Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

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seligen Nebenaltäre und eine sehr plumpe,
stillose Kanzel. Sollte es gelingen, auch
diese Jnventarstncke noch durch enlsprechen-
dere zu ersetzen, so könnte die Pfarrkirche
von Glatt als ein rühmenswertes Beispiel
einer in allen Theilen gelungenen, umsich-
tig geleiteteil Kirchenrestauration angeführt
werden. Glatt, 25. Juni 1893. Pro-
fessor Dr. Keppler.

So erfreuen wir uns nunmehr mit
Dank gegen Gott einer trockenen, wü'di-
digen Kirche. Möge atich das noch Fehlende
bald kommen! Eine neue gothifche Kanzel
ist bereits dem Atelier Marmon in Sig-
maringen für 850 Mark in Auftrag ge-
geben, und atich die Nebenaltäre werden
wohl nickt allzulang auf sich warten lassen.
Das walte Gott!

Neue religiöse Aunstwerke.

Von dem auch in unserem Lande wohlbekannten
Historienmaler F e r d. Kal t en ba ch er in München
ist eine Compvsition im großen Stil jüngst durch
die rühuilichst bekannte Firma: Verlagsanstalt
für Kunst und Wissenschaft, vormals Bruckmann
in München, in vorzüglichem Lichtdruck verviel-
fältigt worden. Das Kunstblatt mißt 94 zu 69 cm;
Bildgröße 59 zu.44 cm. Die Unterschrift lautet:
Von Golgatha. Ein Zug von sechs Gestalten
bewegt sich vom steinigen, kaktusbewachsenen
Hügel herab nach der Stadt Jerusalem. Bereits
hat das Abenddunkel das Firmament verfinstert
uitd die Mauern Jerusalems iu tiefe Schatten
gehüllt; nur ein Wölkchen zu Häupten der Ge-
stalten hat noch einen leichten Anflug von Licht.
Das trübe Dunkel stimmt zu der Seelenstimmung
der Hauptpersonen. Da sehen wir vor Allem
die heilige Gottesmutter, welche Dornenkrone und
Nägel au ihre Brust drückt, die einzigen Erb-
stücke, welche sie vom Grab ihres Svhttes mit-
genommen, theure Erinnerungen an ihn, zugleich
schreckliche Folterwerkzeuge, welche ihrem Herzen
das Blut entpressen; ihr Schmerz ist abgrund-
tief, aber mit heroischer Kraft ins Innere ver-
schlossen, nur in leisem Weinen hervorqnellend.
Johatines führt sie, und so zerrissen auch sein
Herz ist, das Mitleid mit der Mutter und das
Bewußtsein, nach des Herrn Testament für sie
als Svhit sorgen zu müssen, verleiht ihm volle
Selbstbeherrschung; laß uns herabgehen tiach
Jerusalem, spricht er zu ihr, und würdige dich,
folgend der Weisung des Herrn, mein Heint als
das deinige anzusehen. Magdalena, welche ihnen
folgt, hat sich noch nicht loszureißen vermocht
vom Kreuzes- und Grabeshügel; ihr Antlitz
tvendet sich rücktvärts tind ihren verweinten Augen
folgen auch die ihrer bejahrten Begleiterin, von
welcher man nur das halbe Gesicht sieht. Den
Zug beschließen Joseph von Arimathäa und

Nikodemus, die in tiefem, sinnendem Ernst ein-
herschreitcn. Die Gesammtstimmung ist harmo-
nisch und ergreifend, das große Thema mit Ernst
ittid religiösem Gefühl durchgeführt. Der Preis
des Kunstblattes ist 15 M.

In dem schon mehrmals im Archiv rühmend
erwähnten Kun stv erlag vonI. Schmidt in
Florenz (Via Tvrnabuvni 1) sind zivei wei-
te r e En g e l Fi es o l e's in Knöfler'schen Farben-.
Holzschnitten edirt worden, in Format und Preis
den sechs früher erschienenen, im Archiv 1893
S. *8 ff. beschriebenen gleich. Der eine hat
lichtblaties Geivand, rolhe Stola und hält die
Arme über der Brust gekreuzt, das Antlitz zeigt
weiche, kiitdliche Züge; der andere hat ebenfalls
hellblaues Unterkleid, darüber grünen, rosa ge-
fütterten Mantel und spielt ans einer kleinen
Handorgel; sein Angesicht mit den lichten, wallen-
den Haaren ist vielleicht das schönste von allen;
es verbindet Lieblichkeit und Fröhlichkeit mit einem
überaus geistvollen und sinnigen Ausdruck. •—
Im gleichen Verlag und von den gleichen Meistern
sind noch folgende kleinere Reproduktionen von
Bildern Fiesole's erschienen: zwei Rundbilder
von 9 cm Durchmesser (Preis 1 M.): die Brust-
signr der Madonna und des St. Georg aus deni
Gerichtsbild, auf blauem, sternbesäetem Grund,
ferner das Emausbild in der Thürlünette des
Refektoriums von S. Marko (8:14 cm, Preis
1,20 M.) und St. Petrus Martyr, ebenfalls aus
einer Lünette (8:14 cm, Preis 1,20 M.). Alle
diese größeren und kleineren Kunstwerke sind in
jeder Hinsicht vollendet und von prächtigster
Farbenwirkung.

In Düsseldorf waren rvährend des Monats
Dezember zahlreiche Werke des Meisters religiöser
Malerei, Karl Müller, Professors und Direk-
tors der dortigen Kunstakademie, ansgestellt,
welcher seinem 1890 gestorbenen, ebenfalls um
die kirchliche Malerei verdienten Bruder Andreas
am 5. August 1898 im Tode nachfolgte. Manche
seiner hinterlassenen Werke sind noch verkäuflich.
Bei Ah m ann, D üsseld orf, erschien ein hübsch
ansgestatteter Katalog derselben, der namentlich
eine sehr schöne Wiedergabe des letzten Cartvns
des Meisters: Das Dogma von der Kirche, einer
sehr gedankentiefen Komposition, schmückt. Die
Einleitung bildet eine kurze Lebensgeschichte des-
selben.

Annoncen.

Sin Abendmahlbild,

älteres Gemälde, Größe ca. i,50 X (,00 m,

wird zu kaufen gesucht.

Vermittlung durch die Expedition des „Archiv
f. christl. Kunst".

Mit einer Kunftbeilage:
Sakrainentshans zu Meilderstadt.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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