Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

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Aus dem Umstand, daß auf der ob-i
genannten Quittung von 1668 als Eltern
zuerst Martin und dann der ohne Zweifel
jüngere Albrecht (er hatte in W. nur den
Hosdienertisch und sollte nach Martins
event. Tod für ihn ganz eintreten) ge-
nannt werden und von den Söhnen zuerst
Giulio, der seine Ausbildung vermuthlich
im Welschland ermatten oder dort wenig-
stens zeitweilig gearbeitet und seinen Namen
italienisirt hatte, und dann erst Julius unter-
schreiben, wird der Schluß nicht zu ge-
wagt sein, daß ersterer der Sohn Martins,
letzterer der Sohn Albrechts ist. Damit
ergäbe sich folgender Stammbaum:

Martin „Barbierer Albrecht Balbierer,

v. Rueffle" stellvertretender Werkmeister

Werkmeister in Weis- in Weissenau.

senan 1627—1631. .--

- —-— 1) Julius „Balbierer b. Raffle"

Giulio Barbiero. 2) Doniinikns „Balbierer v. Roffle" !

3) Petrus „Balbierer v. Roffle"

1660 in Jsny, nicht schon 1635.

In dem Weissenauer Bangeding heißt
die Heimath der Barbierer „Rnesfle im
Sachsserthal", in den Jsnyer Jtachrichten
Rnfle (Nosfle) bei Bregenz. Aber weder
im Bregenzerwald, noch in Tyrol oder der
Schweif gibt es einen Ort, beziehungs-
weise ein Thal dieses Namens. Dieser
hat seinen Namen gänzlich, jener wenig-
stens theilweise geäildert. Der Wortstamm
ist zweifelsohne romanisch »nd bedeutet
Schlucht. Lailt gefälliger Miltheilnng Herrn
Pfeiffers wäre am ehesten Roffna, Theil- !
gemeinde von Tinzen im Thal Oberhalb-
stein (romanisch 3ur 5ei83a — 8upra
ZLxum, Stein — SaxJ als Heimath der
Barbierer anznsprechen. Anders wäre es
freilich, wenn, worüber noch Nachforschung
angestellt werden wird, in alten Jsnyer
Originalakten „Rnfle" (Rosste) mit der
näheren Bestimmung „bei Bregenz" anf-
geführt würde.

Während die Akten über das prächtige
Chorgestühl leider nichts enthalten/) geben
sie über den gleichfalls noch stehenden
Hochaltar reichliche, bis jetzt anderswo,
so im Stuttgarter Archiv, vergeblich ge-
suchte Aufschlüsse.

Abt Johann Christoph Härtlin schließt
den 29. Dezember 1628 „mit dem vor-
nemben und kunstreichen Meister Chri-
stian Stainmüller (Steinmüller),

9 S. meine Beschreibung ci. a. O. (Brochure
S. 20).

4 —

l Maler und Bürger zu Augsburg" einen
Vertrag über das binnen Jahresfrist um
600 fl. zu liefernde, 20 m hohe, 12 m breite
Hochaltarblatt.H Es stellt als Haupt-
gegenstand im Vordergrund den Abschied
der Apostel Petrus und Panlns (Patrone
der Kirche und Abtei) vor ihrer Hinrichtung,
im Hintergrund in kleineren Figuren diese
selbst dar: links in der Ebene am Wege
nach Ostia wird der hl. Paulus enthauptet
und entspringen, wo sein Haupt ansschlägt,
die 3 Qtlellen, rechts oben ans einem Hügel
wird Petrus gekreuzigt. Die zur Eskorte
beorderten Reiter — darunter prächtige
Köpfe — tragen noch mittelalterliche Eisen-
rüstnng. Die Composition ist einfach und
klar, Zeichnung und Kolorit vortrefflich.
Der Altarban selbst wurde den 7. März
1631 an Schreinermeister Jakob H o r n u n g
von Engstetten unter dem löbl. Kloster
Roggenbnrg, soweit er Schreinerarbeit be-
traf, nach dem ihm beim Accord vorgeleg-
ten Riß verdingt. Der Meister solle hie-
für baar nach Vollendung der Arbeit oder
successive 160 fl., Kost und Trunk (er
1V2 Maß, die Gesellen 1 Maß Wein)
und Arbeitslokal, sowie das nöthige Holz
(zur Arbeit) erhalten und ihm das Hand-
werkszeug ab Meiningen nach Weissenau
durch das Kloster geführt werden?)

Wann die Bildhauerarbeit für den Hoch-
altar begonnen worden, läßt sich ans den

0 Steinmiiller, Sohn eines Goldschmieds und
Malers, der sich 1616 in Augsburg niederließ,
erhielt nach Naglers allgemeinem Kunstlexikon
den ersten Unterricht von seinem Vater, kam dann
zu Hans Krümper in München und vollendete
seine Ansbildung in Italien, namentlich in Rom.
Etliche Jahre darauf ließ er sich iu Augsburg
nieder, gieng aber wegen Differenzen mit der
dortigen Zunft nach Wien, wo er als Hofmaler
um 1660 starb. Steinmüllers Siegel zeigt in
quergetheiltem Schild oben ein halbes, in der
erhobenen Rechten einen Zirkel haltendes Männ-
chen, unten anscheinend einen Vollmond zwischen
3 (2,1) Sternen. — Nachdem das Bild im Laufe
der Zeit sehr gelitten, wurde es jüngst von
Maler Knöpf!er aus München sehr geschickt
und diskret restaurirt; der ursprüngliche goldene
Ton des Kolorits ist ihm iu glücklichster Weise
zurückgegeben.

2) Konzept und ausgeschnittener Verdingzettel,
worauf die Verrechnungen eingetragen (7 März
1631 bis 2. Juli 1635). Im Jahre 1634,
„nachdem der Schwed am 27. Januar ein-
gefallen", erhält der Meister 30 fl., später im
gleichen Jahre nur 5 fl., 3 fl. und noch 4 fl. 16 kr.
in Wein.
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