Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

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jetzt in der fg(. Handbibliothek zu Stuttgart auf*
bewahrter Psalter des Landgrafen Hermann von
Thüringen, an dessen Hofe der berühmte Wart-
burgkrieg gesungen worden sein soll, ans der
Zeit zwischen 1193 und 1216, „mit wenigen,
aber großen bhzantinisirenden, aber minder strenge
und zum Theil schon individualisirende Formen
zeigenden Bildern auf Goldgrund, unter denen die
Darstellung der Dreieinigkeit — Gott Vater, im
Mosaikentypus Christi, hält den Crucificus vor
sich und ist von einer regenbogenfarbigen Man-
dorla umgeben (Facsimile bei Tbom. Frognarck
Dibdin, a bibliograph. tour in France and
Germany, Soitbon, 1821, III, 159; ein Monat-
bild aus dem Kalender bei Weltmann a. a. O.,
I, 279, Fig. 28; zu vgl. weiter darüber Kug-
1 e r a. a. O. und dessen kleine Kunstschriften,
S. 69—74 ?c.: — eine vorzügliche Stelle ein-
nimmt." Dieser Codex gehört in jeder Bezieh-
nng zu den hervorragendsten seiner Epoche. Die
ersten 12 Blätter enthalten das Kalendarium;
bei jedein Monat zeigt ein Bild die auf densel-
ben bezüglichen Beschäftigungen und nebenbei
einen der 12 Apostel. Ganze Bilder, welche die
Seite vollkommen einnehmen, enthält der Codex
nur 4, nämlich die Taufe Christi, die Kreuzigung,
die Fahrt zur Bvrhölle und die Himmelfahrt.
Die Motive der Gewänder und der Ansdruck
der Köpfe sind trefflich. In der darauffolgenden
Litanei zeigen sich Heiligenbilder unb das Bild-
nis; des Landgrafen und seiner Gemahlin Sophie.
Ein besonderes vaterländisches Interesse gewährt
der namentlich für die Welfengeschichte wichtigen
Schenkungen vvm 10. bis zum Schluß des 13.
Jahrhunderts enthaltende, gleichfalls in der ge-
nannten Bibliothek befindliche, 1877 znm Tü-
binger Universitätsjubiläum im Druck heraus-
gegebene Codex traditionum Weingartensium
mit den Bildnissen der Aeble bis auf Konrad
v Wagenbach. Später unter den Aebten Jvhs.
v. Essendorf und Blarer v. Wartensee (1393 bis
1437) wurde die Bibliothek mit vielen liberi,
darunter gewiß auch gemalten, vermehrt (Heß
a. a. O, S. 161). Aus dem Benedtktinerklvster
Zwiefalten ist das monologinm des Abtes
Reinhard v. Munderkingen (ch 1232) nach-
gewiesen, dessen sehr interessante Zeichnungen
durch den pictor Mönch Wernherus daselbst ge-
fertigt wurden, wie sich aus den Beischriften zu
den zwei Figuren (ihren Bildnissen) auf dem
1. Blatt eines auf der öffentlichen Bibliothek in
Stuttgart befindlichen Zwiefalter Nekrologs er-
gibt. Ein für die Miniaturmalerei wichtiger,
aus dem 13. Jahrhundert, demselben Kloster
und von deutscher Hand stammender Codex ist
das Breviarium in usum fratrum Zwiefaltensium,
8° mit schönen Gouachemalereien, dessen erste
6 Blätter den Kalender mit den gemalten Himmels-
zeichcn zeigen. (Fortsetzung folgt.)

Literatur.

Spanien in Wort und Bild. Mit 157
Illustrationen und einer Karte von Spanien.
Würzburg, Leo Wörl, 1894. 606 S.
Großoktav. Preis 8 M., eleg. geb. 9 M.

Vortreffliche Federn . das Titelblatt nennt

als Mitarbeiter S. K. und K. H. Erzherzog
Ludwig Salvator Mons. Professor Dr. Graus,
Domkapitular Kirchberger, R. Freiherr von Bebra,
Mrs. Will. Threlfall — haben mit vereinten und
durch gute redaktionelle Oberleitung geeinten
Kräften den Text dieses Prachtwerkes geschaffen,
der in genauer und anschaulicher, dabei fließen-
der und unterhaltender Schilderung zuerst über
das Land im allgemeinen, dann über dessen
einzelne Provinzen orientirt. In unserem Organ
ist besonders hervorzuheben, daß die Kunst,
speziell die kirchliche Kunst Spaniens überall in
hervorragendem Maße berücksichtigt ist. Und ihr
kommt anch ein Großtheil der vorzüglichen Illu-
strationen zu gut, die in großer Zahl und nahezu
gleichmäßiger Güte, Schärfe und Feinheit das
ganze Werk durchziehen. Der Text und größten-
theils auch die Aufnahmen für diesen kunstge-
schichtlichen Theil hat Herr Professor Graus in
Graz besorgt, der Verfasser des früher in diesen
Blättern empfohlenen Büchleins: „Rundreise in
Spanien, ein Führer zu seinen Denkmälern/ ins-
besondere christlicher Kunst". Der Preis erscheint
mäßig in Anbetracht dessen, >vas geboten wird
und der noblen Ausstattung, in welcher es ge-
boten wird. Das Buch ivird rasch einen großen
Leser- und Freundeskreis um sich zu sammeln
wissen; es steht hoch über gewöhnlichen Reise-
büchern, denn es bietet anstatt subjektiv gefärbter
und voreilig gefaßter Urteile reiflich überlegte
und abgelvvgene, nicht rasch hingeworfene, son-
dern künstlerisch durchgeführte und ins Reine
gezeichnete Schilderungen, nicht Momentauf-
nahmen, sondern technisch vollendete Abbildungen,
kurz, es befriedigt alle Anforderungen und Wünsche
auch eines kundigen Lesers und macht der Ver-
lagshandlung alle Ehre. —

Wanderfahrten n u b Wallfahrte u
im Orteut. Von Dr. Paul Keppler.
Mit 106 Abbildungen, ein Plan der Kirche
des hl. Grabes und zwei Karten. Frei-
burg, Herder 1894. 509 S. Preis 8 M.,
in feinem Halbfrzbd. 10 M. 50 Pf.
(Selbstanzeige.) Auch dieses Buch darf im
Archiv genannt werden, iveil sein Text und seine
Illustrationen der Kunst ein Hauptaugenmerk
zuwenden. Längere Betrachtungen sind gewidmet
der Kunst der alten Aegypter, der Kunst des
Islam, der altgriechischen Kunst, sodann nament-
lich den Bauten der Kreuzfahrer iiu hl. Land,
vorab der Heiliggrabkirche, auch den altchristlichen
Kirchenbauten in Konstantinopel, besonders der
Aja Sophia. Mögen auch nicht alle Erörte-
rungen des Verfassers allseitige Zustimmung
finden, mag manchen vielleicht der Rang, welcher
der altägyptischeu Kunst angewiesen wird, zu hoch
erscheinen, der Verfasser ist vollauf befriedigt,
wenn nur wenigstens diesen Seiten der Kunst-
geschichte, tvelche man bisher entschieden zu rasch
umgeschlagen hat, mehr Beachtung und Studium
zugewendet wird.

IHit einer Kunstbeilage:

Gotbischer Kelch aus Straßberg in Hobenzollern.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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