Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

Seite: 36
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lichen zehn Spottblättern gegen das Papstlhum
dein Künstler die Anleitung bis in's Einzelne
gegeben habe. Er meiirt aber Cranach diese
Blätter aberkennen zu müssen, so sehr es ihn
freuen würde, hier wirklich einer engeren künst-
lerischen Fühlung Luthers mit Cranach zu be-
gegnen (!). Bis hieher wird man dem Verfasser
fast in allen Hauptthesen zustimmen können.
Man wird nur die Opposition Luthers gegen
die Bilderstürmer etwas kraftlos finden, nament-
lich iveil er eigentlich den Obrigkeiten eineir förm-
lichen Freibrief für den Jkonoklasmus ausstellt.
Sodann wünschte man eine rückhaltlosere Ver-
urtheilnng jener polemisch-unflätigen Kunst; es
kann auch die zugestandene Mitschuld Luthers
an derselben nicht einfach mit der Bemerkung j
gedeckt werden, daß kathvlischerseits ein ähnlicher
Kunstmißbrauch getrieben worden sei; wer an-
fieng und wer am meisten die Grenzen des An-
stands überschritt, kann hier nicht zweifelhaft
sein und ist für die Beurtheilung entscheidend.
Der lebte Abschnitt des Buches will die tieferen
Gründe vorführen, warum die Reformation der
Kunst hindernd in ben Weg trat, aber nicht etiva !
sie allein, sondern der ganze danialige Zeitgeist. !
Es sei hauptsächlich der pedantische Gelehrten-
stolz, welcher von der Renaissance an die Kunst
gemeistert, sie mit doktrinärem Stoff überfüttert
und in Aufgaben hineingehetzt habe, welche ihren
inneren Gesetzen zrnvider seien. An dieser Aus-
führung ist etwas Wahres; aber sie ist unge-
nügend zur Erklärung dessen, tvas erklärt bezw.
gerechtfertigt werden soll. Hier wären noch ganz
andere Momente zu berücksichtigen. Plausibler
ist das, was der Verfasser über den ganzen
Entwicklungsgang Luthers sagt, um begreiflich
zu machen, daß bei ihm der Kunstsinn unent-
wickelt unb stumpf blieb. In Einen: Punkt geben
wir dem Verfasser vollständig Recht: Die Refor-
mation ist nicht allein schuld am Niedergang
der Kunst; aber auch nicht die Renaissance allein,
auf welche der Verfasser abladen zu wollen scheint
und deren Schnldtheil auch von Janssen zu hoch
angesetzt wird.

Lukas Ritter v o n F ü h r i ch' s aus-
gewählte Schriften. Herausg. unb
mit einer einleitenden Biographie versehen
von H. v. W örndle. Stuttgart, Joseph
Roth 1894. XXXVII u. 87 S.

Eine überaus anmuthige und zugleich lehr-
reiche Lektüre. Lukas v. Führich ist der Sohn
des hochberühmten Meisters der christlichen Kunst
Joseph von Führich. Er hatte vom Vater eine
reiche künstlerische Ader geerbt, aber der Vater
selbst lvar es, welcher ihm die künstlerische Lauf-
bahn ernstlich ividerrieth. Schweren Herzens
aber folgsam entsagte der Sohn, studirle Juris-
prudenz, wurde dann ins Kultusministerium
nach Wien berufen und stieg hier bis zum
Ministerialrath auf. Er starb am 29. Januar
t892. Die warm geschriebene Biographie zeich-
net ihn als ächtkatholischen, reichtalentirten unb
gemüthstiefen Mann, mit welchem man gern
nähere Bekanntschaft macht. Seine Mnßezeit
benützte er dazu, um der religiösen Kunst wenig-

stens mit seinen Ideen und seiner Feder zu
dienen. Und so beschenkt er uns einmal mit
vortrefflich geschriebenen Reminiscenzen aus
seinem Vaterhaus, welche die Gestalt Joseph von
Führich's uns überaus nahe bringen, dann mit
einen: gedankenreichen Essai über das Verhält-
niß der kirchlichen Baukunst zu den bildenden
Künsten, in manchen Ideen und im Stil mit-
unter an die Gedanken und die Schreibweise des
Vaters erinnernd, ferner nüt werthvvllen Notizen
über Ludwig Richter und Carl Madjera. Da-
zwischen fügen sich ein hübsche feuillelonistische
Skizzen über den Weihnachtsmann von Moritz
von Schwind, den der Zeitgeist im Handumdrehen-
konfessionslos, znm „hausirenden Bändeljuden"
machte, und über den Krönungsdon: zu Rheims.
Ein Anhang Gedichte bezeugt eine nicht un-
bedeutende poetische Anlage des Verstorbenen.
Für alle diese lieblichen Gaben weiß man dein Her-
ausgeber, Historienmaler Heinrich von Wörndle,
wie dem Verleger Dank; der letztere hat das
Seine gethan, um durch guten Druck und sorg-
fältige Ausstattung sie noch besonders zu em-
pfehlen. —

Von der Kunstanstalt von Benziger in
Einsiedeln liegt uns eine reiche Serie von
Kommunion-Andenken vor, schöne poly-
chromirte Bilder von Kleinquart und Oktav an
bis zu Großfolio, in allen Preislagen, im
strengeren und freieren gothischen und im Re-
naissancestil, durchweg höchst achtungswerthe Leist-
ungen , znn: Theil großartige, gedankenreiche
Kompositionen. Zeichnung und Pvlychrvmierung,
Figürliches und Umrahmung läßt auf vielen
Blättern kann: etwas zu wünschen übrig; be-
sonders die Feinheit der Farbengebung setzt bei
einigen Bildern in freudiges Erstaunen. Mit
j großer Genugthuung sieht :nan hier, welch ge-
j waltige Fortschritte man in diesen: Punkte gegen
j früher geinacht hat. Das sind in der Thal
! Bilder, welche das Familienzimmer auf's würdigste
i schmücken und geeignet sind, die Erinnerung an
den großen Tag in: Leben frisch und wirksam
zu erhalten. Den Kommunionbilbern reiht sich
an ein Andenken an die erste heilige Beicht in
Duodez und in Großoktav (Aufnahme des ver-
lorenen Sohnes), ferner eine Gedenktafel zur
' Einzeichnung des Tages der ersten Beicht, der
j Firmung und der ersten Kommunion; nur bei
! letzterer Tafel könnte die gothische Architektur-
! Umrahmung einige Bedenken Hervorrufen, wie-
i wohl sie im ganzen immer noch erträglich ist.

Wiederholt machen wir anfinerksan: auf die
H e i l i g ö l g e f ä s s e ans Aluminium, welche
silbernen und vergoldeten weit vorznziehen sind,
weil gegen den Grünspan absolut gesichert. Gegen
letzteren bietet auch die beste Vergoldung keine
volle Garantie. Dagegen haben zahlreiche und
durch längere Zeit fortgesetzte Experimente er-
geben, daß das obengenannte Metall den: Grün-
span ganz unzugänglich ist. Oelgefüsse aus Alumi-
nium sind vorrüthig bei Ballmann in Stuttgart.

Ulit einer Unnstbeilage:
Monstranz.

Stuttgart. Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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