Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

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ob

germanischen Museums zu Nürnberg rc.", S. 5)
nicht als Formschneider, sondern als Holzbild-
hauer anzusehen sein (?). Der schon mehr sagen-
hafte Ludwig ze Ul in nicht zu vergessen, von
welchem eine der ersten deutschen noch xylogra-
phisch mit Figuren gedruckten Uebersetzungeu der
ars moriendi1) (um 1472 ?) herrührt und aus
welchem dann ans Grund einer allerdings nicht so
ferne gelegenen Vermuthuug Heineckens der be-
kannte Polyhistor Georg Wilhelnr Zapf (in seiner
Schrift über eine höchst seltene Ausgabe, der ars
moriendi, Augsburg bei Stage, 1806) inxb nach
ihm Häßler (a. a. O., S. 53—65) etwas willkür-
lich und kurzweg rasch ohne Weiteres den Lud-
wig (v.) Hohenwang, der Knnslschriftsteller Joh.
Rudolf Fußli (in seinem „AllgemeinenKünstler-
lexikon", II, 1077) aber gar den Erfinder der
Bnchdrnckerkunst gemacht haben. (Forts, folgt.)

Neues zur Baugeschichte der jDrämou-
stratenserabtei lVeissenau und ihrer Airche.

Von Pfarrer K. A. Busl in Höchberg.

(Nachträge.)

Zu Nr. 4, S. 34. Die dort in Aussicht ge-
stellten, von Herrn vr. Karl Ehrte gütigst
vorgenommenen Nachforschungen in den Bau-
akten der ehemaligen Benediktinerkirche in Jsny
haben ergeben, daß die Heimath der Barbierer
„Rüffle", auch „Roffle" geschrieben wird. „Bei
Bregenz" oder „aus dein Bregenzschen" scheint
Herrn Di-. Chile ein späterer Zusatz zu fein,
welcher deshalb für die Feststellung der Lage
des Orts nur von untergeordneter Bedeutung
ist. Die Schreiblveise des Baumeisternamens ist
eine verschiedene. Im Bauakkord vom 1. Juli
1660: „Julius Balbere", am 16. September
1671 „Julius Balbere", endlich: Datum Rüffle
den 27. Januar 1676, „Julius Barbere, Maurer-
meister."

Abgesehen davon, daß die Bemerkung in den
Jsnyer Bauakten „aus Bregenz" als ein spä-
terer Zusatz erscheint, ist sie für die Frage von
der Heimath der Barbierer überhaupt nicht von
Geivicht. Glieder der Familie können immerhin
sich in Bregenz oder Umgegend aufgehalten
haben, aber ihre Wiege stand eben im anscheinend
verschollenen „Sachsserthal". Es darf indessen
die Hoffnung iiicht anfgegeben iverdeil, daß mit
der Zeit doch noch mit Sicherheit nachgewiesen
werden kann, welches Thal seiner Zeit diesen Na-
men führte. Bis dahin hat die Pfeiffer'sche
Hypothese vom Thal Oberhalbstein immer noch
das Meiste für sich.

S. 34, Sp. 2 lies „Fuß" statt m (Meter)
und „Memmingen" statt „Meiningen". S. 35,
Sp. 2 „Bartholomäus" statt „Michael". Die
Schreinerarbeit am Hochaltar war allerdings nur

*) Diese blos noch in der kgl. öffentlicheil
Bibliothek zu Stuttgart sowie früher in der
gräflich Pertnsatischen Bibliothek in Mailand
vorhandene (beidenorts aber nicht mehr ganz
vollständige) Schrift ist dnrchgehends deutsch;
sie besteht ans 24 Blättern, von welchen das erste
die Ueberschrift hat: „Versuchung des tüfels in
dem geloben"; die Abbildungen stehen rechts.

zu 160 fl. nebst Kost und Trunk an Hornung
verdingt, er empfing aber in der Folge nach
und nach erheblich mehr.

