Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

Seite: 83
DOI Heft: 10.11588/diglit.15911.47
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15911.50
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15911.51
DOI Seite: 10.11588/diglit.15911#0090
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1894/0090
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
83

von dem Benediktiner des Ulrichklosters daselbst
Johs. Hern lein ans Pergament geschriebenes
über Benedictionum aus dem Jahre 1ä76.
Ans demselben Kloster stammen ein in München
befindliches Missale mit lO trefflichen Minia-
turen, ein Psalmenbuch der Domkirche A. und ein
Leben des hl. Benedikt mit kolorirtcn Jndex-
zeichnungen aus dem I. 1495. Aus späterer
Zeit ist vom genaunten Kloster P. Reginbald
M vehner (geb. zu Rain, ch 1672 in Augs-
burg) bekannt, welcher (nach Magnoald Ziegel-
bauers bist, rei literariae Ord. 8. Bened. und
I-bbamm, a. a. O.) eine Menge, ineist illustrier-
ter und bemalter Manuskripte fertigte lind hin-
terlies;, U. ll- „Annales augustanos duobus Tomis
constantes et in 12 libros divisos" (Fvl.) mit Von
der Feder des fleißigen Autor gezeichueten liud
kolorierten Geschlechtswappen der Kaiser, Reichs-
fürsten und Augsburger Familien. — Wie wir
oben gesehen, widmeten sich in A. frühzeitig
auch Laien (Beck, Vater und Sohn) der Jllumi-
nistik, so Meister B äm el, welcher sich ausdrück-
lich Illuminator nannte; insbesondere wären von
Laienarbeiten aits dem 15. Jahrhundert Marx
Walter's Tnrnierbiicher (vom Ende des ge-
nannten Jahrhunderts) hervorzuheben. Im 16.
Jahrhundert blühte diese Kunst noch fort; in
der ztveiten Hälfte desselben gibt es unter
vieleir einen Miniaturmaler D. Br endet in
Schtvaben, welcher u. a. ein dem Antvny Wepn-
mayer in Laningen gewidmetes Stammbuch ans-
inalte. In diesen danials anfgekommenen sehr
beliebten S t a m m b ü ch e r n , insbesondere iit den
hier sich häufig findenden Wappenmalereien, bot
sich den Miniatur- nitb Briefmaleru eine neue
willkommene fruchtbare Gelegenheit zur An-
bringung und Verwerthung ihrer Kunst. Neben
der Stammbuchmalerei >var die Medaillon-
malerei ein Hauptgebiet für die Miniatnrkunst.
Schon zu Ende des 16. und zu Altfang des
17. Jahrhunderts wurde es Mode, kleine in Oel
gemalte Bildnisse, als Medailloir um beit Hals
oder auf der Brust zu tragen. Solche Medail-
lons witrden dann auch in Email ausgefiihrt
und anS diesen Schmelzmalereien ging end-
lich die neuere Miniaturmalerei auf Elfenbein
hervor, die vorzüglich in Frankreich blühte. Jur
17. Jahrhundert (um 1630) findet man in Augs-
burg neben vielen anderen Namen einen Brief-
maler Georg Wellhöf er, welcher u. a. ver-
schiedene kleine Schriftetl herausgab, so z. B.
„umstündtliche Relation des; Bethlehem Gabors
mit der Chur-Brandenburgschen Prinzeßiu Ka-
tharina zu Cascha gehaltenen Beylagers. Zu
Angspurg bey Georg Wellhöfer Brieffmacher,
deu Ladeu auff Barfüsserbrugk ao 1626". Ein
schwäbischer Kartenmacher aus dieser Zeit war
Nepomuk Stampfer; einer der letzten Ul-
nrischeu Kartenmacher Rud. Ellenrieder
(gcb. 1781), tvelcher Karten in Holz und Kupfer
stach. Aus der kunstreicheu (allerdings nicht
mehr zu Oberschwaben gehörigen) Reichsstadt
Gmünd werden im 17. Jahrhundert die Klein-
zeichner Johs. Büchler 1641 ff., Joh. Phil.
Büchler 1653 und Joh. Mich. Büchler um
1690 hervorgehoben. Wie sehr die Kunst noch
im 18. Jahrhundert in A. oben war, ergiebt sich
aus einem Verzeichnisse von Handwerkern,

