Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

Seite: 84
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es eint Nhatt gesellig und sonderlich Er sich der
Religion halb nicht Ergerlich halt."

Die gleiche Notiz wiederholt sich 1571, da-
gegen 1572 nichts mehr.

' Aits dieser Angabe dürfte sicher hervorgehen

1) daß Kiening n t cf) t seinen bleibenden
Wohnsitz als Bürger in der Reichsstadt Jsny hatte;

2) daß derselbe nicht dem in der Reichsstadt
Jsny herrschenden protestantischen Bekenntnis;
angehörte.

Hiemit scheitten jedoch, wenigstens was der
Punkt 1 anbelangt, seine eigenen Inschriften
auf Werken von 1568 (Achstetten) und 1569
(Heiligenberg) re. nicht im Einklang zu stehen,
weil er sich hier als pictor Isnensis bezeichnet
hat (cf. „Archiv" 1893, S. 26).

Allein bei den sehr verwickelteit Verhältnissen,
tvie sie in Jsny seit lange bestanden (cf. Ban-
mann: Geschichte des Allgäus II S. 410 und
IN S. 375), lassen sich solche scheinbar wider-
sprechende Angaben tvohl erklären: Man muß
nämlich unterscheiden zwischen der Reichsstadt
Jsny und dem B e ne d ik tin er k l o ster daselbst.
Die Reichsstadt übte ihre Autonomie in der
Weise aus, daß sie von 1526 bis 1806 keinen
Katholiken in ihr Bürgerrecht aufnahm. Da-
ncbeit bestand aber das Benediktinerkloster, wel-
chem nicht in der Stadt selbst, aber in der Vor-
stadt und in der Umgegend ein ansehnliches
Herrschaftsgebiet zustand. Ueberdies mögen mit
dem Kloster eine Anzahl von Beamten als fa-
miliäres in unmittelbarer Verbiitdnng gestanden
sein, die als solche dem katholischen Bekennt-
nisse angehörten. Mag nun das eine oder an-
dere bei Jsaae Kiening der Fall getveseit seilt,
so war er berechtigt, sich als pictor Isnensis zu
bezeichnen, ohne daß er wirklicher Bürger der
Reichsstadt Jsny gewesen wäre. Wollte derselbe
aber ans irgend welchem Grund, vielleicht nur
vorübergehend, seinen Wohnsitz und seine Werk-
stätte in eilt Haus der Reichsstadt selbst ver-
legen, so bedltrste er daztt. die Belvillignng des
Magistrats, der sich bei dieser Gelegenheit ver-
anlaßt sah, seine Bedingnngeu, besonders auch
in Sacheit der Religion, zum Gegenstand einer
besondereit Klausel ztt machen.

Literatur.

Der Dom zu Köln, dargestellt von Frz.
Theod. He linken. 3. erweiterte Ans-
lage. Ein Führer für die Besitcher. Köln,
Soisseröeö Buchhandlung (Helmken) 1894.
160 S. Preis 1,50 Mk., eleg. geb. 2 Mk.

Eine weitere Attflage dieses schon früher
empfohleneit trefflich orientirenden Büchleins.
Die neue Literatur ist nachgetrageit lind ausge-
nützt, namentlich Pfeifers Forschungen über die
mathematischen Verhältnisse des Domes, dien
eingefügt lvitrde ein Rückblick ans die ehemalige
malerische Ausstaltnng des Chores, soivie über
den einstigen Hochaltar und das leider 1766
zerstörte Sakramentshaus mtb ferner eine Be-
schreibung des von Villeroy und Boch gefertigten
neuen Bodenbelages und der neuen Portal-

thüren. Diese Bereicherungen und manche ge-
legentliche Zusätze und Verbessertmgeit erhöhen
die Brauchbarkeit dieses tüchtigen Führers, der
jedem auf's wärmste empfohleit werden muß,
welcher in der Wnnderwelt dieses Riesenbaues
sich znrechtfinden will.

Die zur Errichtung eiites passenden Denk-
ntals für den Verfasser der Nachfolge Christi,
Thomas von Kentpis, vor einigen Jahren
gebildete Kvmmissioit veröffentlicht nunmehr das
Altsschreiben zu einem Wettbeiverb, alt tvelchem
niederländische itnd ausländische Künstler sich
betheiligen können. Das Denkmal soll die Form
eiites Grabmvnltmenles erhalten, dessen unterer
Theil die Gebeine des Seligen aufiiehmeil, dessen
Obertheil eine plastische Darstellung, Relief oder
Vollfignr, des Thomas a Kempis bilden soll,
tute derselbe vor dem krenztrageitden Christus
kniet; der Stil soll der niederländische des 15.
Jahrhunderts sein, das Material Haustein oder
verschiedene Steinsorten; seine Aufstellung soll
das Denkmal fiitden in der Michaelskirche zu
Zivvlle im Südschiff, an der Jnnenmauer des
Thurmes. Die Gesammtkvsten dürfen den Be-
trag von 10 000 fl. oder 16 000 M. llicht über-
steigen; der beste Entwurf wird mit 1000 fl.
oder 1660 M . der nächstbeste mit 500 st. oder
830 M. prämiert; Terntiit: 15. Januar 1895.
Das Programm kann ltnentgeltlich bezogen iver-
den von dem Sekretär der Jnty W. B. G.
Molkenboer, Direktor der Zeicheilschltle in Amster-
dam (Vvssiusstraat 50). Da die eingekommeilen
Beiträge noch llicht ganz altsreichen, so nimmt
der hvchlv. Herr W. F. Weitjeils, Pastor ztt
Joure (Niederland), jederzeit weitere Beiträge
entgegen.

Der Güte des Herrn Domkapitulars A. Schnüt-
gen in Köln verdanken lvir photographische Ab-
bildungett eiites Krenzivegs, lvelchen derselbe
jüngst in München käuflich erivarb. Die Bild-
chen, 0,16 m breit, 0,26 in hoch, sind auf dünne
Tannenhvlzbrettchen in Oel gemalt, etwas roh
in der Anssührung, aber nicht ungeschickt in
der Kompositiolt utid lvohl Originalarbeiten.
Werth und Bedeutung verleihen ihiteir nament-
lich die der ersten und ztvölften Station beige-
gebenen Inschriften: G(eorg). P. Fischer Land-
(shnt) 1735. Da dieser Kreuztveg alle vierzehn
(Stationen in der heutigen Abfolge zeigt, so
habeit wir nun endlich eine ganz bestimmte
Datirnng ttnd lvissen, daß ztt der angegebenen
Zeit die Entivicklltng der Stationenandacht und
Statioilendarstellttllgen zum Abschluß gekommen
ivar, wenn auch ttach dett in unserer Schrift Die
14 Stationen des Kreuzweges (2. A. Freibnrq
1892, S. 34 ff. und Archiv 1893, S. 58) bei'-
gebrachten Belegeit die Siebenzahl der (Stationen
sich noch länger erhielt.

Mit einer Kunftbeilage:

0 Seitenaltar der Kirche ZN Schweuningeu.

2) Altar der bischösl. Hanskapelle in Rottenbnrg.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksbkatt".
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