Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

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die Lünette über dem Gehäuse: Gottvater
mit der Weltkugel, auf der Brust der
heilige Geist als Taube; oben rechts und
links Reiuhard's Ordensiusignieu: der Or-
den vom hl. Grab in Jerusalem (fünf
Kreuze), rechts der der hl. Katharina vom
Berg Sinai (Rad und Schwert), links der
von St. Jakob zu Compostella (Stab und
Muschel) ; unten am Kapitell das Familien-
wappeu. Das Sakrameutshaus dient jetzt,
gut restanrirt, als Behältniß für die heili-
gen Oele.

Einblick in die Sammlung Wirscher.

Von Pfarrer vr. Probst in Essendorf.

(Schluß des Artikels 1892 S. 4.)

In den vierziger Jahren bereiste Gallerie-
direktor Waagen in Berlin wiederholt
das südliche Deutschland und brachte da-
bei besonders den einheimischen Maler-
schnlen in Franken und Schwaben lebhafte
Sympathie entgegen. Im November 1842
weilte er in Stuttgart und stattete über die
Resultate seines Besuchs Bericht ab in
seinem Buch: Kunstwerke und Künstler in
Deutschland II S. 178. Stuttgart besaß
damals noch keine öffentliche Gemäldesamm-
lung; doch befandet! sich in der Bibliothek
eine Reihe von Werken, die mit Miniatüren
ausgestattet sind, darunter namentlich auch
von Zwiefalten und Weingarten, denen er
eine einläßliche Beachtung schenkte. *)

Die Tafelmalereien der schwäbischen
Meister waren nur vertreten durch die
Privatsammlung des Obertribnnalprokn-
rators Abel daselbst. Dieser Sammlung
widmete er lebhafte Aufmerksamkeit, notirte
auch die Orte, woher die einzelnen Stücke
stammten und schließt mit dem warmen
Wunsche, daß die Sammlung dem Lande
erhalten werde.

Im Jahr 1846 besuchte Waagen so-
dann F r e i b n r g und daselbst die Samm-
lung Hirsch er. Ueber den Bestand der-
selben zu jener Zeit stattete er Bericht ab
im „Kunstblatt" 1848 S. 237 und gibt
auch hier dem Wunsche Ausdruck, daß die
Sammlung für Deutschland und für die
Oeffentlichkeit erworben werden möchte.

Man darf wohl nicht erwarten, daß die
Zuweisungen der Gemälde an die verschie-
denen Meister, welche Waagen bei dieser

l. c. S. 183.

Gelegenheit gibt, in allweg sich bewährt
habe; denn seit fast einem halben Jahr-
hundert hat begreiflich auch die Knnstge-
schichte in Schwaben Fortschritte gemacht,
von denen selbst die bestunterrichteten Kunst-
kenner früherer Zeit keine Kenntniß haben
konnten; aber auch hier bleibt Waagen
dem Grundsätze treu, daß er sich ancb um
die örtliche Herkunft der einzel-
n e n G e m ä l d e bekümmerte und die Namen
der einzelnen Ortschaften, soweit möglich,
aufzeichnete. Wir geben deshalb zunächst
einen abgekürzten Auszug ans der Ab-
handlung Waagens über die Sammlung
Hirsch er und fügen einige weitere Be-
merkungen hinzu, die uns sachdienlich er-
scheinen.

1) Dem Bartholomäus Z e i t b l o m
weist Waagen zu: die Rückseite der Prä-
della des Altars von Esch ach, OA. Gail-
dorf, mit zwei Engeln und mit dem Veronika-
bilde. Er bemerkt dazu, daß dieses Bild
die hohe Achtung, die er vor dem Meister
zuvor schon gehabt habe, noch gesteigert
habe. Dasselbe befindet sich, wie die ganze
Sammlung, die im Nachfolgenden beschrie-
ben ist, jetzt in Berlin, war aber zu der
Ausstellung in Ulm 1877 durch Vermitt-
lung des damaligen Kronprinzen Friedrich
übersandt worden und zog die Aufmerk-
samkeit auch dadurch ans sich, daß dasselbe
durch Restauration nicht berührt wurde,
was beiden anderen Gemälden des Eschacher
Altars nicht zutrifft. Sodann wird eine
Mutter Anna erwähnt, die nach Grüneisen
und Manch (Ulmer Kunstleben S. 47)
aus einer Kirche der Gegend von Ell-
wangen stammte und ferner noch ein
hl. Petrus ohne Angabe des Fundorts.

2) Dem Hans Burgkmaier wird
zugetheilt: eine Beweinung Christi ohne
nähere Angabe des Fundorts.

3) Sodann werden eine Reihe von Ge-
mälden dem Hans Holbein dem Jüngeren zu-
gewiesen. Hier ist aber unterdessen B e r » h a r d
Striegel von Memmingen als der wirk-
liche Urheber ermittelt worden. Wir ver-
weisen darüber, sowie über die Fundorte
der Gemälde dieses Meisters, die haupt-
sächlich in die Sammlung Hirscher, aber
auch nach anderwärts gekommen sind, auf
unsere frühere Mittheilnng im Jahrgang
1892 S. 4.

4) Dem Martin Schaffner werden
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