„lieber die „Wessobruuner Stukka-
torenschule Nr. 5, S. 42 geben nur noch
folgende Notizen: „Das Pflanzenwerk, beson-
ders die Acanthusranke ist hier noch vor-
herrschend ; an den Gelvölbegnrten tritt zlvar
das Bandlverk auf, aber nur leicht und in lveiten
Abständen verschlungen nnb mit vier Acanthns-
blätteru, Acanthusrosetten und großei: Blumen
gefüllt." — Franz Schmutzer ist der 1676 ge-
borene Sohn des Johannes Schmuzer, Ban-
ineisters und Stllkkators in Wessobrunn uild Bru-
der des 1683 geborenen, l 9. März 1752 gestorbeneil
Joseph Schmuzer, der gleichfalls sowohl als
Baumeister, >vie als Stnkkator erscheint (Heilig-
Krenzkirche in Donauwörth, im Schiff ähnlich
derjeiligen von Weingarten, Konvent nnb Prä-
latur iil Wessobrunn, Pfarrkirche iu Garmisch,
Ilmbau des Ettaler Münsters). Von Franz
Schmuzer sind die herrlichen Stukkaturen ail der
Sakristeidecke zu Obermarchthal (1701 — 1702);
später arbeitete er mit Diego Carlone und Anton
Corbellini an der Dekoration der Benediktiner-
kirche Weingarten (1715—1722) und starb den
21. April 1741. (S. die reichhaltigen Abhand-
lungen voll Dr. Georg Hager, Bibliothekar und
Sekretär am bayerischeil Nationalmuseum: Die
Wessvbrunuer Stukkatorenschule, Beilage zur
„Allgem. Zeitung" 1893, Nr. 23, 24, 25 und
Zur Geschichte des Barock und Rokoko iu Bayern,
1894, Nr. 22.)

Aunsthistorische Fortsetzungswerke.

In den Jahren 1850—52 erschienen I. I.
Merlos Nachrichteil voll dem Leben lllld den
Werken kölnischer Künstler. Dieses mit großem
Fleiß und viel Sachkenntnis; gearbeitete Werk
gibt nun die rühmlichst bekannte Verlagshand-
lnng von L. S ch!v a il li in Düsseldorf neu
heraus unter dem Titel: Kölnische Künst-
ler iil alter und neuer Zeit. Den Text
haben E. Fi rm eni ch-Rich ar tz (Bonn) und
H. Kenßen (Köln) ergänzt, berichtigt und bis
ans die neueste Zeit weitergeführt. Die Bio-
graphien der Kölner Künstler (Architekten, Maler,
Sknlptoren, Kupferstecher, Pylvgraphen, Glocken-
gießer, Goldschmiede, Orgelbauer rc.) sind alpha-
betisch angereiht, geben genaue Notizen über
das Leben und das Kunstschaffen derselben und
Verzeichnisse aller ihrer einzelnen Werke. Sehr
werthvoll sind die eingeschalteten Bildtafeln und
zahlreichen Textillustrativnen. Hier ist besonders
berücksichtigt die kölnische Malerschule; aber auch
Bauten, Kupferstiche, Skulpturen, Werke der
Goldschmiedekunst und Glasmalerei werden in
sehr tüchtigen Wiedergaben zur Anschauung ge-
bracht. Das monumentale Werk ist bis zur
sechsten Lieferung und bis zum Buchstaben K
gediehen (Preis ä Lieferung 1,50 M.); es soll
in ca. 30 Lieferungen abgeschlossen sein. Die Be-
deutung Kölns für die Entwicklung der deutschen
Kunst ist eine so centrale und tiefgreifende, die
Fruchtbarkeit der ehrwürdigen Colonia Agrippina
an Meistern und Meisterwerken der Kunst eine
so reiche, daß das obige schöne Werk dem Kunst-
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