welche die Krämergerechtigkeit besaßen, vom
Jahre 1721, welches die Namen von — sage
— 120 Brief- und Miniaturmalern nitb Jllu-
ministen, 9 Kartenmachern (darunter Heinr.
Joia), außerdem nvch eine Anzahl von Form-
schneidern, Siegelschneidern re. enthält. Da-
runter begegnet man einem ans Ulm herge-
kvmmenen Briefmaler und Formschneider, Äl-
brecht Schmid, von welchem man u. a. hat:
„Das erlöste Ulm, nach zweijähriger Dienst-
barkeit 1704 befreit" (Fol.). Ein Augsburger
Prvfessionistenverzeichniß vom Jahre 1787 führt
noch 48 Briefmaler auf, unter welchen allerdings
fämmtliche Miniaturmaler, Freihandmaler, Jllu-
ministen, Patronisten, Formschneider und Kupfer-
drucker begriffen sind und welche vermöge der
Kramerordnung das Recht hatten, mit ihren
Kunsterzeugnissen zu handeln; Kartenmacher figu-
rieren in dieser Liste bloß noch drei. Als Mi-
niaturmaler wurden damals hervorgehoben:
Joh. Walch, Albr. Baumeister und Sohn, Wolf-
gang Jos. Sirch und als Zeichner: Aut. Gig-
nvux, Franz Pav. Habermann, Joh. Thom.
Hauer, Gvtllieb Jaebez Heß. Freilich war die
schon ziemlich auf das Haudwerksnivenu, ja
vielfach zur bloßen Farbeukleckserei und Stüm-
perei herabgesunkene Arbeit auch da, nach. Nimmt
man z. B. — um von den vielen derartigen
Kleinmeistern einen heranszngreifen — den
Briefmaler Franz Xav. End res in A., welcher
seine Arbeiten mit „F. X. Endres, Cath. exc.
A. V." zu bezeichnen pflegte, bezw. dessen
Leistungen, in Augenschein, so muß mau die-
selben geradezu als „gewöhnliches Zeug" be-
zeichnen. Die naturgemäße Entwicklung der
Kunst hatte es mit sich gebracht, daß die Ali-
niatur- bezw. in specie Briefmalerei längst
hinter den großartigen Schöpfungen der Tafel-
nialerei zurückgetreten war, wenn auch bis in
das 18. Jahrhundert ab und zu immer nvch ver-
einzeltes Gute und Schöne im Gebiete der
Kleinmalerei geleistet wurde. Die herrschende
Geschmacksrichtung hatte auch schon längst, zu-
mal seit der ausgedehnten Ausbildung der ver-
vielfältigenden Künste, für die eigentliche Brief-
malerei, d. h. für das, was man seinerzeit
unter derselben begriff oder verstand, kein Be-
dürfnis mehr; und die Kartenfabrikation wird
ja bekanntlich bereits langeher auf mechanischem
Wege betrieben. Im Laufe dieses Jahrhunderts
ist die Miniaturmalerei, namentlich in Aquarell,
allerdings auf's Neue wieder aufgelebt. Welcher
Abstand aber auch hier, insbesondere in der
Technik, zwischen alter und moderner Kunst!

Notiz über ^»saac Aiening, Maler von
Isny.

Von Pfarrer vr. Probst in Essendorf.

Durch gütige Vermittlung des Herrn Kammer-
raths Röhrle in Jsnp wurde unreine Notiz
über deu Meister Jsaac Kiening von dort von
Herrn Stadtpfarrer Nieder in Jsny in dankens-
werther Weise mitgetheilt. Dieselbe ist entnom-
men aus dem Steuerbuch von 1570 und lautet:

„Meister Jsaac Khönig ist bewilligt jehrlich
umb 4 Pf. frei zu sitzen, doch ntt lenger dann
loading ...