Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

Seite: 17
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Archiv für christliche Runst.

Organ des Rottenburger DiözesanOereins für christliche Kunst.

perausgegeben und redigirt von Professor Dr. Keppler in Tübingen.

Verlag des Rotteuburger Diözesan-Auustvereins, für denselben: der Vorstand Professor Dr. Aeppler.

Dr. 3.

Erscheint monatlich einmal. Halbjährlich für Ji 2.05 durch die württembergischen (Ji 1.90
im Stuttgarter Bestellbezirk), Ji 2.20 durch die bayerischen und die Reichspostanstalten,
fl. 1.27 in Oesterreich, Frcs. 3.40 in der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden
auch angenommen von allen Buchhandlungen, sowie gegen Einsendung des Betrags direkt
von der Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, Urbansstraße 94, zum
Preise von Ji 2.05 halbjährlich.

1894.

Die Bemalung unserer Kirchen.

Fast vom Anfang seines Bestehens an
ließ sich der Kunstverein der Diözese Rot-
tenburg die Pflege der monumentalen Ma-
lerei angelegen sein. Ihr ist gewidmet
eine seiner ersten Vereinsgabe», die Bro-
schüre : Beiträge zur Wiederbele-
bung der m 0 n u m e n t a l e n M a l e r e i
(Stuttgart, Metzler, 1860), welche in
weiten Kreisen das Interesse für die Sache
weckte und namentlich die geschichtliche
Seite der Frage eingehend unter Beibrin-
gung des damals bekannten Materials be-
handelte. Der selige Vereinsvorstand und
Redakteur des Archivs, Prälat Dr. Schwarz,
nahm gleich im zweiten Jahrgang unserer
Zeitschrift dieses Kapitel wieder in An-
griff in acht Artikeln (1884 Nr. 1 fl.),
welche die Geschichte, die Technik und die
Grundgesetze kirchlicher Wandmalerei vor-
führen; diesen Artikeln schlossen sich an
dreizehn weitere (1885 Nr. 5 ff., 1886
Nr. 1 ff.), welche in der Schule Giotto's
die Musterschule figürlicher Kirchenmalerei
und sieben weitere, welche in Fiesole den
unerreichten Meister, besonders der Wand-
malerei, auszeigten. Auch sonst ziehen
sich durch alle Jahrgänge des „Kircheu-
schmucks" und seines Nachfolgers, des
Archivs, gelegentliche Notizen und Aus-
sätze über wieder aufgedeckte alte Wand-
malereien und Winke für die Neubema-
lung unserer Kirchen hindurch.

Es sind einmal gewisse Lücken in den
vorbenannten Aufsätzen, sodann einzelne
neu gewonnene, oder vielmehr den Alten
wieder abgewonnene Gesichtspunkte, end-
lich insbesondere die zum Theil recht trau-
rigen Erfahrungen, die wir mit den seit
drei Decennien wieder aufgenommenen
Versuchen der Kirchenbemalung gemacht
haben, welche eine abermalige zusammen-
fassende Behandlung der ganzen hochwich-

tigen Frage wünschenswerth erscheinen
lassen. Dabei kann der klassische Artikel
Pein tu re im siebenten Bande des Dic-
tionnaire raisonne de l’Archi-
tecture von Viollet-le-Dnc, wel-
cher dem Studium aller Betheiligten wohl
zu empfehlen ist, heute noch gute Dienste
leisten. Von Werth sind ferner die Ar-
tikel von Stephan Beissel und Fried-
rich Stummel „Die Farbengebung
bei Ausmalung der Kirchen" in
der „Zeitschrift für christliche
Kunst'", Jahrgang 1 S. 163 ff. und
S. 303 ss. Sodann erschien im vorigen
Jahr von Joh. Kuhu, Pfarrer in
Mainaschaff, eine 61 Seiten starke Bro-
schüre: „Ueber die Bemalung der
Kirchen". Sachgemäße Winke für Kir-
chenvorstände, Behörden und ausübende
Künstler (Würzbnrg,Wörl; Preis 1 Mark),
welche alle Berücksichtigung verdient. Ihr
Verfasser zeigt große Belesenheit in allen
einschlägigen Schriften und verfolgt, wie
wir, direkt praktische Zwecke. Wir können
unseren Betrachtungen zugleich eine Be-
sprechung dieser Broschüre einverweben,
welche sich theils zustimmend, theils ab-
lehnend zu derselben stellen wird.

Unsere Ausgabe läßt sich dadurch ziem-
lich vereinfachen und einschränken, daß
wir Eine Seite der Frage, die rein hi-
storische, unbesprochen lassen. Wir können
uns der Mühe entheben, dafür einen ein-
gehenden Beweis zu erbringe», daß nicht
bloß das Mittelalter, sondern auch die
altchristliche Kunst und das klassische Alter-
thum, bis hinaus zu der ältesten Kunst,
welche wir kennen, der ägyptischen, die
Architektur (wie die Skulptur) polychro-
mirt hat und zwar nicht in halben und
gebrochenen, sondern in ganzen und vollen
Tönen. Diese Ueberzengung, gegen welche
man sich lange genug sträubte, kann hentzutag
als etwas allgemein Zugestandenes, wei-
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