Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

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feite des Kreuzfußes prangt (er ist soviel
wir wissen, der Vater des aus Weilder-
stadt stammenden Bischofs Gall von Linz),
hat es für seine Pfarrkirche fertigen lassen,
lieber einen hölzernen Kern zieht sich, den-
selben vollständig überkleidend, die seine
Silberplattirnng und zwar glatt an den

breiten Flächen der Kreuzbalken, an den
Schmalseiten mit einem feinen ausgeprägten
Dessin verziert. Die oberen Dreipaßenden
setzen zartes, gestanztes Ornament an;
auch die Ueberschrift, von geschwungenen
Linien umrahmt, scheint Prägearbeit zu
sein. Der gegossene, prachtvoll ciselirte

Christuskörper aus massivem Silber zeigt
die ganze Gliederfülle der Renaissance und
einen Adel der Gestalt, über den alle Miß-
handlungen und Todesqualen nichts ver-
mocht haben. Soeben ist das „Es ist voll-
bracht" verklungen, tiefen süßen Frieden
auf dem erhabenen Antlitz des göttlichen
Dulders znrücklassend. Der Kreuzesfuß
weist reichste Gesimsgliederung in vielfach
gebrochenen Linien auf; der Wechsel von
vor- und zurücktretenden Theilen ist hier
besonders wirksam. Die Pünktlichkeit, mit
der die Silberplattirnng den Simsgliedern
sich anschmiegt und gleichsam angewachsen
ist, verdient Bewunderung. Einen origi-
nellen Schmuck des Fußes bilden die zwei
prächtig ornamentirten silbernen Ansae.
Aber auch ohne Silberschmnck, ja ohne
jede Verzirung, nur allein mit Beibehal-
tung der schönen Linien, namentlich des
Fußes hergestellt und mit einem metallenen
Kruzifixus versehen, den man bei Dnff-
renoy in Straßburg (Münstergasse) schon
um 3,50 M., freilich nicht ganz so schön,
aber immerhin würdig beziehen kann: so
schon würde dieses Kruzifix, in einer Höhe
von etwa 50 cm eine wahrhaft monu-
mentale Zimmerzierde darstellen gegenüber
gewissen fragwürdigen Fabrikaten, die schön
vergoldet, unter Glasglocken geborgen, ans
Kästen und Consolen herumstehen.

E. K e p p l e r.

Sin Beitrag zur Geschichte der Kirchen-
baukunst im Mittelalter

von Theodor Schön.

Der große Reichlhum unseres Schwabenlandes
an tüchtigen Banmeistern während des ganzen
Mittelalters tritt immer mehr zu Tage. Die
Liste der „Steinmetzen" oder „Bildhauer" erfährt
von Jahr zu Jahr eine nicht unbeträchtliche
Vermehrung, wie man auch immer besser über
die Lebensverhältnisse der einzelnen Künstler
unterrichtet wird. Bisher war bekannt, daß die
Wirksamkeit Moritz Ensinger's als Baumeister
des lllmer Münsters mit dem Jahre 1478 zu
Ende ging. Nun findet sich aber im Bürger-
aufnahmebuch im Konstanzer Stadtarchiv folgen-
der Eintrag: »Itein Naister Moritz Entzinger,
Steinmetz von Ulm ist burger worden vnd
ist im geschenckt worden. Iuravit. Factum
quarta post Michahelem 1477.« Er hatte sich
also nach derjenigen Stadt gewandt, wo auch
sein Bruder Vincenz 1459—1487 thätig war.
Daß er später nach Basel ging, ist bekannt.

Etwas später erscheint in Konstanz ein an-
derer lllmer Künstler. Im Bürgeraufsagebuch
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