestühl ist ein Werk des Altarbild-
hauers Peter Paul Hansch in Horb, der
es um den bescheidenen Preis von 1800
Mark lieferte. — Ans Ostern 1893 kamen
noch neue Kreuzweg-Stationenbilder, nach
Prof. Klein auf Leinwand in gesandetem
Goldgrund feta gemalt und reell ansge-
führt von den Kunstmalern Lessig und
Ranzinger in München (Schillerstr. 27)
um den Preis von ca. 670 Mark ein-
schließlich der Rahmen in Eichenholz. Diese
Bilder schmücken die Wände des Schiffes.

— Zu guter Letzt bekam diesen Sommer
die Kirche auch noch von außen durch
unseren Gypsermeister Zirn um 400 Mark
einen frischen Verputz in hellgelblichem
Tone, mit rother Fassung der Fenster,
Wasserschläge, Gesimse u. s. w. und brann-
rother Färbung des Sockels. So steht
nun das Gotteshaus auch von außen sauber
und würdig da in Mitte des Ortes.

4. Erfolg.

Dieser ist hinsichtlich der Trockenlegung
der Kirche jetzt schon ein vollkommener,
alle Erwartung übersteigender, und er
nimmt sichtlich immer noch zu. Nicht nur
zeigt sich nirgends mehr eine Spur von
Feuchtigkeit oder Salpeter, weder am Bo-
den noch an den Wänden, sondern es ist
auch eine ganz andere Luft und ein ganz
anderer Geschmack, wie die Leute sich ans-
drücken, in der Kirche, in der es sich nun
trocken, warm, leicht und angenehm lebt
und betet, auch zur feuchten und kalten
Jahreszeit, eine wahre Freude gegen früher!

— Das Tylolith war in den ersten zwei
Wintern noch in einer Art Gährung, in-
dem die Platten ein weißes Pulver —
Chlormagnesiumsalz — ans schwitzten nno
die erste schöne rothe Färbung einbüßten.
Sie wurden nun nochmals mit Glaspapier
abgeschliffen, mit warmem Leinöl getränkt
und dann mit Bernsteinlack gestrichen und
haben so ihre ursprüngliche schöne rothe
Marmorfarbe wieder bekommen. Der letzte
kalte Winter hat nur an einigen wenigen
nochmals Flecken erzeugt, die meisten haben
sich nicht mehr gerührt und sind unver-
ändert schön geblieben, und schließlich wer-
den es alle bleiben. Wir sind somit recht

wohl zufrieden mit diesem neuen Bau-
material, um so mehr, da die Platten sich
anfühlen wie Holz und die Wände warm
machen.

Hinsichtlich der Knnstleistnngen möge
nur hingewiesen sein ans die gute Farben-
harmonie im Innern und Aenßern der
Kirche, bei der die zwei Grundtöne roth
und gelb überall dnrchdringen und warm,
ruhig und wohlthnend wirken. Im klebri-
gen möge zur Kritik der Herr Redakteur
des „Archiv" selber das Wort ergreifen,
unter dessen Oberleitung das Werk ange-
fangen und durchgeführt wurde, der schließ-
lich auch wieder zur Prüfung und Benr-
theilnng des Geleisteten hierher zu kommen
die Güte gehabt und sein Urtheil in nach-
folgendem Gutachten znsammengefaßt hat:
„Der Unterzeichnete nahm heute Einsicht
von der im Lauf der letzten Jahre von
i Grund ans restaurirten Pfarrkirche von
! Glatt in Hohenzollern. Der Erfnnd ist
j folgender. Durch Anwendung der richtigen
j Gegenmittel ist es geltiitgen, die früher
ganz dnrchfetlchtete Kirche vollständig trocken
zu legen. Bewährt hat sich namentlich die
Cementirnng des Bodens im Innern, die
Legung eines Trottoirs außen rings um
die Kirche, die Umschließung des Kirchen-
platzes mit einer festeit Mauer gegen Ein-
dringen des vorbeifließenden Baches, die
Auskleidung der unteren Chorwände mit
Mettlacher Plättchen und der unteren
Wände des Langhauses mit Tylolith-
Platten. Die malerische Ausstattung des
Innern kann sowohl bezüglich des figür-
lichen wie des dekorativen Theils als sehr
wohlgelnitgen, geschmackvoll und ächt kirch-
lich bezeichnet werden. Namentlich wirkt
gtlt das große Nnndgemälde ans dem Pla-
fond des Schisses. Die nicht ganz ent-
sprechenden zwei Glasgemälde des Chores
wurden ins Schiss versetzt, wo sie weniger
stören. Im Chor kamen an ihre Stelle
zwei neue Glasgemälde im gothischen Stil,
sehr feine nnb delikate Arbeiten, ganz im
Geist und in der Technik der Alte» ge-
halten, musterhaft attsgeführt. Die Chor-
stühle mit den Reliefs der Apostel sind
tüchtige Werke, die zum Schmuck des Chores
beitragen. Die Gesammtwirkung der ganzen
Kirche ist nun eine durchaus wohlthuende
und harmonische. In einigem Contrast
zum klebrigen stehen nur noch die arm-
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