Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

Seite: 38
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Feuchtigkeit. Wir sagen gewiß nicht
zu viel, wenn wir ein gutes Drittel un-
serer Kirchen für vom Salpeter inficirt
erklären, theils im ganzen Manerwerk,
theils im Gemäuer der Nordseite, theils,
was am häufigsten vorkommt, in den un-
teren Manerschichten bis ans 2—3 m
Höhe. Am trockensten sind nach unserer
Erfahrung die Kirchen des 17. und 18.
Jahrhunderts; am feuchtesten altgothische
Kirchen, wenn der Boden rings um sie
herum beständig gewachsen ist und nie ab-
gehoben wurde. Auch neue Bauten finden wir
nicht selten vom Salpeter angefressen und im
günstigsten Fall brauchen unsere Neubauten
2—3 Jahre, bis sie ganz ansgetrocknet sind.

Kann man nun diesem Feinde nicht
wirksam entgegentreten? Gewiß läßt sich
hier vieles thnn. Nicht selten ist es mög-
lich, die Hanptnrsachen, welche sein Ein-
dringen herbeiführten oder begünstigten, zu
entdecken und zu heben. Er kann von
oben in den Ban eingedrnngen sein, durch
die Lücken eines schadhaften Dachwerks
oder schlecht schließende Fenster. Er kann
durch feuchte Niederschläge im Innern sich
an den Wänden festgesetzt haben, in Kir-
chen, welche gar nicht oder mangelhaft ge-
lüftet werden. Hier ist es nicht schwer,
zu helfen. Es können einzelne schlechte
Steine im Manerwerk sitzen, welche wahre
Sangschwämme der Feuchtigkeit sind und
auch die andern anstecken, wenn sie nicht
ansgewechselt werden; auch hier ist die
Abhilfe leicht. Schwieriger schon liegt die
Sache, wenn die Nässe ans den Funda-
menten anssteigt und weit heraus die Wände
dnrchsickert. Doch wird auch hier oftmals
durch Abgraben des Bodens um die Kirche,
gute Ableitung des Dachwassers, Legung
eines Cementtrottoirs rings um die Kirche,
Ziehung von Gräben und Sickerdohlen und
ähnliche Vorkehrungen das Nebel, wenn
nicht ganz beseitigt, so doch vermindert
werden können. Nur vergesse man nie,
daß solche Maßregeln durchaus nicht im
Stande sind, in kurzer Zeit eine feuchte
Kirche in eine trockene zu verwandeln,
sondern daß int günstigsten Fall diese gute
Wirkung nach einigen Jahren erreicht sein
kann; man dürfte also nie die Bemalung
einer Kirche unmittelbar oder nach kurzer
Zeit ans die Vornahme solcher Entfench-
tnngsversnche folgen lassen.

Gibt es nicht noch direktere Mittel,
um die Innenwände und deren Bemalung
gegen Feuchtigkeit zu schützen, um den
Feind auch da, wo er bereits von einem
Ban Besitz ergriffen hat, zu bannen und
unschädlich zu machen? Es fehlt nicht an
solchen Mitteln, aber jedes hat sein Aber
und keines führt ganz zum gewünschten
Ziel. Mair hat schon die Malflächen mit
Damarfirniß überzogen, welcher die Ober-
fläche trocken erhält und wirklich eine
Malerei oft längere Zeit zu conserviren
vermag; oder man bedient sich für Be-
malnng der unteren Wandtheile der Oel-
sarbe, welche über die Wandfläche eine
Art Epidermis, eine Haut zieht, die
ans feuchten Wänden sich lange erhält.
Aber da durch beide Vorkehrungen der
Feind nicht vertrieben, sondern mtr ins
Innere der Mauer znrückgeschlagen wird,
so setzt er hier seine verheerende Thätig-
keit fort, und wenn er Kraft genug ge-
sammelt hat, bricht er mit elementarer
Gewalt wieder hervor uub zerstört alles.
Feuchte Wände behandelt man gern mit
Asphalt; man schlägt den ganzen Ver-
putz und auch nod; die Oberfläche des
Gesteines ab und trägt eine Lage As-
phalt ans; da diese keinen Mörtelver-
pntz annimmt und trägt, so muß sie zu-
nächst mit Cement angespritzt werden; ans
dem Cement hält dann ein Malpntz. Oder
man hat diese Wandtheile auch schon mit
gebrannten Cementplättchen ansgelegt,
welche jeder Feuchtigkeit widerstehen und
deren Farbe und Dessin in den Bemalungs-
plan einbezogen werden können, oder nene-
stens auch mit Lylolithplatten, welchen die
Feuchtigkeit ebenfalls nichts anhaben kann.
Oder man hat die Wände ans 2—3 m Höhe
mit Holzvertäfernngen umzogen; diese Ver-
kleidung kann mit dem Gestühl gut ge-
stimmt werden und gibt einer Kirche den
Eindruck des Warmen und Wohnlichen;
sie muß aber im Interesse eigener Er-
haltung in einer kleinen Distanz von der
Mauer angebracht und reichlich mit Luft-
löchern versehen werden, damit die Luft
dnrchspielen uub die Feuchtigkeit nicht ans
der Mauer sich ins Holz verpflanzen kann.
Die ganz hermetische Abschließnng der
Mauern mittelst Cementplatten oder ücylo-
lithtafeln oder mittelst Asphaltirnng ist aller-
dings Ult Stande, diese unteren Wand-
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